Essstörungen auf dem Vormarsch

12. Februar 2018 20:10; Akt: 12.02.2018 20:10 Print

Magermodels beschäftigen deutsche Politiker

Es gibt immer mehr essgestörte Mädchen. Dieser Trend und Einflüsse aus Shows wie «Germany's next Topmodel», die sich auch in der Schweiz zeigen, beschäftigen deutsche Politiker.

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Nach TV-Sendungen wie «Germany's next Topmodel» melden sich jeweils etliche junge Frauen bei ihr. Sie wollen von Botta Tipps zum Abnehmen. (Bild: EPA)

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Die 13. Staffel von «Germany's next Topmodel» ist angelaufen. Bei Kera Rachel Cook dürfte dies keine guten Gefühle auslösen. 2010 war auch die heute 29-Jährige dabei. Sie schied bereits nach drei Folgen aus, weil sie den Anforderungen nicht entsprach.

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Soll die Schweizer Politik etwas gegen Magermodels unternehmen?

Nach ihrem Auftritt in der Heidi-Klum-Show musste Cook für sechs Wochen in stationäre Behandlung, insgesamt litt sie fast zwölf Jahre an Bulimie. Sie modelte dennoch erfolgreich als Plus-Size-Model weiter. Plus-Size, das heisst in der Modewelt Grösse 38.

Bearbeitete Bilder gaukeln gefährliches Ideal vor

2015 entschloss sich die Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners, der Modeindustrie den Rücken zu kehren. Das dort propagierte Schönheitsideal sei krankhaft und habe auch sie krank gemacht, sagt Cook zu Spiegel.de (Bezahlartikel). «Ich habe mir damals nicht nur einmal überlegt, von einem Hochhaus zu springen.»

Heute hält sie an Schulen Vorträge über den wahren Alltag vieler Models: über Bulimie, Übelkeit und Fressattacken. «Es muss dringend etwas geschehen», sagt Cook, «damit nicht noch mehr junge Frauen unrealistischen Schönheitsidealen nacheifern.» Die Models und ihre noch nachträglich bearbeiteten Bilder gaukelten ein Ideal vor, das weder ästhetisch noch gesund ist – mit lebensgefährlichen Langzeitschäden.

Mit Gesetzen gegen Magersucht kämpfen

Die Nachfrage nach Magermodels wie Gigi Hadid oder Kendall Jenner ist dennoch ungebrochen, Designerin Victoria Beckham steht erneut in der Kritik wegen des «Anorexia-Chic», den ihre Models propagieren.

In Frankreich hat die Politik nun eingegriffen und seit letztem Jahr zu dünne Models vom Laufsteg und aus der Werbung verbannt. Die Models müssen sich ihre Gesundheit von einem Arzt attestieren lassen. Wer das nicht tut, dem drohen hohe Bussen oder Gefängnis. So sollen unerreichbare Schönheitsideale nach und nach verschwinden und junge Menschen weniger Gefahr laufen, an einer Essstörung zu erkranken. Auch Italien und Grossbritannien haben in den letzten Jahren Massnahmen gegen die Magermodel-Propaganda ergriffen.

«Wir brauchen eine gesetzliche Regelung zum Schutz vor Magersucht», heisst es nun auch in Deutschland von Vertretern der SPD und der CSU. Schon länger fordern deutsche Experten Vorgaben für das Körpergewicht von Models und das Einführen von Standards bei der Bildbearbeitung.

Nach «GNTM» wollen Schweizer Mädchen Abnehm-Tipps

Man wolle, so hiess es nach dem Magermodel-Verbot in Frankreich von einigen Schweizer Politikern, die weitere Entwicklung im Nachbarland genau verfolgen und sich parlamentarische Vorstösse vorbehalten. Das war 2015.

Dabei hat das Thema nicht an Brisanz verloren. Das zeigt die deutliche Zunahme essgestörter Mädchen – in allen industrialisierten Ländern der letzten zehn Jahren, wie das Schweizer Gesundheitsdepartement BAG schreibt.

