Hollande spricht

06. Mai 2012 15:18; Akt: 07.05.2012 09:18 Print

«Gebt mir auch eine Mehrheit im Parlament!»

François Hollande wird nächster Präsident Frankreichs. Auf der Place de la Bastille sagte er vor tausenden Anhängern der europäischen Sparpolitik den Kampf an.

François Hollande spricht auf der Place de la Bastille. (Video: AP-Television)
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Nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat sich der Sozialist François Hollande in Paris feiern lassen. Auf dem Platz der Bastille im Osten sprach er in der Nacht auf Montag zu zehntausenden Anhängern. Nun komme es darauf an, ihm bei der Parlamentswahl im Juni eine Mehrheit zu verschaffen, rief Hollande der Menge von einer Tribüne zu. Aus dem zentralfranzösischen Tulle war er am späten Abend nach Paris geflogen.

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Hollande erinnerte an den 10. Mai 1981. Damals vor 31 Jahren hatte die Linke am Bastille-Platz den Wahlsieg von François Mitterrand gefeiert. Er war der erste und bislang einzige direkt gewählte sozialistische Präsident Frankreichs gewesen. Hollande ermunterte die Anhänger dazu, in ihrem Engagement nicht nachzulassen. «In den bevorstehenden Monaten gibt es noch viel zu tun», rief er den Zuhörern vor Transparenten mit seinem Wahlkampfmotto «Wandel jetzt» zu.

In «ganz Europa» stehe ein Wechsel bevor, sagte Hollande. «Überall in Europa» sei die Bewegung zu spüren, die mit der Politik des Sparens brechen wolle. Im Wahlkampf hatte Hollande klargemacht, dass er in Verhandlungen mit den europäischen Partnern eine Ergänzung des Fiskalpakts durch einen Wachstumspakt erreichen will.
Die ganze Rede Hollandes. (Video: TF1)

Sarkozy will nicht mehr

Bei der Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten hat François Hollande 51,67 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können. Dies teilte das Innenministerium in der Nacht zum Montag nach Auszählung aller Stimmen mit Ausnahme jener der Franzosen im Ausland mit.

Der bisherige Amtsinhaber Nicolas Sarkozy erhielt kam demnach auf 48,33 Prozent. In absoluten Zahlen stimmten 17,8 Millionen Bürger für Hollande, 16,7 Millionen für Sarkozy. 2,1 Millionen Stimmen waren Enthaltungen oder ungültig. Die Stimmen von rund einer Million Franzosen im Ausland sollten am Montag ausgezählt werden, das amtliche Ergebnis der Wahl wird am Donnerstag vom Verfassungsrat in Paris festgestellt.

Der geschlagene Sarkozy kündigte vor seinen niedergeschlagenen Anhängern seinen Rückzug aus der Politik an. «Mein Platz kann nicht mehr derselbe sein, nach 35 Jahren in politischen Ämtern», sagte er in der Pariser Mutualité. «Mein Leben wird ein anderes sein.» Er habe mit Hollande telefoniert, sagte er, und wünschte ihm viel Glück. Frankreich stehe vor grossen Herausforderungen, und es werde schwer, diese zu bestehen.

Fabius Aussenminister?

Die Sozialisten haben sich schon auf den Sieg vorbereitet. Für das Amt des Premierministers kursieren in Paris die Namen von PS-Parteichefin Martine Aubry und Fraktionschef Jean-Marc Ayrault. Ayrault werden die besseren Chancen eingeräumt, weil er sich besser mit Hollande versteht. Die klar links stehende Aubry hat aber eine grosse Fangemeinde in der Partei und eine Frau als Premierministerin wäre auch ein neues Aushängeschild der Sozialisten.

Als potenzieller Aussenminister wird der erfahrene frühere Premierminister Laurent Fabius gehandelt. Der beliebte Bürgermeister von Paris, Betrand Delanoë, gilt als Kandidat für das Justizressort. Die Grünen können sich trotz ihres schlechten Abschneidens von Eva Joly in der ersten Runde (2,3 Prozent) Aussichten auf das Umweltressort machen.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kwaluga am 06.05.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Spielt es eine Rolle ?

