Luftangriffe in Syrien

01. Oktober 2015 04:24; Akt: 01.10.2015 11:30 Print

«Es geht um den Kampf gegen den IS»

Aussenminister Sergei Lawrow nennt die US-Kritik, Russland bombardiere keine IS-Ziele «unbegründete Gerüchte». Militärs beider Länder sollen ihren «Konflikt» bald entschärfen.

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Halten trotz Meinungsverschiedenheiten am gemeinsamen Ziel der Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien fest: Die Aussenminister Sergei Lawrow und John Kerry in New York. (30. September 2015) Lawrow (l.) und Kerry haben am Rande der Uno-Vollversammlung laut US-Angaben Ideen entwickelt, wie ein politischer Prozess in Syrien vorangetrieben werden könnte. (30. September 2015) An der UNO-Vollversammlung: «Wir haben die UNO, die wir verdienen. An uns ist es, sie zu stärken», sagt Simonetta Sommaruga. (28. September 2015) Kurzer Handschlag: Barack Obama und sein russischer Konterpart Wladimir Putin sind am Rande der UN-Vollversammlung in New York zusammengetroffen. (28. September 2015) Erhält den längsten Applaus: Kubas Staatschef Raúl Castro. (28. September 2015) Niemand könne sich eine politische Lösung mit Assad vorstellen, sagt François Hollande, der französische Präsident. Der russische Präsident Wladimir Putin meint hingegen, es sei ein «enormer Fehler», nicht mit der syrischen Regierung zusammenzuarbeiten. Der Präsident des Irans, Hassan Rohani, verlangt ähnlich wie Putin eine «vereinigte Front» gegen die IS-Miliz. Ohne Russland namentlich zu nennen, sagt Obama, einige Weltmächte verletzten internationales Recht. Sommaruga posiert mit Barack Obama und der First-Lady im Weissen Haus. Der jordanische König Abdullah II. sagt, die Welt sei bedroht, wenn die Diskussionen von Angst und Wut dominiert würden. Der chinesische Staatschef Xi Jinping fordert die Völker in seiner Rede auf, die Unterschiede zwischen einander zu respektieren. Kubas Präsident Raul Castro spricht mit dem Präsidenten von Venezuela, Nicolas Maduro. Obama grüsst den Generalsekretär Ban Ki-moon, der die erste Rede hält. Er macht den Anfang: UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon eröffnet die Vollversammlung in New York. (28. September 2015) Im Zentrum der Diskussionen stehen der Syrienkonflikt und die Flüchtlingskrise: Ban Ki-moon (l.) zu Beginn des Gipfels. Das Treffen, bei dem sich 196 Redner angemeldet haben, bietet auch zahlreiche Gelegenheiten zu bilateralen Treffen: Der kubanische Präsident Raúl Castro (l.) trifft auf den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Zu Gast in New York nach der Annäherung zwischen Kuba und den USA: Raúl Castro an der UNO-Vollversammlung.

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Russlands Aussenminister Sergej Lawrow hat Zweifel an den Zielen der russischen Luftangriffe in Syrien zurückgewiesen. Die Gerüchte, dass es sich bei den Zielen der Luftangriffe nicht um IS-Stellungen gehandelt habe, seien «unbegründet», erklärte Lawrow in New York. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass bei den Angriffen Zivilisten getötet worden seien.

Lawrow betonte nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry erneut, dass Russland auf Bitte von Syriens Staatschef Baschar al-Assad in dem Bürgerkriegsland eingegriffen habe. Es gehe dabei «ausschliesslich» um den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und «andere Terrorgruppen», hiess es in der Stellungnahme, die auch vom Aussenministerium in Moskau verbreitet wurde. Westliche Regierungen und die syrische Opposition äusserten jedoch Zweifel an dieser Darstellung.

Lawrow und Kerry vereinbaren Miltärtreffen

Angesichts der Verärgerung der USA über die russischen Luftangriffe in Syrien sollen Militärvertreter beider Seiten schnellstmöglich zu einem Gespräch zusammenkommen. «Wir haben uns über die Notwendigkeit verständigt, so bald wie möglich – vielleicht sogar schon heute – ein Gespräch auf militärischer Ebene zur Entschärfung des Konflikts zu führen», sagte US-Aussenminister John Kerry, als er in New York mit seinem russischen Kollegen gemeinsam vor die Presse trat.

Kerry fügte hinzu, trotz der Besorgnis der USA über Russlands Unterstützung für den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und die Auswahl der Ziele in Syrien für die ersten russischen Luftangriffe habe er mit Lawrow Ideen entwickelt, wie ein politischer Prozess zur Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien vorangetrieben werden könnte. Diese würden sie nun jeweils intern mit den beiden Staatschefs, US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Wladimir Putin, erörtern.

