Experte zum Atomtest

09. September 2016 20:08; Akt: 09.09.2016 20:08 Print

«Ein korruptes Regime will sich selbst erhalten»

von Mareike Rehberg - Mit seinem fünften Atomtest kommt Nordkorea seinem Ziel näher, eine Nuklearmacht zu werden. Der Experte Karl-Heinz Kamp sagt, welche Gefahren drohen.

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Nordkorea hat am Tag seiner Staatsgründung erneut die Muskeln spielen lassen und die internationale Gemeinschaft mit seinem fünften Atomtest in Sorge versetzt. Der Sicherheitsexperte Karl-Heinz Kamp erläutert, welche Sorgen begründet sind.

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Nordkoreas nukleare Machtdemonstrationen erfolgen in immer kürzeren Abständen. Welche Strategie verfolgt Kim Jong-un damit?
Nordkorea-Experten nennen das Land häufig einen Zombie-Staat – er kann weder überleben noch sterben. Das liegt unter anderem daran, dass keiner diesen Staat sterben lassen will, auch China nicht – wahrscheinlich, weil die Folgen noch wesentlich dramatischer wären. Pyongyang hat zwei Interessen: Zum einen den eigenen Machterhalt. Zum anderen die Steigerung des Drohpotenzials, was wiederum dem Machterhalt dient. Dazu dienen Nukleartests. Damit glaubt Nordkorea, in einer anderen Liga zu spielen, was ja auch stimmt. Ausserdem hat es so die Aufmerksamkeit der Welt. Die würde sich sonst um Nordkorea wenig scheren.

Sind die Tests also nur Imponiergehabe?
Ja, aber dieses Imponiergehabe ist sehr gefährlich. Der Test ist die eine Sache. Eine Anlage wird irgendwo im Boden vergraben und eine nukleare Reaktion wird hervorgerufen. Das ist schon schwierig genug. Der nächste Schritt ist die sogenannte Weaponization – also eine Bombe zu bauen, oder eine Waffe, die man auf eine Rakete schrauben kann. Die Trägersysteme für Raketen hat das Land. Wie weit Nordkorea mit der Waffe ist, weiss man nicht.

Und was, wenn Nordkorea so weit ist?
Die grosse Frage lautet: Kann man Kim Jong-un abschrecken, etwa wie es mit der Sowjetunion im Kalten Krieg gemacht wurde? Abschreckung erfordert einen rationalen Gegner. Er muss rational einschätzen können, dass die Gefahr, die Atomwaffen zu starten, viel zu gross ist. Wenn Sie ein offenbar wenig rationales Regime haben, ist die Frage, ob Abschreckung noch etwas nützt. Das ist die Gefahr.

Was wären weitere Optionen?
Man kann versuchen, das Regime mit Sanktionen von seiner Nuklearpolitik abzubringen. Das Problem ist, dass der einzige Staat, der noch Einfluss auf Nordkorea hat, China ist. Aber China bestreitet seinen Einfluss. Es hätte Möglichkeiten, über die Stromversorgung und Warenlieferungen die Daumenschrauben anzuziehen. Daran hat China aber kein Interesse, weil es das Regime nicht destabilisieren will.

Aber selbst China verurteilt den Test. Lässt sich Nordkorea von niemandem stoppen?
Verurteilen alleine reicht nicht. Das machen die Europäer und Amerikaner ja auch. Sie haben nur geringe Möglichkeiten, über Sanktionen etwas zu erreichen. China würde als einziges Land am längeren Hebel sitzen. Das Land hat Nordkorea vor mehreren Jahren auch schon einmal den Strom abgestellt. Das macht man heute nicht mehr, weil man Angst hat, dass das Regime kippt. Aus chinesischer Sicht sind die Gefahren, die ein Kippen des Regimes mit sich bringen, noch grösser als die jetzigen.

Kim Jong-un hat mehrfach gedroht, New York auszulöschen. Ende August drohte er Südkorea und den USA mit einem atomaren Erstschlag. Welchen Schaden könnte er im Ernstfall anrichten?
Das Auslöschen der USA oder Europas erfordert Interkontinentalraketen. Ausser den USA, China, Russland und Indien gibt es keine Länder, die diese haben. So weit ist Nordkorea noch nicht. Das Land ist aber faktisch eine Nuklearmacht. Das war nach dem ersten Atomtest 2006 noch strittig. Verheerenden Schaden kann Nordkorea in Japan und Südkorea anrichten. An einer Auslöschung ganzer Länder kann Nordkorea aber nicht gelegen sein, denn das würde die Auslöschung des nordkoreanischen Regimes bedeuten. Herr Kim Jong-un pflegt alle 14 Tage anzudeuten, dass er die Welt mit Feuer und Tod überziehen werde. Warum hat er es dann noch nicht gemacht? Eben, weil ein hochkorruptes Regime wie Nordkorea nicht selbstzerstörerisch ist und sich selbst erhalten will.

