Vater isolierte jahrelang Familie

22. Oktober 2019 11:54; Akt: 22.10.2019 11:54 Print

«Er war gut zu seinen Kindern und liebte sie»

Seine Familie lebte jahrelang abgeschottet von der Aussenwelt auf einem Bauernhof. Ein Internet-Bekannter sagt, Gerrit-Jan van D. werde falsch verstanden.

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So präsentiert sich Gerrit-Jan van D. auf Facebook. (21. Oktober 2019) Van D. lebte mit seinen sechs Kindern isoliert auf einem Hof in den Niederlanden. Regelmässig vor Ort war auch der Oberösterreicher Josef B. Eine kleine Brücke führt vom Buitenhuizerweg in Ruinerwold über einen kleinen Kanal zum Anwesen. Der 58-jährige gebürtige Wiener Josef B. arbeitete ausserdem in einer Werkstatt in Meppel. Er soll im Fall eine Rolle spielen. Jahre zuvor hatten B. und der Vater der Kinder, Gerrit-Jan van D., in der Ortschaft Hasselt nebeneinander gewohnt. Der einzige offizielle Mieter der abgelegenen Farm von Ruinerwold ist Josef B., bei den Nachbarn lediglich bekannt als «Josef, der Österreicher». Der Zugang wurde von der Polizei abgesperrt, nachdem bekannt geworden war, dass die Familie neun Jahre lang isoliert auf dem Bauernhof gelebt hatte. Polizisten bewachen das Grundstück. Auch sie stehen vor einem Rätsel. Eine Sonderkommission wurde eingerichtet. Der Hof befindet sich im Ort Ruinerwold, der zur Gemeinde De Wolden gehört. In welchem Verhältnis Josef B. zur Familie stand, die auf dem Hof lebte, ist noch nicht ganz klar. Josef B. verweigerte die Kooperation mit der Polizei. Er wurde deshalb festgenommen. Am Donnerstag, 17. Oktober 2019, wurde er einem Haftrichter vorgeführt. Seither sitzt B. in U-Haft. Auch Gerrit-Jan van D. sitzt in U-Haft, weil die Behörden vermuten, dass er seine Kinder gegen ihren Willen im isolierten Haus festgehalten hat. Der 25-jährige Sohn Jan ist am Sonntag, 13. Oktober 2019, in einer Beiz im niederländischen Drenthe aufgetaucht. Der junge Mann ist das älteste der sechs Kinder, die mit ihrem Vater Gerrit Van D. neun Jahre lang auf dem Hof lebten. Auf Social Media postete er seit einiger Zeit immer wieder Fotos und Beiträge. In den Tagen bevor der Fall bekannt wurde waren es vor allem Bilder aus seinem Ort. Hier etwa die reformierte Kirche. Vater Gerrit Van D. soll früher in der Moon-Sekte gewesen sein. Die Familie sei davon überzeugt gewesen, dass Tageslicht schädlich sei. Der Bauernhof liegt abgelegen, umschlossen von Bäumen. Der Fall kam ans Licht, nachdem Jan die Flucht gelungen war. Der 25-Jährige lief in eine Bar in der Ortschaft Drenthe und erzählte dem Besitzer, dass er neun Jahre lang nicht draussen gewesen sei. «Er hatte langes Haar, einen schmutzigen Bart, trug alte Kleider und sah verwirrt aus. Er sagte, dass er weggelaufen sei und Hilfe brauche», erzählte der Wirt (Bild) lokalen Medien. Als die alarmierte Polizei die Farm stürmte, entdeckte sie eine Treppe zum Keller hinter einem Schrank im Wohnzimmer. Fenster und Türen sollen nach Angaben eines Zeugen komplett vernagelt gewesen sein. Nach Angaben der Behörden sind alle Kinder volljährig. Die Familie hatte keinen Kontakt zur Aussenwelt. Sie soll auf das «Ende der Zeit» gewartet haben. Noch ist nicht bekannt, wo sich die Mutter befindet. Die Ermittler vermuten, dass sie auf dem Gelände begraben ist.

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Während er auf einem Bauernhof in Ruinerwold (NL) seine Familie mit sechs Kindern jahrelang isoliert haben soll, verbrachte Gerrit-Jan van D. Tausende Stunden im Internet. Dort zeigte er auf, wie die Menschheit nach seiner Meinung das Böse am besten bekämpfen könnte, und arbeitete an einer Art Evangelium. Daneben finden sich Einträge mit Katzenfotos oder Tai-Chi-Anleitungen.

Einige der Artikel wurden jedoch von einem Co-Autor namens Joseph Greenwood verfasst. Der Name deutet auf den zweiten Verdächtigen in dem Fall hin, den Oberösterreicher Josef B. (58).

«Dass er im Gefängnis sitzt, ist ein Fiasko»

Ein Internet-Bekannter zeichnet nun ein Bild des liebevollen Vaters. Gegenüber der holländischen «AD» sagt Eljon Kaja: «Er war gut zu seinen Kindern. Er liebte sie, und sie liebten ihn.» Zuletzt soll der Albaner am 12. Oktober mit dem 67-Jährigen Kontakt gehabt haben.

Ein weiterer Facebook-Freund meint, dass Gerrit-Jan van D. seine Kinder niemals verletzen würde, und nennt die Tatsache, dass der Vater jetzt im Gefängnis sitze, ein «Fiasko».

Van D. wird der Freiheitsberaubung, Geldwäsche und Misshandlung verdächtigt. Er soll Josef B., der sich weiterhin in Haft befindet, bei der Moon-Sekte kennen gelernt haben. Van D., musste am Montag, 21. Oktober, vor Gericht. Seine Untersuchungshaft wurde um 14 Tage verlängert.

(dmo)