In der Schweiz sind laut BAG insgesamt 3,5 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung im Laufe ihres Lebens von einer Essstörung betroffen. «Der Einfluss der Medien und der Modebranche ist nicht zu unterschätzen und wurde bereits in mehreren Studien untersucht», heisst es dazu auch beim BAG.

Wie stark dieser Einfluss ist, zeigen die Erfahrungen der Berner Ernährungsberaterin Marianne Botta: Nach TV-Sendungen wie «Germany’s next Topmodel» melden sich jeweils etliche junge Frauen bei ihr. Sie wollen von Botta Tipps zum Abnehmen.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MM am 13.02.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Magermodels...

    Nicht nur Magermodels beeinflussen unsere Mädchen. So vielen Frauen in der Öffentlichkeit und die Medien gaukeln ein krankmachendes Schönheitsideal vor. Der neue Fitness- und OP-Wahn sind genau so gefährlich. Als Mutter zweier Kinder wird mir da je länger je mehr übel. Auch Jungs stehen heute sehr unter Druck...

  • IchDuWir am 13.02.2018 00:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verzerrtes selbstbild

    schön ist wenn sich ein mensch wohl fühlt. ob da jetzt etwas zuviel oder zuwenig ist, spielt keine rolle! ausstrahlung und intelligenz zählen doch einfach mehr. models präsentieren klamotten die von "normalen" menschen getragen werden. die designer müssten umdenken! normale männer und frauen gehören auch auf den laufsteg. essstörungen enden nicht selten mit dem tod!

  • BiChaDe am 14.02.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mager ist ungesund

    Meine Tochter hat eine Essstörung... Unter anderem, weil halt wirklich keine pummelige, oder normale Frauen eingesetzt werden, sei es in der Werbung, oder in der Mode... Gehe ich aber raus auf die Strasse ist das heutige "normal" doch eher rundlich... Fazit alle werden gedisst, gemobbt oder ausgegrenzt... Das beginnt schon in der Schule und da machen auch Lehrpersonen (Sport) mit... Traurige Wahrheit

Die neusten Leser-Kommentare

  • BiChaDe am 14.02.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mager ist ungesund

    Meine Tochter hat eine Essstörung... Unter anderem, weil halt wirklich keine pummelige, oder normale Frauen eingesetzt werden, sei es in der Werbung, oder in der Mode... Gehe ich aber raus auf die Strasse ist das heutige "normal" doch eher rundlich... Fazit alle werden gedisst, gemobbt oder ausgegrenzt... Das beginnt schon in der Schule und da machen auch Lehrpersonen (Sport) mit... Traurige Wahrheit

  • Mr. am 13.02.2018 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlank ist nicht gleich ungesund

    Schlank sein muss nicht ungesund sein, hört mal auf dies so hinzustellen, dick sein ist aber immer ungesund. Darum gesund ernähren und Sport treiben dann bleibt man auch Schlank und knackig.

  • Steven am 13.02.2018 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst sie

    Lasst die Models dünn sein. Die wollen das. Frau und Mann der diesen Job ergreift weiss und will das-Punkt. Wenn es immer noch Leute gibt die auf diese Shows gehen und das angaffen und die überdrehten Designer stützen wird es auch so bleiben

  • MM am 13.02.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Magermodels...

    Nicht nur Magermodels beeinflussen unsere Mädchen. So vielen Frauen in der Öffentlichkeit und die Medien gaukeln ein krankmachendes Schönheitsideal vor. Der neue Fitness- und OP-Wahn sind genau so gefährlich. Als Mutter zweier Kinder wird mir da je länger je mehr übel. Auch Jungs stehen heute sehr unter Druck...

  • IchDuWir am 13.02.2018 00:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verzerrtes selbstbild

    schön ist wenn sich ein mensch wohl fühlt. ob da jetzt etwas zuviel oder zuwenig ist, spielt keine rolle! ausstrahlung und intelligenz zählen doch einfach mehr. models präsentieren klamotten die von "normalen" menschen getragen werden. die designer müssten umdenken! normale männer und frauen gehören auch auf den laufsteg. essstörungen enden nicht selten mit dem tod!