Wie ist die Nuklearmacht Nordkorea im Vergleich zu anderen Ländern einzuordnen?
Es gibt die fünf erklärten Nuklearmächte USA, Frankreich, Grossbritannien, China sowie Russland und zusätzlich Indien, Pakistan, Israel und eventuell Iran. Nordkorea ist wohl deutlich besser als Iran aufgestellt, liegt aber ansonsten deutlich unter den anderen Atommächten – allein schon, was die Zahl der Sprengköpfe angeht. Ob Nordkorea überhaupt über eine funktionstüchtige Atomwaffe verfügt, ist ja nicht sicher. Aber auszuschliessen ist es nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 09.09.2016 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europa

    Da machen mir die Koruppten Regierungen mit Ihrer Asylpolitik mehr Angst als Nordkorea mit den Atomwaffen.

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  • EMM am 09.09.2016 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst wenn

    Nordkorea eine Atom-Macht wäre, ist jedoch nicht die einzige Atom-Macht. Das heisst, wenn Nordkorea, mit der Atomare agression beginnen würde, dann muss Nordkorea mit einer Gegenschlag rechnen. Das wäre das ende für Nordkorea. Da muss der Diktator wohl zweimal überlegen müssen, ob man einen Angriff Atomarer ausmass riskieren will. Ausserdem sind die USA Technisch dem Nordkorea gegenüber, weit überlegen, also noch keine Bedrohung. Die USA greift nicht an, auch wegen die Chinesische Interessen, sonst wäre Nordkorea längst Geschichte. Letztendlich, bleibt die Atom-Test eine Droh Instrument, nicht mehr und nicht weniger. Es heisst, Hunde die bellen beissen nicht, und ich hoffe dass es so bleibt. Denn letztendlich hat keiner was davon.

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  • Kimchi am 09.09.2016 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aktion und Reaktion

    Naja ist halt ein bisschen wie Amis und Russen. Die Amis stehen an der Grenze und provozieren solange bis es chlöpft. Ich heisse das was Nord Korea macht und ist, keinesfalls gut, aber ein bischen verstehe ich sie schon. Kim möchte Anerkennung und ein minimum an Respekt. Nur wird Nordkorea seit Jahrzenten mit einem Handelsembargo abgestraft und Militärisch von den Amis provoziert. Aber auf diesem Weg wird keinem Nordkoreaner geholfen sie sterben weiter zu tausenden an Hunger und Grausamkeit

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fragender am 11.09.2016 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waruum??

    warum greift den die USA nicht ein wie damals im Irak??

  • Tom Sawyer am 10.09.2016 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz und Weltmacht

    Recht hat ER ... Die Zentrifugen Heinis aus dem St..Galler Rheintal wurden auch nie belangt für aktive Unterstützung Plutonium/Uran/Cäsium

  • Matz Peter am 10.09.2016 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Neutronenbombe

    Nun es ist tragisch das man einen Wahnsinnigen so lange machen lässt. Die Geschichte wiederholt sich wie vor dem 2. Weltkrieg. Dort hat man auch zu lange gewartet.... und das Resultat kennen wir. Ich bin der Meinung alle diplomatischen Beziehungen sind ausgeschöpft. Von mir aus müsste man dort eine Neutronenbombe schmeissen und dann ist Ruhe. Auch wenn China droht dieses Risiko muss man eingehen.. Sonst kriegen die auch noch eine.. Wenn wir zulange warten werden vielleicht nicht nur Millionen Menschen sterben sondern Miliarden..

  • Brutalo am 10.09.2016 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fightt to death

    Lasst uns alle Anführer und Kriegstreiber dieser Welt zusammenrotten und sie mit blossen Händen gegeneinander antreten lassen. Die Einschaltquoten wären bestimmt der Hit weltweit und einige Probleme liessen sich damit sicher auch lösen.

  • Sark am 10.09.2016 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Nordkoreaner mit schweizer Ausbildung...

    terrorisiert die Welt. Haben wir ihn etwas falscher beigebracht und nicht gut behandelt? Waren die Rösti schlecht? Ist der Sohn Kims bereits in Bern? Spass, der ist nicht zu stoppen, oder man stoppt ihn. Das Volk kann nichts dafür, jedoch weiter zusehen ist keine Lösung. Jetzt muss eine Staatenlösung her, die Zeit drängt.....