    Tja...kommt es denn darauf an? Ob jetzt Sarkozy oder Hollande gewinnt - das Desaster kommt so oder so. FR wie auch die meisten -Länder sind definitiv am Anschlag und dies wird auch die entsprechenden Konsequenzen auf CH haben. Träumen wir weiter und staunen wir dann ab der ach so unerwarteten Katastrophe... Kasperli und Hotzeplotz waren übrigens auch nur Marionetten ;-)

  • gugusli am 06.05.2012 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Verschoben auf die nächste Generation

    Wieder ein Land, das sein Heil in einer Schuldenwirtschaft sieht! - Doch Schulden müssen früher oder später zurück bezahlt werden...

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  • der schöne bob am 06.05.2012 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    carla

    mal sehen wie lange carla bruni jetzt noch bei sarkozy bleibt :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 07.05.2012 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialist Mitterand mitschuldig!

    Die Franzosen scheinen vergessen, wer an der ganzen Krise mitverantwortlich ist: Der Sozialist François Mitterand! Er war es, der den Beitritt der "DDR" zur BRD nur - ohne (völker-) rechtliche -Berechtigung (!) - unter der Bedingung akzeptierte, dass Deutschland dafür die von den Franzosen gehasste starke D-Mark für eine europäische Einheitswährung opfern musste. Und das war bekanntlich nicht die einzige Forderung von Mitterand, die Kohl in devoter Manier erfüllte oder nicht gross dagegen hielt.

    • Mark, ZH am 08.05.2012 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Wie bitte???

      Ausgerechnet der Berner Bär will die Geschichtsbücher mit Unwahrheiten verfälschen! Woher er wohl diese Informationen hat? Von jenseits des Bärengrabens? Er sollte sich doch vielleicht mit der Geschichte befassen und nicht mit Verschwörungstheorien. Anhand seiner Informationsquellen muss man davon ausgehen, dass er auch glaubt, die Mondlandung hätte nie stattgefunden.

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  • Corinne Freestone am 07.05.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Hollandaise statt Marseillaise?

    Hollandaise statt Marseillaise? In einer Krisenzeit ist es nicht erstaunlich dass die Franzosen einen Wechsel vorziehen. Die Tatsache, dass Sarkozy einer der unbeliebtesten französischen Präsidenten ist wirkt sicher begünstigend. Seine narzistisch wirkende Persönlichkeit, die sich in den ihm von seinen Landsleuten gegebenen Nicknamen (wie "Napoleon" und "Roi Soleil") äussern hat er sich ja irgendwie auch erarbeitet!

  • Ökonom am 07.05.2012 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kurse

    und schon fallen sie.. Aktien und Euro-Wechselkurs im freien Fall! Die SNB wird es schwer haben die Untergrenze zu verteidigen. Was das kosten wird?

  • t-driver am 07.05.2012 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Vive la France!

    Bravo la France! Die Bürgerlichen bringens auf jeden Fall nicht. Das hat man in den letzten Jahren speziell gut gesehen. Mit Selbstbereicherung löst man keine Probleme, der Ton ist immer ekliger und härter geworden, das allgemeine Verständnis nimmt ab und die Arroganz zu! Und übrigens, was haben uns die Bürgerlichen, ausser Kriege, schon gebracht? Die AHV? Die KK? Und kommt mir jetzt nicht mit dem Wohlstand, derselbe ist in der CH eine Bankenblase ...

    • J.K. am 07.05.2012 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schulden? 

      Naja mit Schulden machen und immer erwarten, dass der Staat alles richtet löst ma noch weniger Probleme. Frankreich wird das nächste Spanien. Es wird bergab gehen und die Wähler werden sehen wie Hollande eine Versprechung nach der anderen bricht...

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  • Martin am 07.05.2012 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Geld zum Fenster hinaus werfen ist halt beliebter und einfacher als sparen. Gute Nacht Frankreich, gute Nacht Europa!

    • Fabio am 07.05.2012 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      Antizyklisches Verhalten

      nennt man das. Eine etablierte Wirtschaftstheorie by the way.

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