Lutz hahn

25. Juli 2011 19:19; Akt: 26.07.2011 17:40 Print

«Es ist eine schleichende Katastrophe»

von Andy Fischer - Im Hungersnotgebiet am Horn von Afrika sterben die Menschen im Minutentakt. Lutz Hahn, Schweizer Mitarbeiter des Hilfswerks World Vision, erzählt von seinen Eindrücken vor Ort.

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Lutz Hahn ist im Katastrophengebiet direkt vor Ort.

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Herr Hahn, haben Sie in Ihrem Berufsleben schon mal so etwas erlebt?
Lutz Hahn: Ich bin schon lange Zeit in der Katastrophen­hilfe tätig, zum Beispiel auch im Erdbebengebiet von Haiti. Jetzt hatte ich zum ersten Mal mit hungernden Menschen zu tun. Diese stark abgemagerten Menschen – vor allem Kinder – anzusehen, das war mehr als erschreckend.

Den Menschen fehlt es an allem. In manchen Gebieten stirbt jede sechste Minute ein Kind an Hunger. Dennoch scheint die Katastrophe den Westen noch nicht so zu bewegen. Weshalb?
Weil es eine schleichende Katastrophe ist. Sie kam ja nicht von heute auf morgen. Die Menschen am Horn von Afrika kämpfen schon seit Jahren mit der Dürre. Erst jetzt – ausgelöst durch die riesigen Flüchtlingsströme – ist die Welt etwas aufgeschreckt. Aber eigentlich möchte man diese Bilder von abgemagerten Kindern gar nicht mehr sehen. Sie kommen einem einfach zu bekannt vor.

World Vision arbeitet schon lange in Somalia. Wie helfen Sie den Menschen dort?
Wir versuchen vor allem, langfristige, nachhaltige Hilfe anzubieten. Wir bauen etwa Brunnen oder stellen den Bauern Vieh zur Verfügung. Aber natürlich leisten wir auch Soforthilfe. Essen und trinken müssen die Menschen heute – da kann man nicht zuwarten.