MH17-Tragödie

18. Juli 2014 08:58; Akt: 18.07.2014 11:15 Print

«Es muss jemand über uns gewacht haben»

In der Unglücksmaschine MH17 flogen 298 Menschen mit. Riesiges Glück hatte ein britisches Paar, dem der Zugang zum Flieger in letzter Sekunde verwehrt wurde. Zusammen mit ihrem Baby wurden sie auf einen anderen Flug umgebucht.

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Izzy Sim ist sichtlich geschockt. Sie wollte mit ihrer Familie in der Unglücksmaschine MH17 nach Kuala Lumpur fliegen, in letzter Minute wurden sie aber auf eine spätere Maschine umgebucht. (Bild: Reuters)

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Die Tragödie vom Donnerstag sorgte weltweit für einen Aufschrei. In der Ukraine stürzte ein Flugzeug der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord ab. Es wird spekuliert, dass der Flieger abgeschossen wurde. Unter den Passagieren befanden sich auch 15 Crew-Mitglieder im Alter zwischen 27 und 54 Jahren.

Einer von ihnen war der 41-jährige Malaysier Sanjid Singh. In letzter Sekunde hatte er mit einem Kollegen den Dienst getauscht, um an Bord der MH17 nach Kuala Lumpur zu fliegen. Zu Hause wurde er von seinen Eltern erwartet, seine Mutter hatte sein Lieblingsessen gekocht. Doch Singh kam nicht an. «Unsere Tochter hat uns um vier Uhr morgens über den Absturz informiert», sagt Singhs Vater zum «Malaysian Insider».

Frau sollte in MH370 mitfliegen

Singh lebte in Kuala Lumpur, war verheiratet und hatte einen siebenjährigen Sohn. Seine Frau ist ebenfalls Flugbegleiterin. Auch sie wurde vor Kurzem fast von einem tragischen Schicksal heimgesucht, konnte ihm aber in letzter Minute entrinnen. Denn Singhs Frau sollte vor einigen Monaten einen Flieger der Malaysia Airlines besteigen, der kurz nach dem Start vom Radar verschwand und bis heute nicht gefunden wurde – die MH370. Wie ihr Mann hatte auch sie kurzfristig mit einem anderen Crew-Mitglied die Schicht getauscht, doch sie wurde dadurch von der Tragödie verschont.

Ähnlich erging es im neusten Fall einer britischen Familie, die nach Kuala Lumpur fliegen wollte. Barry und Izzy Sim sind treue Kunden der Malaysia Airlines. Doch am Flughafen in Amsterdam wurde ihnen mitgeteilt, dass der Flieger überfüllt sei und die beiden mit ihrem Kleinkind auf einen späteren Flug ausweichen müssten.

Schutzengel war bei Ihnen

Davon waren sie im ersten Moment nicht gerade begeistert, im Nachhinein können sie ihr Glück kaum fassen. «Man bekommt ein grausiges Gefühl im Magen. Wir bekamen Schmetterlinge im Bauch. Das Herz begann zu rasen», sagt Barry Sim zum «Telegraph». «Es muss jemanden geben, der über uns wachte und sagte ‹Ihr dürft diesen Flug nicht nehmen›.»

Wie Izzy Sim sich nach Erhalt der Nachricht fühlte, erklärt die aufgelöste Mutter im Interview mit verschiedenen Journalisten:

Zweimal dem Unglück entkommen

Auch der niederländische Radprofi Maarten de Jonge hat eine weitere Chance erhalten. Dies, nachdem er bereits um ein Haar den Unglücksflieger MH370 bestiegen hätte, wäre er damals 50 Minuten später dran gewesen. Jetzt war ihm das Glück erneut hold. Denn eigentlich wollte de Jonge am Donnerstag nach Kuala Lumpur fliegen, wie er dem niederländischen Newsportal «AD.nl» erklärt. Seine Freundin hatte nur an diesem Tag Zeit, um ihn zum Flughafen zu bringen.

Doch De Jonge entschied sich trotzdem für einen Flug am Sonntag. «Der Katastrophen-Flug war recht teuer, über 1000 Euro.» Im Flieger vom Sonntag habe es noch einen Sitzplatz übrig gehabt, der 300 Euro günstiger war. Deshalb entschied er sich für diesen Flug – und rettete sich so das Leben. Angst vor dem Fliegen hat De Jonge keine. «Ich hatte jetzt zweimal Glück, da geht auch noch ein drittes Mal.»

Behörden versuchen derzeit, die Nationalität aller Passagiere im Flieger zu ermitteln. Gemäss der britischen Dailymail wurden bisher 154 Holländer, 27 Australier und 9 Briten bestätigt. Von 41 Personen sei die Herkunft nach wie vor unklar. Laut dem EDA gibt es jedoch keine Hinweise, dass auch Schweizer im Flieger sassen. Zudem konnten Gerüchte, dass sich auch Amerikaner an Bord befunden haben, nicht bestätigt werden.

(vro)