Trump krebst zurück

18. Juli 2018 02:56; Akt: 18.07.2018 07:14 Print

«Ich habe mich bloss versprochen»

Donald Trumps Auftritt am Helsinki-Gipfel sorgte für heftige Kritik. Jetzt krebst der US-Präsident zurück: Er habe sich missverständlich ausgedrückt.

US-Präsident Trump krebst nach Kritik in der Heimat zurück. Er räumt ein, dass Russland sich in die US-Wahl 2016 eingemischt hat.
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Mit einem Bekenntnis zu den eigenen Geheimdiensten hat US-Präsident Donald Trump die Wogen der Empörung über seinen Auftritt mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Helsinki zu glätten versucht. «Lassen sie mich völlig klar sein: (...) Ich akzeptiere die Schlussfolgerung unserer Geheimdienstgemeinde, dass Russlands Einmischung in die Wahl 2016 stattgefunden hat», sagte Trump am Dienstag in einem Statement im Weissen Haus.

Trump hatte sich am Vortag an der Seite Putins in einer Weise geäussert, die auf starke Zweifel an den US-Geheimdiensterkenntnissen hindeutete, wonach Russland für die Cyberattacken verantwortlich ist. Dies löste einen Sturm der Entrüstung in den USA aus. Der hochangesehene Senator John McCain, ein parteiinterner Widersacher Trumps, konstatierte sogar einen «Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft».

«Volles Vertrauen»

Nun bekundete Trump aber nachdrücklich sein «volles Vertrauen (...) in unsere grossartigen Geheimdienstbehörden». Seine Regierung tue nun alles, was in ihrer Macht stehe, um eine erneute russische Intervention während der laufenden Kampagnen für die Kongresswahlen im November zu verhindern.

Trump sagte aber auch über die Cyberattacken im Wahlkampf 2016: «Es könnten auch andere Leute gewesen sein». Damit wollte er wohl sagen, dass neben Russland noch weitere Akteure hinter den Hackerangriffen stecken könnten. Wer dies gewesen sein könnte, sagte er nicht.

Der US-Präsident führte ferner zu seiner Verteidigung ins Feld, sich bei seiner Pressekonferenz mit Putin lediglich versprochen zu haben. Er habe den Satz sagen wollen: «Ich sehe keine Grund (...), warum es nicht Russland sein sollte», das hinter den Hackerangriffen steckte. Das «nicht» habe er versehentlich weggelassen, sagte Trump in einer umständlichen Erläuterung seines angeblichen grammatikalischen Patzers.

Gleiches Gewicht wie Putins Dementi

Allerdings hatte nicht nur dieser eine Satz die Kritik ausgelöst. Trump hatte in Helsinki die von seinem Geheimdienstdirektor Dan Coats vorgetragenen Schlussfolgerungen zu den mutmasslichen russischen Einmischungen und Putins Dementi in einer Weise wiedergegeben, als hätten sie für ihn das gleiche Gewicht. Und er bewertete Putins Beteuerungen, Russland habe nichts mit den Hackerangriffen zu tun, als «extrem stark und kraftvoll».

Die Hackerangriffe hatten sich gegen die US-Demokraten und das Umfeld von deren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gerichtet. Drei Tage vor Trumps Treffen mit Putin hatte die US-Justiz wegen einer Serie von Cyberattacken zwölf Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU unter Anklage gestellt.

Trump aber zog am Tag nach seiner Rückkehr aus Europa erneut eine positive Bilanz seines Treffens mit Putin. Zwar gebe es «viele Meinungsverschiedenheiten» mit Russland. Doch sei der Dialog beider Länder «eine sehr wichtige Sache».

Heftige Kritik

Viele Kritiker werfen Trump aber einen würdelosen Kotau gegenüber dem russischen Staatschef vor. Senator McCain erklärte, noch nie habe sich ein US-Präsident derart «vor einem Tyrannen selbst erniedrigt». Der Chef der oppositionellen Demokraten im Senat, Chuck Schumer, nannte Trumps Gipfel-Auftritt «gedankenlos, gefährlich und schwach». Der Oppositionsabgeordnete Jimmy Gomez warf Trump vor, sein Verhalten bewege sich «am Rande des Hochverrats».