«Differenzen über die Details»

Seine Regierung werde den Dialog mit Russland mit Sicherheit fortsetzen, sagte Kerry. Beide Seiten seien sich einig, dass «eine Eskalation auf jeden Fall vermieden» werden müsse.

Lawrow hob die Gemeinsamkeiten hervor: «Wir alle wollen, dass Syrien demokratisch, geeint, säkular ist. Ein Syrien, das allen ethnischen Gruppen eine Heimat gibt und deren Rechte garantiert, aber wir haben ein paar Differenzen über die Details, wie wir dort hin kommen können.» Der russische Aussenminister bestätigte, dass es «bald» ein Treffen von russischen und US-Militärvertretern geben solle.

Russland hatte am Mittwoch erstmals Luftangriffe in Syrien geflogen. Die Attacken richteten sich laut der Regierung in Moskau gegen Stellungen der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte hingegen, es sehe nicht danach aus, dass die Angriffe von Jihadisten gehaltene Gebiete getroffen hätten. Kerry beschwerte sich über das russische Vorgehen bei Lawrow, wie ein ranghoher US-Beamter sagte. Verärgert zeigten sich die USA auch über die Art und Weise, wie sie über die bevorstehenden Luftangriffe informiert wurden.

Moskau dementiert zivile Opfer

Moskau hat die Vorwürfe der syrischen Opposition zurückgewiesen, wonach Zivilisten bei den russischen Luftangriffen in dem Bürgerkriegsland getötet worden seien. Diese Behauptungen seien falsch und Teil eines «Informationskriegs», sagte eine Sprecherin des russischen Aussenministeriums am Rande der UNO-Vollversammlung in New York am Mittwoch. Im Übrigen seien die Vorwürfe publik geworden, ehe die Luftangriffe überhaupt begonnen hätten. Russland handele «absolut legitim» im Rahmen internationalen Rechts, fügte sie hinzu.

Zuvor hatte der Führer des oppositionellen Syrischen Nationalrats, Chalid Chodscha, gemeldet, dass den russischen Luftangriffe in Homs 36 Zivilisten zum Opfer gefallen seien, darunter fünf Kinder. Zudem warf er Russland vor, keine Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat ins Visier genommen zu haben. Moskau erklärte indes, die Attacken gälten IS-Stellungen.

Moskau will Assad im Amt halten, der Westen will, dass der syrische Präsident die Macht abgibt.

(chk/ap/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • killuminati am 01.10.2015 05:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amis go home

    Wir erinnern, dass alle US-Luftschläge gegen das UN-Völkerrecht verstoßen, da sie weder von UN-Sicherheitsrat, noch von der offiziellen syrischen Regierung angefragt und genehmigt wurden. Die Russische Föderation hat eine offizielle Bitte der syrischen Regierung erhalten den jetzigen Militäreinsatz durchzuführen.

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  • Be_Dany am 01.10.2015 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Geschichte wiederholt sich

    immer wieder. Jetzt haben die beiden vermeintlichen Supermächte endlich wieder eine Spielwiese gefunden. Na dann lasst es zünftig krachen (zynismus ende). Wer zieht eigentlich mal die Amis zur Rechenschaft für all das, was sie in den letzten 15 Jahren im nahen und mittleren Osten angerichtet haben?

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  • Bergttoll am 01.10.2015 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus der Tierwelt...

    Und die Friedenstaube verliert durch die Überpopulation von Adler und Bär leider rasant ihren natürlichen Lebensraum. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser seltene Vogel in einigen abgelegenen Schutzgebieten überlebt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Warrior am 01.10.2015 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ungenauer Beschuss

    Auf dem gezeigten Video wurde ein Gebäude anvisiert, doch die zwei Detonationen fanden ca. 50m und 100m daneben statt. Sind die Russen so ungenau oder woran liegt's? Absicht, schlechtes Material, fehlende Ausbildung? Bei so grosser Ungenauigkeit, ist es klar, dass sehr viele Zivilpersonen getroffen werden.

    • Oma am 02.10.2015 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Waffenlieferungen

      Also die USA treffen auch nicht besser, wie ist es sonst zu erklären, dass immer wieder Waffenlieferungen in die Hände der IS fallen?

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  • Filipino / CH am 01.10.2015 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go Putin

    Also wir leben in Puerto Princesa und alle Filipinos unterstützen Russland. Genauso wie ib Europa und dem Rest der Welt. Nur die Medien sehen das anders.

