Amanda Knox

15. Juni 2019 16:04; Akt: 16.06.2019 13:32 Print

«Ich habe Angst, in eine Falle gelockt zu werden»

Die zum ersten Mal seit ihrer Freilassung kehrte Amanda Knox nach Italien zurück. Vier Jahre sass sie dort im Gefängnis. Jetzt fürchtet sie sich vor neuen Anschuldigungen.

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Zum ersten Mal seit ihrem Freispruch im Jahr 2015 kehrte Amanda Knox zurück nach Italien. Dort nahm sie an einem Kongress für Strafjustiz teil. «Ich habe Angst, erneut bedrängt, bepöbelt, in eine Falle gelockt und mit neuen Vorwürfen konfrontiert zu werden», sagte die 31-Jährige unter Tränen im italienischen Modena. Ihr Freund Christopher Robinson reiste mit ihr nach Italien. Amanda Knox setzte am 13. Juni 2019 ihren Fuss auf italienischen Boden. Bei ihrer Ankunft am Flughafen Mailand wurde sie von Journalisten belagert. Von der Polizei und ihren Rechtsanwälten eskortiert, verliess Knox den Airport, ohne Fragen von Journalisten zu beantworten. Die 31-Jährige befand sich in Begleitung ihres Freundes Christopher Robinson und ihrer Mutter. Am 15. Juni tritt Knox bei einem Kongress zu Justizirrtümern in Modena auf. Vor ihrer Ankunft in Mailand hatte sie einen Artikel veröffentlicht, in dem sie die «skrupellosen Medien» kritisierte. Sie schreibt: «Acht Jahre nach meiner Freilassung aus einem italienischen Gefängnis bin ich noch immer die Geschichte von jemand anderem.» Kurz vor ihrem Abflug in Seattle hatte Knox auf Instagram ein Foto von sich und Robinson gepostet und dazu geschrieben: «Es geht los...wünscht uns ‹Buon viaggio!›» Amanda Knox war 2009 wegen Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Italien zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Nach fast acht Jahren Justizgerangel kam jedoch der Freispruch. Italien musste der US-Bürgerin Anfang 2019 mehr als 18'000 Euro Entschädigung zahlen. Die italienischen Behörden hätten bei der Befragung von Knox mehrere ihrer Menschenrechte verletzt, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. (Archivbild vom 31. Januar 2014) Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito war vorgeworfen worden, die britische Studentin Meredith Kercher getötet zu haben: Knox nach einer Gerichtsverhandlung. (2. November 2007) Knox wurde nach jahrelangem Justizgerangel im Jahr 2015 endgültig freigesprochen. Der Fall wurde nie komplett aufgeklärt. Auch ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito (Mitte) wurde am 27. März 2015 endgültig freigesprochen.

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Die zu einem Kongress nach Italien zurückgekehrte US-Bürgerin Amanda Knox, die wegen Mordes an ihrer Mitbewohnerin in Italien vier Jahre im Gefängnis sass und dann schliesslich freigesprochen wurde, hat Angst vor neuen Anschuldigungen. «In Wahrheit habe ich Angst, ich habe Angst, erneut bedrängt, bepöbelt, in eine Falle gelockt und mit neuen Vorwürfen konfrontiert zu werden», sagte die 31-Jährige am Samstag im italienischen Modena bei einem Kongress zum Thema Justiz und Medien.

Sie sei nach Italien zurückgekehrt, weil sie es einfach «musste», sagte Knox sichtlich bewegt, der an manchen Stellen während ihrer langen Ansprache die Stimme wegblieb. «Weil es eine Zeit gab, in der ich mich in diesem schönen Land ganz bei mir fühlte und ich hoffe, dass ich dieses Gefühl eines Tages wieder verspüren kann.» Es war das erste Mal seit ihrer Freilassung, dass Knox wieder nach Italien reiste.

Trotz ihres Freispruchs wisse sie, dass sie vor allem in Italien «eine umstrittene Person» sei. Einige Menschen hätten gesagt, dass sie mit ihrer Anwesenheit erneut die Familie ihrer ermordeten Mitbewohnerin Meredith Kercher traumatisiere. «Sie täuschen sich», sagte Knox.

Vier Jahre in Italien im Gefängnis

Wegen Mordes an der jungen Britin Kercher im Jahr 2007 waren Knox und ihr früherer italienischer Freund Raffaele Sollecito 2009 in erster Instanz zu 26 beziehungsweise 25 Jahren Haft verurteilt worden. Nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen sprach 2015 das oberste italienische Gericht beide wegen schlampiger Ermittlungen in dem Fall endgültig frei. Vier Jahre der Strafe hatte Knox in Italien abgesessen.

Für den Mord sitzt der Ivorer Rudy Guédé, dessen DNA sich auf dem Körper des Opfers fand, in Italien eine 16-jährige Haftstrafe wegen Beteiligung an der Tat ab. Die 21-jährige Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung in Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox teilte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war vergewaltigt worden.

Knox, die in Seattle lebt und dort als Journalistin arbeitet, hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben. «Waiting To Be Heard: A Memoir» wurde von Netflix als Dokumentarfilm adaptiert.

(bebe/afp)