Ahmadinedschads Weihnachtsrede

26. Dezember 2008 12:12; Akt: 26.12.2008 16:43 Print

«Es ist pervers»

von Annette Reuther, dpa - Die Queen ist zu Weihnachten zwar Konkurrenz im Fernsehen gewöhnt. Dass jedoch in diesem Jahr ausgerechnet einer der weltweit umstrittensten Politiker gegen sie antrat - darüber mag auch die britische Königin «not amused» gewesen sein.

Die alternative Weihnachtsansprache auf Channel 4 (Quelle: YouTube)
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Pünktlich zum Fest strahlte der britische Sender Channel 4 eine Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad aus - als Alternative zur traditionellen Weihnachtsansprache von Königin Elizabeth II. Was der Sender als «alternative Weltanschauung» präsentierte, hielten andere für beleidigend und skandalös.

Dass ausgerechnet der Hardliner Ahmadinedschad, der wegen seiner Israel-Feindschaft weltweit in der Kritik steht, eine Grussbotschaft zur besten Sendezeit vermitteln durfte, nannten Menschenrechtler, Israelis und viele britische Politiker geschmacklos.

Dabei zeigte sich der iranische Präsident bei seiner Ansprache gütig und friedliebend. Neben einem Blumenstrauss sitzend sprach Ahmadinedschad von «Frieden», «Liebe» und «Bruderschaft». Der allgemeine Wille der Nationen sei es, zu «menschlichen Werten» zurückzufinden.

Er beglückwünschte die Briten zur Geburt Jesu und wünschte ihnen ein frohes neues Jahr. Nur passagenweise wurde seine Weltanschauung deutlich: Wenn Jesus heute auf der Welt wäre, so Ahmadinedschad, dann würde er gegen «Kriegstreiber, Besatzer, Terroristen und Tyrannen» kämpfen. Klar für viele, dass damit die USA und ihre Verbündeten gemeint waren.

Die Botschaft löste umgehend Empörung aus. Die britische Regierung sprach von einer Beleidigung, die sowohl im Königreich als auch im Ausland für Irritationen sorge. Israelische Vertreter fanden schärfere Worte.

«Jede Ethik verloren»

«Es ist pervers, dass diesem Despoten erlaubt wird, über Jesus' Ansichten zu spekulieren, während seine Regierung Christen an den Galgen führt», sagte der israelische Botschafter in London, Ron Prosor. Auf der Suche nach Zuschauerquoten und dem «Schockfaktor» habe Channel 4 jede Ethik verloren.

Channel 4 wies zwar in einem Vorspann auf die Problematik im Iran hin, zum Beispiel darauf, dass das Land verdächtigt wird, eine Atombombe zu bauen. Die Gemüter konnte das nicht beruhigen.

Denn es ist nicht das erste Mal, dass Channel 4 mit seinen jährlichen «alternativen Weihnachtsansprachen» provoziert. Aber ein international so umstrittener Politiker wie Ahmadinedschad wurde noch nie ausgewählt.

Sender in der Krise

Wahrscheinlich hat Channel 4 bei der Auswahl auch an die grosse Öffentlichkeit und somit an mehr Zuschauerinteresse gedacht - schliesslich befindet sich der Sender derzeit in der Krise. Heikel ist aber auch, dass sich das Fernsehhaus zwar privat finanziert, aber nach britischem Recht einen staatlichen Programmauftrag hat.

«Channel 4 hat einem gefährlichen Fanatiker, der den Holocaust leugnet, während er einen neuen vorbereitet, eine unangefochtene Plattform gegeben», sagte die Labour-Abgeordnete Louise Ellman.

Mit bitterem Unterton führte sie Kandidaten an, die in Zukunft gegen die Queen antreten könnten: «Wer wird nächstes Jahr die alternative Weihnachtsansprache halten? Wird es (der Holocaust- Leugner) David Irving oder (der simbabwische Präsident) Robert Mugabe sein?»