    • sodastream am 01.10.2015 15:24 Report Diesen Beitrag melden

      Filipino / CH

      dann erzählen Sie mir mal wie es kommt dass die Filipinos den Putin so toll finden? Hat er euch mal besucht? Kennt ihn also persönlich?... oder bildet ihr eure Meinung per Zufall auch aus den Medien? Ev. gar von Russia Today? ;-)

    • Erik Schiiegg am 03.10.2015 08:33 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Stunde trollen ergibt 30 euro

      Das ist viel Geld auf den Phillipinen, wo ein Meuchelmörder 10 Franken kostet.

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  • Irak Veteran am 01.10.2015 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    ISIS

    Der IS könnte schon längst vernichtet sein, wenn man nur wollte, aber man darf ja niemanden verärgern besonders nicht Saudi Arabien.

    • Steinwerfer am 01.10.2015 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Irak Veteran

      Es geht wohl kaum um das "Verärgern" der Saudis, sondern wohl eher darum, dass keine der IS-Bekämpfer, zusammen mit dem IS nicht auch Zivilisten wahllos liquidieren wollen. Bekannterweise mischen sich auch die IS Mitglieder unter das einfache Volk. Es gibt zwar immer mal wieder Stimmen die meinen, IS-Kämpfer sind a) easy und eindeutig zu indentifiziern und b) zielgenau auszuschalten, also auch in der Menge der Zivilisten (letzteres geht mit Bomben und Granaten schon mal gar nicht)...

    • Irak Veteran am 01.10.2015 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Steinwerfer

      Deshalb muss der IS eben noch härter bekämpft werden auch von der Bevölkerung, den es gibt hier nur ein dafür oder dagegen und leider nichts dazwischen.

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  • 9.11.01 am 01.10.2015 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wurden aus Guantanamo

    Häftlinge IS Kämpfer gemacht. Den Amerikaner wäre es zututrauen. Jedes Mittel ist ihnen Recht und sie lassen selten etwas ungenutzt.

    • Steinwerfer am 01.10.2015 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      @ 9.11.01

      Ja natürlich, wieder mal so eine sagenhafte Theorie... In Guantanamo waren ja tausende inhaftiert(!?!) Hören Sie einfach auf zu spekulieren und checken Sie die kalten, grausamen Fakten über Guanatanamo. Insgesamt wurden dort 779 Menschen unter widrigen Bedingungen gefangen gehalten. 2014 waren noch 149 Personen inhaftiert.

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  • Matthias am 01.10.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    USA sind die IS

    Und das ist ja das Perfide an der Sache. Alle wissen es, niemand getraut sich es anzusprechen. Woher wohl bekommt die IS Satelliten Aufnahmen russischer Stellungen. Woher die Waffen und die Munition?

    • sushi am 01.10.2015 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      @ Matthias

      Vielen Dank Messias! Nur von welchen russ. Stellungen sprechen Sie? Wo hat es russ. Stellungen wo die IS sich auch rumtreibt? Oder meinen Sie die IS interessiert sich für die russ. U-Boote vor Murmansk? ;-)

    • Warrior am 01.10.2015 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      So ein Nonsense

      Also bei den vom IS selbst veröffentlichten Aufnahmen sehe ich überwiegend nur russisches Kriegsgerät. Klar es gibt auch ein paar westliche Fahrzeuge und Waffen ab und zu sehen, doch wenn Deine Behauptung stimmen würde, wäre es gerade umgekehrt.

    • Zweifler am 01.10.2015 15:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Warrior

      Das Russische Kriegsgerät wurde der Syrischen Armee entwendet. Bekanntlich ein starker Verbündeter Russlands, dass immer wieder Waffen an Assad lieferte. Nichtsdestotrotz wurde und wird die IS von den Amis finanziert.

    • M. Usmer am 01.10.2015 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      Wie denn das?a

      Ich wusste gar nicht, dass die Russen amerikanische M-16 Gewehre und Humvees besitzen. Mal ein bisschen recherchieren ware wohl angebracht

    • Steinwerfer am 01.10.2015 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Zweifler

      Das US-Kriegsgerät wurde von den flüchtenden Iraker bekanntermassen zurückgelassen... Das mit der Finanzierung des IS müssen Sie mir aber schon noch genau Erklären (Wer genau und über welche Kanäle). Aber bitte kommen Sie mir nicht mit "Ich soll mich im Internet informieren"....

    • niklaus am 01.10.2015 20:53 Report Diesen Beitrag melden

      finanzierung

      deris wird nicht direkt unterstützt von den amis aber seine ableger sehr wohl die amis nennen sie einfach (moderate rebellen) finanzierung? siehe contra affäre rest wird wie jeder weiss von den golfstaaten beigesteuert

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