Merkel zum Rücktritt

01. März 2011 10:39; Akt: 01.03.2011 16:10 Print

«Ich habe es schweren Herzens getan»

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg tritt zurück. Seine Person sei durch die Plagiats-Affäre zu sehr in den Mittelpunkt gerückt. Merkel bedauert den Schritt zutiefst.

Die Rücktritts-Ankündigung während der Pressekonferenz am Dienstagmorgen, 11:15 Uhr. (Quelle: ZDF)
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Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zieht die Konsequenzen aus der Plagiats-Affäre um seine Doktorarbeit und nimmt den Hut. «Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens», sagte Guttenberg bei der Stellungnahme zu seinem Rücktritt, die vom Nachrichtensender n-tv übertragen wurde. «Ich gehe nicht nur wegen der Diskussion um meine Doktorarbeit, sondern auch wegen der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an mich stelle, noch nachkommen kann», führte Guttenberg aus. Und: «Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.»

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Rücktritt bedauert. Sie habe das Gesuch des CSU-Politikers um Entlassung nur schweren Herzens angenommen, sagte die CDU-Chefin am Dienstag in Berlin. «Karl-Theodor zu Guttenberg hat mir heute Morgen zunächst telefonisch, später auch schriftlich mitgeteilt, dass er um seine Entlassung bittet. Ich habe sein Gesuch angenommen und ich füge hinzu, ich habe das schweren Herzens getan.»

Guttenberg selber sagte zu seinem Rücktritt, er habe sich für «eine Entscheidung von dieser Tragweite» eine gewisse Zeit nehmen müssen. Auch habe er die Trauerfeier für drei in Afghanistan getöteten Soldaten abwarten wollen. «Es gehört sich, ein weitgehend bestelltes Haus zu verlassen», sagte er. Die Bundeswehr-Reform könne nun sein Nachfolger umsetzen: «Das Konzept für die Reform steht.»

Wer die Nachfolge Guttenbergs antritt, war zunächst völlig unklar. Beobachter schlossen nicht aus, dass es zu einer grösseren Rochade in der deutschen Regierung kommt. Dabei könnte die CSU, der Guttenberg angehört, das Verteidigungsministerium gegen ein anderes Ministerium abgeben. Dann könnte das Verteidigungsressort auch ein CDU-Politiker übernehmen.

Abstieg in zwei Wochen

In den letzten Tagen hatte sich die Kritik an Guttenberg auch aus den eigenen Reihen verstärkt. Der 39-Jährige ist seit zwei Wochen wegen der Affäre um seine Doktorarbeit umstritten. Guttenberg hatte in seiner 2006 abgeschlossenen juristischen Dissertation an zahlreichen Stellen fremde Texte ohne Kennzeichnung übernommen. Er hatte schwerwiegende Fehler eingestanden und deshalb den Doktortitel zurückgegeben.

Die zuständige Universität Bayreuth entzog ihm den Titel kurz danach. Zugleich wurde aber weiter geprüft, ob sich Guttenberg einer absichtlichen Täuschung schuldig gemacht hatte.

Gegen sein Verbleiben im Amt hatte es massive Proteste in der Wissenschaft gegeben. Die Kanzlerin stand aber zu ihm. Sie liess noch am Montag erklären, sie habe Vertrauen zu ihm. Merkel betonte stets, als Verteidigungsminister habe er sich bewährt.

(aeg/erf/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Basil am 01.03.2011 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild für gewisse Bundesratsmitglieder

    Vielleicht könnte sich das eine oder andere Bundesratsmitglied KT Rücktritt als Vorbild nehmen...

  • Martin am 01.03.2011 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Dr. brauchst nicht für die Politik

    Ich finde es schade, dass er zurück getretten ist. Aber ich denke unter diesem Druck will niemand ein Amt ausüben! Er hat sich mit seinen Leistung (und nicht mit seinem Dr.) dieses Amt erreicht. Solche Situationen sollten Intern gelösst (Posten kontrolliert übergeben werdem) und erst anschliessd der ganzen Öffentlichkeit pressentiert werden. Diese Offene Pressefreiheit ist kontraproduktiv!!!

  • Jeffrey Hermes am 01.03.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Natürlich hat Herr zu Guttenberg eine Fehler begangen, doch ist dies menschlich und hat nichts mit seiner politischen Karriere, geschweige denn mit seiner glänzenden politischen Leistung zu tun. Deutschland schafft sich selber einen der wohl begnadesten Politiker aus dem Weg.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Stettler am 02.03.2011 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Plagiate

    Vielleicht sollte man die Doktorarbeiten unserer Politiker auch mal überprüfen.

  • Doris am 01.03.2011 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schneller Auf- und Abstieg

    Wenn man mehr sein will als man es ist, dann geschehen ebeben solche Dinge - doch das eigene Mitleid ist beschämend.

  • Jürg am 01.03.2011 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Seine eigene Abdanks-Rede zu halten

    ist ein Trauer-Spiel sondergleichen - jetzt müssen wir auch noch Mitleid mit einem Betrüger haben - eine ganz neue Form vom Adelsstand.

  • Angela Merk-Was am 01.03.2011 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die Gerechtigkeit hat gesiegt!

    Ein Lügengebilde ist zusammengebrochen. Leistung und Anstand sollten für Jeden ein Mindestmass darstellen. Und besonders für Politiker! Hier wurde Leistung vorgetäuscht, quasi ein Meineid geschworen, eine Universität diskreditiert und mehreren tausend Absolventen und Doktoren müssen jetzt ihre Titel hinterfragen lassen! Nicht zuletzt steht noch die Frage der Veruntreuung von Steuergeldern, bei der Informationsbeschaffung durch den wissenschaftlichen Dienst der Bundesrepublik. Da ist nicht ein Kavaliersdelikt dabei! Alles für sich ist strafbar oder zumindest verwerflich.

    • der hamburger am 02.03.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

      zu recht

      die uni im allgemeinen und der doktorvater im speziellen haben sich durch das summa cum laude selber im höchsten masse diskreditiert und die verfasser ähnlicher pampfhlete zittern zurecht !

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  • Peschä am 01.03.2011 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Warum in Schutz nehmen?

    Ich kann absolut nicht nachvollziehen, warum Guttenberg immernoch von sovielen Leuten in Schutz genommen wird. Er hat nicht einfach 2-3 Fussnoten vergessen, sondern die Arbeit ist anscheinend vollgepackt von Stellen, die nicht richtig zitiert wurden. Das bedeutet, dass die Arbeit entweder extrem nachlässig gemacht wurde, dass bewusst getäuscht wurde oder, dass sie gar von einem Ghostwriter geschrieben wurde. Es geht hier auch nicht um ein Referat in der Grundschule, sondern um eine Arbeit für einen Doktortitel. Sowas darf sich ein Politiker genauso wie ein normaler Mensch nicht erlauben.