15. März 2008 09:37; Akt: 15.03.2008 10:08 Print

«Homosexualität ist der Todesstoss für unser Land»

Man stelle sich vor: Oklahoma im mittleren Westen der USA. Eine republikanische Abgeordnete erklärt dort vor Parteikollegen, dass Homosexualität die grössere Bedrohung für die USA sei als der Terrorismus. Unglaublich, aber wahr! Da griff die lesbische Moderatorin Ellen Degeneres zum Telefon und rief in Kerns Büro an. «Hi, ich bin Ellen Degenenes, die Homosexuelle».

Gay-Ausrutscher von Sally Kern auch beliebtes Thema in US-Talk-Shows, hier mit Ellen, bekennende Lesbe. Nach ca. 30 Sekunden der exakte Wortlaut von Kern über Schwule und Lesben.
Fehler gesehen?

«Die homosexuelle Agenda zerstört dieses Land, das ist einfach eine Tatsache», erklärte Sally Kern vor republikanischen Parteikollegen. Ihre Äusserungen landeten im Internet. Die Schwulen-Bewegung reagierte empört. In Kerns Büro gingen tausende E-Mails ein, in denen sie heftig kritisiert wurde. Die Abgeordnete erhielt sogar Todesdrohungen.

«Studien zeigen, dass keine Gesellschaft, die Homosexualität vollständig angenommen hat, mehr als ein paar Jahrzehnte überdauert hat», erklärte Kern in den Videoausschnitten. «Also ist es der Todesstoss für unser Land.» Sie glaube, dass Homosexualität eine grössere Bedrohung für die USA sei als «Terrorismus oder Islam». Die ehemalige Lehrerin stiess in ihrem Wahlkreis in Oklahoma auf Unterstützung der Republikaner. Der demokratische Gouverneur Brad Henry erklärte dagegen, Kerns Äusserungen repräsentierten nicht die Ansichten der Einwohner von Oklahoma.

Kern habe mit ihren Behauptungen Homosexuelle auf schlimmste Weise entmenschlicht, sagte ein Sprecher der Schwulenorganisationen Gay and Lesbian Victory Fund, Denis Dison. Die Gruppe befürchtet, dass solche Äusserungen zu Gewalt gegen Homosexuelle führen könnte. Die umstrittene Abgeordnete führt seit Jahren einen Feldzug gegen die Homosexualität. Sie versuchte erfolglos, Kinderbücher aus den Bibliotheken zu entfernen, in denen Homosexualität angesprochen wird. Sie erklärte, Schulkinder würden von Schwulenaktivisten indoktriniert.


23.000 E-Mails eingegangen

In Kerns Büro gingen innerhalb weniger Tage mehr als 23.000 E-Mails ein. In den meisten wurden ihre Äusserungen scharf kritisiert. Die lesbische Moderatorin Ellen Degeneres rief aus ihrer Talkshow in Kerns Büro an. «Hi, ich bin Ellen Degenenes, die Homosexuelle», sagte sie am Telefon. Sie wolle Kern über einige Falschinformationen aufklären, denen Kern offensichtlich aufgesessen sei. «Ich versuche herauszufinden, welche Gesellschaft verschwunden ist, von der ich nichts weiss.» Kern lehnte ein Gespräch mit der Moderatorin jedoch ab.

(ap)