Krawalle in Barcelona

18. Oktober 2019 21:17; Akt: 18.10.2019 23:01 Print

«Ich habe teilweise wirklich Angst»

Seit Tagen kommt es in Spanien zu Demonstrationen und Ausschreitungen. Leser-Reporter erzählen, wie sie die Situation erleben.

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Leser-Reporterin Ellen Meyer ist in Barcelona und erlebt die Situation zurzeit hautnah mit. «Es ist nicht gerade lustig hier. Es brennt an fast jeder Ecke. Überall stehen Polizisten herum», so Meyer. Zudem seien zahlreiche Restaurants und Cafés geschlossen sowie Strassen blockiert: «Wir wussten nicht, wie wir vom Flughafen zum Hotel kommen sollen oder oder wo wir am Abend essen gehen könnten.» Wie Meyer sagt, sollen aber nicht die Aktivisten das Problem sein: «Die Demonstrationen habe ich bis jetzt ruhig erlebt. Drumherum herrscht das Chaos.» Auch andere Leser sind vor Ort und berichten von der angespannten Lage. Laut der Polizei demonstrierten am Freitag etwa 525'000 Menschen. Die 4. Nacht mit Ausschreitungen in Spanien: Wieder gingen Separatisten auf die Strassen. Laut dem Leser sind zahlreiche Polizisten vor Ort. Am Freitag, 18. Oktober 2019, ist zudem ein Generalstreik geplant. Die Protestierenden errichteten Feuerbarrikaden. Unter die Protestierenden mischten sich auch Rechtsextreme. Die Demonstranten blockierten auch Strassen. Die Polizei konnte Zusammenstösse zwischen Rechtsradikalen und Separatisten verhindern. Rund ein Dutzend Menschen wurden verletzt, wie lokale Medien berichten. Die Polizei nahm mindestens elf Personen fest. Die heftigsten Zusammenstösse gab es in Barcelona. Der separatistische Regionalpräsident Quim Torra hatte die Gewalt in der Nacht zum Donnerstag erstmals kritisiert. Spielt am 26. Oktober nicht gegen Real Madrid: FC Barcelona mit Superstar Lionel Messi. (Archivbild) Grund: Die Unruhen in Barcelona. Am Mittwochabend wurden mehrere Autos sowie Barrikaden und Blumenkästen in Brand gesetzt. Die Polizei der Region im Nordosten Spaniens teilte mit, gewaltbereite Aktivisten hätten nicht nur Steine und Böller auf die Sicherheitskräfte geworfen, sondern auch «Gegenstände mit Säure». Es war bereits der dritte Tag mit massiven Demonstrationen in und um Barcelona, nachdem das Oberste Gericht in Madrid am Montag neun Separatistenführer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt hatte. Für den 26. Oktober ist eine grosse Demonstration geplant. Dann hätten auch Barça und Real Madrid in Kataloniens Metropole gegeneinander spielen sollen. Neben friedlichen Kundgebungen Tausender Unterstützer einer Abspaltung der Region von Spanien kam es dabei auch immer wieder zu Krawallen mit Dutzenden Verletzten und zahlreichen Festnahmen. Regionalpräsident Quim Torra hat die Gewalt trotz Aufforderungen der Zentralregierung in Madrid bislang nicht öffentlich verurteilt. Die in Haft sitzenden Separatistenführer hingegen distanzierten sich auf Twitter von den Ausschreitungen. Hunderte Menschen haben am 14. Oktober 2019 den Zugang zum Flughafen in Barcelona gesperrt. «Der Eingang zu den Terminals wurde gesperrt», berichtet Leser-Reporterin Yvonne Ziegler. Die Demonstranten sind Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens. Die Polizei beobachtete lange die Situation. Sie protestieren derzeit wütend gegen das Urteil des Obersten Gerichts. Hunderte waren nach Bekanntgabe des Urteils zum Flughafen Barcelona zu Fuss unterwegs, um den Flugverkehr lahmzulegen. Viele sitzen seit Stunden in den Hallen der Terminals. Im Stadtzentrum haben Demonstranten die wichtigsten Zugangsstrassen zum Zentrum blockiert, Taxis und die U-Bahn fahren nicht. Die Demonstrationen in Barcelona gehen auch am fünften Tag in Folge weiter. Wie ein Leser-Reporter berichtet, sind viele junge Menschen auf der Strasse. «Hier läuft es zurzeit aber recht ruhig ab.»

