Anti-Minarett-Spiel

02. September 2010 16:18; Akt: 02.09.2010 16:25 Print

«Game Over, die Steiermark ist voller Minarette»

In Österreich hat ein für die FPÖ produziertes «Anti- Minarett»-Computerspiel eine Welle der Empörung ausgelöst. Der Entwickler des Spiels ist in der Schweiz bestens bekannt.

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Das Anti-Minarett-Spiel löst auch in Österreich harsche Kritik aus (Bild: FPÖ)

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Mit dem Spiel solle die bisher «vorherrschende Diskussionsblockade der anderen Parteien» zum Thema Islam aufgebrochen werden, sagte Werbefachmann Alexander Segert am Donnerstag der Nachrichtenagentur APA. Segert, der in der Schweiz die Kampagnen der SVP gestaltet, will damit eine «breite Diskussion» ermöglichen.

Segert hat das Online-Spiel für die steirische FPÖ entwickelt und zeichnet auch für die gesamte Werbelinie der Partei. Der Deutsche führt in Dübendorf ZH die Werbeagentur Goal, die auch Kampagnen der SVP Schweiz gestaltet.

Im Vorfeld der Abstimmung über das Minarett-Verbot in der Schweiz hatte er ebenfalls ein Internet-Spiel lanciert. Dieses diente nun für die Variante in der österreichischen Steiermark als Vorbild.

Mit dem Spiel wolle er vor allem junge Wähler «spielerisch» an das Thema Moschee/Minarett heranführen und sie zur Wahlbeteiligung zu motivieren, erklärte der Werbefachmann. Die hohe Teilnahme am Spiel - innerhalb von 48 Stunden haben laut Segert bereits 100 000 Personen teilgenommen - zeige, «dass das Spiel ein grosses Bedürfnis der Bevölkerung abdeckt».

Staatsanwaltschaft ermittelt

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, bezeichnete das Online-Spiel als «geschmacklos und unfassbar». Die Glaubensgemeinschaft zeigte ebenso wie die Grünen in dem österreichischen Bundesland die steirische FPÖ wegen Verhetzung an.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft in Graz eine Untersuchung eingeleitet. Sie will, gestützt auf das Mediengesetz, eine Deaktivierung des Spiels auf der Homepage der FPÖ Steiermark erreichen.

Bei dem Online-Spiel mit dem Titel «Moschee Baba» werden Punkte dafür vergeben, den Bau von Moscheen und Minaretten zu verhindern. Am Ende eines verlorenen Spiels erscheint der Satz: «Game Over, die Steiermark ist voller Minarette und Moscheen». Zudem wird zur Wahl des FPÖ-Kandidaten in der Steiermark, Gerhard Kurzmann, aufgerufen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte am Donnerstag die Aufhebung der Immunität von Kurzmann. Dieser ist Abgeordneter im nationalen Parlament und geniesst daher parlamentarische Immunität.

(sda)