Heftige Kritik kam aber auch aus Kreisen, die Trump sonst treu zur Seite stehen. So forderte der Ex-Vorsitzende des Repräsentantenhauses, der Republikaner Newt Gingrich, den Präsidenten auf, seine Äusserungen von Helsinki «unverzüglich» klarstellen – was Trump mit seinem jetzigen Statement versuchte. Trump habe den «schwersten Fehler seiner Präsidentschaft» begangen, beanstandete Gingrich.


Ungewöhnlich heftige Kritik gab es auch auf Trumps Lieblingssender Fox News. Moderatorin Abby Huntsman, Tochter eines Ex-Botschafters in Moskau, twitterte: «Keine Verhandlung ist es wert, dass man die eigenen Leute und das eigene Land unter den Bus wirft.»

(chk/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Innerschweizer am 18.07.2018 05:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Ein paar Tage nach dem die Welt durch einen Atomkrieg weitgehend zerstört worden ist, meldet sich Trump zu Wort: "Eigentlich wollte ich sagen startet die Bomben nicht, das nicht habe ich aber versehentlich weggelassen"

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  • Rolf am 18.07.2018 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chasperli-Theater

    Was macht der alte Mann da eigentlich? Heute so und morgen ganz anders? Was von allem stimmt denn von Trimps Äusserungen? Für mich ist das ein Chaschperli und kein Präsident.

  • Martin Brändle am 18.07.2018 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf!!!

    Der Typ ist so glaubwürdig wie ein Hellseher auf dem Rummelplatz!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MyHouseIsYourHouse am 18.07.2018 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inkompetent hoch3

    Sorry, sich als Präsident an einem Treffen mit dem Erzfeind unter Aufsicht der globalen Medien einen verbalen Ausrutscher zu leisten, geht gar nicht! Es zeigt nur die komplette Inkompetenz Trumps!! Egal was man über den denkt, es ist höchst unprofessionell! Putin ist Geheimdienstler, in der Diplomatie muss JEDES WORT genau abgewogen werden!!! Wie kann Trump einfach so dahinlabern?!? Unglaublich!! Ob nun Demokrat oder Republikaner, so vertritt man kein Land!! Er scheint zu meinen, als Immobilienboss mit irgendwelchen Neueinsteiger-Maklern zu reden....

  • Paul Z am 18.07.2018 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Verlass

    Im eigenen Land bröckelt die Zustimmung gewaltig. Immerhin kann sich Trump noch auf seine treuen Fans hier in der Schweiz verlassen - auch wenn diese 2020 nicht wählen können.

  • Seppli am 18.07.2018 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mitgegangen- mitgefangen!

    Der Narr der die Welt zum Narren hält! Hätten die Eliten nicht gewollt, dass ein Narr zum Präsidenten wird, wäre es wohl nie geschehen. Doch die einzige Frage stellt sich, warum? Die Lösung zum Rätsel werden wir wohl erst nach Ende seiner Amtszeit erfahren! Bis dahin, scheint alles Kopf zu stehen, für paar Wenige zum Guten und für die meisten zum Schlechten... Doch es scheint, no matter what... es ist schliesslich das Volk das sich zum Narren hält... und es gibt nie nur eine Person die wir schuldig erklären könnten, falls was schief läuft, und das weiss Trump auch!

  • Cartman1993 am 18.07.2018 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trumpsmärchenstunde

    Naja würde er mal sein Hirn verwenden, bevor er was sagt, dann müsste er auch nicht dauernd seine Meinung um 180° ändern...

    • BZ am 18.07.2018 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cartman1993

      wie in der Werkstatt: wenn keine Säge vorhanden ist kann man auch nicht sägen...

    • Maurerbub am 18.07.2018 19:22 Report Diesen Beitrag melden

      Bevor man es verwenden kann

      muss man aber erst eins haben.

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  • Kritik Ker am 18.07.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Englisch?

    Vielleicht sollte er mal einen Englisch Kurs besuchen, damit die Leute ihn besser/richtig verstehen, ist ja immer alles ein Missverständnis.