Beweise umstritten

25. Juli 2011 21:11; Akt: 25.07.2011 21:25 Print

«Engel mit den Eisaugen» schöpft Hoffnung

Rückschlag für die Anklage gegen die in Italien wegen Mordes angeklagte Amerikanerin Amanda Knox. Die gefundenen DNA-Beweise sollen nicht sauber sein.

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Die 21-jährige britische Studentin Meredith Kercher war im August 2007 nach Perugia gereist, um an einem Austauschprogramm für Studenten teilzunehmen. Sie wohnte zusammen mit der aus Seattle stammenden Amanda Knox und zwei Italienerinnen in einem Haus am Rande der Stadt. In der Nacht des 1. Novembers wurde Meredith Kercher auf bestialische Weise umgebracht. Unter Mordverdacht stehen ihre Mitbewohnerin, die 20-jährige Amanda Knox, .... ... deren italienischer Freund, der 24-jährige Raffaele Sollecito, ... ... und der 21-jährige Rudy Guede, ein Italiener mit Wurzeln in der Elfenbeinküste, ein stadtbekannter Dealer, der mit dem Opfer eine Affäre gehabt hat. Meredith Kercher wurde mit einem 17 Zentimeter langen Küchenmesser getötet: Man fand sie halbnackt, verblutet mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Wohnung. Vor ihrem Tod soll sie vergewaltigt worden sein. Guede wurde in Südwestdeutschland gefasst, als er versuchte, dem internationalen Haftbefehl, der gegen ihn ausgeschrieben wurde, zu entkommen. Am fraglichen Abend waren Guede und Sollecito mit dem Opfer in der Wohnung. Amanda Knox lieferte seit ihrer Verhaftung drei verschiedene Versionen der Ereignisse ab. Was klar ist: Amanda Knox und Raffaele Sollecito, beide aus gutbürgerlichem Hause, lebten noch ein ganz anderes Leben. Auf Amanda Knox' Website zeigt sich die Studentin in höchst anzüglichen Posen. So sollen sie auch exzessiv Marihuana geraucht und sexuelle Gewaltfantasien gehabt haben. Ihr Übername auf der MySpace-Seite war «Foxy Knoxy». Auch soll sie gelegentlich in «Lumumbas Nachtlokal» gearbeitet haben. Der Ärztesohn Sollecito wiederum zeigt sich im Netz als «verrückter Doktor», eingewickelt in Klopapier, mit einem Beil in der Hand. Rudy Guede wurde Ende September 2008 in einem abgekürzten Verfahren schuldig des Mordes gesprochen und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen Raffaele Sollecito und ... ... Amanda Knox hat am 16. Januar 2009 begonnen.

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Entlastung für den «Engel mit den Eisaugen»? Im Berufungsprozess gegen die 2009 mit ihrem Exfreund wegen Mordes an einer britischen Austauschstudentin verurteilte Amerikanerin Amanda Knox hat das Gericht am Montag über ein neues Gutachten verhandelt.

Zwei vom Gericht bestellte Rechtsmediziner waren zu dem Schluss gekommen, dass nach dem Mord am Tatort gesammelte DNA-Spuren verunreinigt waren.

Dabei handelte es sich um DNA-Spuren des Opfers und auch von Knox auf dem mutmasslichen Tatmesser sowie Hinweise auf den Ex-Freund der Amerikanerin auf dem Verschluss des Büstenhalters der Getöteten. Die Spuren gehörten italienischen Medienberichten zufolge zu den wichtigsten Beweisen der Anklage.

«Beweisführung der Anklage bricht zusammen»

«Damit bricht die Beweisführung der Anklage zusammen», triumphierte Giulia Bongiorno, Verteidigerin von Knox' italienischem Ex-Freund.

Francesco Maresca, Anwalt der Familie der Ermordeten, betonte dagegen, das Gutachten sei absolut «nichts Neues» und würde auch nichts an dem Urteil ändern. Knox und ihr Freund waren vor zwei Jahren für den Mord an der Britin Meredith Kercher zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die 21-jährige Kercher war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle, vergewaltigt und halbnackt sowie von 40 Messerstichen übersät in einer Wohnung in Perugia gefunden worden.

Die Amerikanerin Knox hatte im Zuge des Mordprozesses von den italienischen Medien den Namen «Engel mit den Eisaugen» bekommen. Die nächste Anhörung in dem Berufungsprozess soll am 30. Juli sein. Das Urteil wird im September erwartet.

(sda)