Live auf CNN

16. September 2017 08:47; Akt: 18.09.2017 11:40 Print

«Glaube an Redefreiheit – und an Brüste»

CNN-Moderatorin Brooke Baldwin traute ihren Ohren nicht, als sie hörte, wie ihr Talkgast, Sportmoderator Clay Travis, mehrmals betonte, woran er glaube.

Die ausgeartete Diskussion auf CNN. (Video: Tamedia/mit Material von CNN)
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Am Anfang stand Twitter: Jemele Hill, eine afroamerikanische Journalistin des US-Sportsenders ESPN, hatte auf dem Kurznachrichtendienst ihre persönliche Meinung über Präsident Donald Trump kund getan: Sie bezeichnete Trump als Fanatiker und Rassisten, der sich mit anderen Rechtsextremisten umgäbe – ein unfähiger Präsident, den niemand ins Amt gewählt hätte, wenn er keine weisse Hautfarbe hätte.

Daraufhin verlangte Trump eine Entschuldigung des Senders – ESPN distanzierte sich auf Twitter von Hills Statement und erinnerte seine Mitarbeiter in einem Rundschreiben an den vorsichtigen Umgang mit sozialen Medien und Huckabee Sanders, Sprecherin des Weissen Hauses, meinte auf einer Pressekonferenz, dies sei sicherlich ein Grund für eine Entlassung.

Für CNN ein gefundenes Fressen

CNN-Moderatorin Brooke Baldwin lud zu diesem Thema zur Live-Diskussion. Unter anderem nahm Clay Travis, Radiomoderator bei Fox Sports daran teil. Er verteidigte Hills Aussagen und kritisierte das Verhalten von ESPN, denn er glaube an zwei Dinge: An den 1. Zusatzartikel und an Brüste («First Amendment and boobs»).

Der 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten garantiert unter anderem die Meinungsfreiheit – er schützt also Hills Recht, Trump einen weissen Rassisten zu nennen aber auch Travis'Recht, «Boobs» im US-Fernsehen zu sagen.

«Was haben Sie gerade gesagt?»

Die Moderatorin traute ihren Ohren nicht und hakte nach: «Ich möchte nur sicherstellen, dass ich Sie richtig verstanden habe, als eine Frau, die diese Show leitet», unterbrach sie Travis. «Was haben Sie gerade gesagt, Sie glauben an den 1. Zusatzartikel und B-Doppel-O-B-S?» Travis fuhr mit seinen Ausführungen fort, aber Baldwin blieb wie erstarrt. Noch einmal fragte sie: «Ich möchte nur sicherstellen, dass ich Sie richtig hörte: B-O-O-Z-E oder B-O-O-B-S? Weil als Frau...», wollte sie fortfahren als Travis erwiderte: «Ich sagte Boobs.»

Brooks wollte von ihrem Talkgast wissen, weshalb er eine derart sexistische Bemerkung im nationalen Fernsehen fallen liesse – und das bei einem weiblichen Gastgeber. Und Travis legte nach: «Weil ich Brüste und den 1. Zusatzartikel mag.»

Mindestens sieben Mal nahm Travis das Wort Brüste in den Mund, was auch den zweiten Talkgast, Journalist Keith Reed, verwirrte. Er glaube zwar auch an den 1. Zusatzartikel und möge Frauen, das Nennen von Geschlechtsteilen habe in dieser Sendung aber absolut nichts zu suchen. Er sei ein Unterstützer von Frauen und lobte sowohl die Moderatorin als auch Jemele Hill für deren Arbeit.

Sowohl in den sozialen als auch in den herkömmlichen Medien erweckte diese Diskussion erhöhte Aufmerksamkeit:

Auch Moderatorin Baldwin liess das Ereignis in ihrer Live-Sendung nicht unkommentiert.

«Ich sage das jeden Tag»

Und Clay Travis? Der Sportreporter versucht aus seiner zusätzlichen gewonnen Popularität Kapital zu schlagen und verteidigt auf dem sozialen Netzwerk Periscope seine Aussage, die er nach eigenen Angaben täglich mache. Und beinahe schon demonstrativ internet-affin befragt er in einer Online-Umfrage seine Leser, was sie denn lieber mögen: Den 1. Zusatzartikel oder Brüste.

(nag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Redly am 16.09.2017 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nur konsequent.

    Geil. Er mag die Redefreiheit (wo alle noch nicken) und beweist mit dem zweiten Teil, dass manche sofort sensibel reagieren, wenn es eine Meinung ist, die nicht alle mögen.

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  • kdnd am 16.09.2017 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Diesere Mann ist einfach wunderbar:-). Er hat ja Recht, mich haben Brüste auch noch nie enttäuscht!

  • Gary Achermann am 16.09.2017 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm?

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen was daran falsch oder schlimm ist?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nicht lustig am 17.09.2017 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Eine harmlose Wette

    Ein abgekartetes Spiel, politische und menschenrechtliche Provokation. Reines Marketing, bei dem mit jedem sagen des Wortes Geld fliesst. Vordergründig harmlos, wobei hart erkämpfte Rechte verhöhnt werden. Knallharte politische Entkräftung einzelner Aspekte gesellschaftlicher Verhaltensnormen. Wir haben grosse Probleme zu bewältigen wie Ausverkauf der Infrastruktur, Wohlstandsklippe und Korruption, die auf diese Weise zu Karikaturen verkommen.

  • Alpöhi am 17.09.2017 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind auch nicht besser

    Tolerant sind wir ja nur, solange unser Gegenüber die gleiche Meinung über Toleranz hat wie wir selber

  • Sepp am 17.09.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zur Schule

    Ein total geiler Typ und eine überhaupt nicht schlagfertige Reporterin. Statt sie ihn leerlaufen lässt und merkt was er will, geht sie ihm voll auf den Leim. Gegenfragen mit Komplexitätsstufe 1 stellen liebe Frau, dann klappt das mit der Redefreiheit.

  • choco am 17.09.2017 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit für alle

    Jemele Hill ist eine Rassistin die ihre Ansicht öffentlich Kundtut. Dies gemäss Meinungsfreiheit dann sollte sie aber auch die Meinung des Präsidenten akzeptieren. sie muss ja nich gutheisen.

  • Scrat am 17.09.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte ...

    ... verleiht dem Typen einen Pulitzer-Preis! Viel treffender kann man die amerikanische Doppelmoral nicht vorführen.