IS-Chef soll tot sein

27. Oktober 2019 05:53; Akt: 27.10.2019 20:25 Print

«Gerade ist etwas sehr Wichtiges passiert»

Für 14 Uhr Schweizer Zeit hat der US-Präsident eine Ankündigung geplant. Dies soll mit dem angeblichen Tod des IS-Anführers Abu Bakr al-Bagdadi zusammenhängen.

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Das US-Militär hat Medienberichten zufolge IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi in Syrien ins Visier genommen und angegriffen. Der Sondereinsatz habe am Samstag im Nordwesten Syriens stattgefunden. Dies berichtete der Sender CNN in der Nacht auf Sonntag unter Berufung auf hochrangige Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Der Auslandsgeheimdienst CIA habe beim Orten des IS-Führers zudem geholfen, hiess es.

Das Weisse Haus hatte zuvor angekündigt, Präsident Donald Trump werde am Sonntagvormittag (Ortszeit) ein «bedeutendes Statement» abgeben. Trump selbst twitterte: «Etwas sehr Wichtiges hat sich gerade ereignet!» Einzelheiten dazu wurden aber nicht mitgeteilt.

«Newsweek» berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter der US-Armee, Bagdadi sei bei dem streng geheimen Einsatz in der letzten von den Islamisten beherrschten Hochburg in Idlib getötet worden. Das US-Verteidigungsministerium habe dem Weissen Haus mitgeteilt, dass das getötete «hochrangige Ziel» Bagdadi mit «hoher Wahrscheinlichkeit» gewesen sei. Eine weitere Überprüfung stehe aber noch aus.

Irakische Sicherheitskreise haben Bestätigung erhalten

Nach Angaben aus irakischen Sicherheitskreisen ist der IS-Anführer in der nordsyrischen Provinz Idlib getötet worden. Man habe eine entsprechende Bestätigung aus Syrien erhalten, sagten zwei Vertreter der irakischen Sicherheitskräfte am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters.

«Unsere Quellen in Syrien haben dem Team des irakischen Geheimdienstes, das nach Bagdadi suchte, bestätigt, dass er zusammen mit seinen Leibwächtern in Idlib getötet wurde», sagte einer der Insider. Bagdadis Versteck sei entdeckt worden, als er versucht habe, seine Familie aus Idlib heraus zur Grenze zur Türkei zu bringen.

Zuvor hatten zwei ranghohe iranische Insider der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, die Regierung in Teheran sei von Vertretern der syrischen Behörden über den Tod des Irakers Bagdadi unterrichtet worden.

Irak teilte Aufenthaltsort mit

Der irakische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben der US-geführten Anti-IS-Koalition den genauen Aufenthaltsort Bagdadis mitgeteilt und so die Voraussetzung für den US-Angriff geliefert.

«Wir haben kontinuierlich mit der CIA zusammengearbeitet und wichtige Informationen weitergegeben, die der irakische Staatsgeheimdienst über Bagdadis Bewegungen und sein Versteck hatte», sagte ein Vertreter des Geheimdienstes am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. «Dieser Einsatz war erfolgreich und führte letztlich zu dem Ziel, Bagdadi zu töten.»

Hinweise auf den Aufenthaltsort des IS-Anführers habe man von einem Mann und einer Frau aus dem engsten Umfeld Bagdadis erhalten, sagte der Geheimdienstler. Die beiden irakischen Staatsbürger seien zuvor gefangengenommen worden. Ihre Angaben hätten zu einem geheimen Ort in der Wüste im Westen des Iraks geführt. Dort seien dann Dokumente über Bagdadis Aufenthaltsort gefunden worden.

25 Millionen Dollar Kopfgeld

Einem hochrangigen Pentagon-Mitarbeiter zufolge habe es ein kurzes Gefecht gegeben, als die US-Streitkräfte das Gelände betreten hätten, wie «Newsweek» weiter berichtete. Bagdadi habe sich dann mit einem Sprengstoffgürtel selbst getötet.

Familienangehörige seien anwesend gewesen. Kinder seien nicht verletzt worden - aber zwei Frauen Bagdadis seien getötet worden, möglicherweise durch die Explosion des Sprengstoffgürtels.

Der Aufenthaltsort des bereits mehrfach für tot erklärten Bagdadi ist unbekannt. In der Öffentlichkeit trat der IS-Anführer nur einmal auf, als er im Juli 2014 in einer Moschee im nordirakischen Mossul ein «Kalifat» in Syrien und im Irak ausrief.


Erstmals nach fünf Jahren hat sich Abu Bakr al-Bagdadi im April an die Öffentlichkeit gerichtet. (Video: Reuters)

Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ist er einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Zuletzt hatte der IS im April ein Video mit Bagdadi verbreitet, in dem er dem Westen mit Angriffen drohte. Im September rief der IS-Anführer seine Anhänger in einer Audiobotschaft zur Befreiung gefangener Kämpfer und ihrer Familien auf.

(roy/scl/reuters/sda)