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Die Proteste von Befürwortern der Unabhängigkeit in Katalonien reissen nicht ab. Laut der Polizei demonstrierten am Freitag etwa 525'000 Menschen. Die Grosskundgebung war der vorläufige Höhepunkt der seit Montag anhaltenden Proteste in der Region. Aus mehreren Städten waren die Demonstranten nach Barcelona gezogen.

Neben den Demonstrationen kommt es aber auch immer wieder zu schweren Ausschreitungen. Leser-Reporterin Ellen Meyer erlebt die Situation zurzeit hautnah mit. Wie sie erzählt, ist sie am Freitag aus der Schweiz nach Barcelona gereist: «Es ist nicht gerade lustig hier. Es brennt an fast jeder Ecke. Überall stehen Polizisten herum.»

«Die Strassen sind überfüllt»

Zudem seien zahlreiche Restaurants und Cafés geschlossen sowie Strassen blockiert: «Wir wussten nicht, wie wir vom Flughafen zum Hotel kommen sollen oder wo wir am Abend essen gehen könnten.» Wie Meyer sagt, sollen aber nicht die Aktivisten das Problem sein: «Die Demonstrationen habe ich bis jetzt ruhig erlebt. Drumherum herrscht das Chaos.»

Das sei auch der Grund, weshalb sie sich nicht wirklich sicher fühle: «Es sind so viele Menschen unterwegs, die Strassen sind überfüllt. Ich habe teilweise wirklich Angst.» Nun sitzt sie auf einer Dachterrasse mitten im Zentrum und beobachtet die Lage von oben: «Hier fühlen wir uns zwar sicher, aber über uns kreisen die ganze Zeit Helikopter und unten brennt etwas. Das ist schon noch speziell.»

«Kein Problem, dorthin zu reisen»

Bis am Dienstag will das Paar in Barcelona bleiben: «Wir werden nachher ins Hotel zurückgehen und dieses vorerst nicht verlassen.» Meyer, die die Reise vor Monaten gebucht hatte und sich sehr darauf freute, zeigt sich enttäuscht: «Ich hatte mich beim Reisebüro und der Fluggesellschaft extra noch am Donnerstag informiert, wie die Lage ist. Die haben gemeint, es sei kein Problem, dorthin zu reisen.» 

Leser Dario ist zurzeit in Girona, rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Auch dort sei die Lage angespannt: «Die Polizisten gehen mit Gummischrot gegen die Demonstranten vor. Zudem rennen die Leute alle paar Minuten weg, sobald sie die Schüsse der Polizei hören.» Trotzdem meint er: «Wir haben keine Angst vor den Tumulten.» Er findet es sogar vorbildlich, «dass sich vor allem die Jungen für die Zukunft ihres Staates einsetzen».


Im Video sieht man, wie brutal die Polizisten gegen einen Aktivisten vorgehen. (Video: Twitter/Jordi Salvia)

Viele Geschäfte geschlossen

Am Freitag waren die Auswirkungen der Proteste in der katalanischen Hauptstadt fast überall spürbar. So mussten 57 Flüge nach offiziellen Angaben gestrichen werden, und die Oper sagte eine für den Abend geplante Vorstellung ab. Zudem waren viele Geschäfte geschlossen, kaum ein Auto war unterwegs.

Hunderte Demonstranten blockierten zeitweise die Zugänge zur
Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas. Später wurden die Pforten der bis heute unvollendeten Basilika komplett geschlossen. Die Hauptkundgebung auf dem Boulevard Passeig de Gracia im Zentrum Barcelonas verlief jedoch ohne grössere Zwischenfälle.

Zwei Minderjährige verhaftet

Unweit davon kam es aber auf einer Demonstration von mehreren Hundert zumeist jungen Menschen vor dem Polizeipräsidium erneut zu Zusammenstössen mit der Polizei. Vermummte und dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten bewarfen Polizisten unter anderem mit Steinen und Eiern und zündeten erneut Müllcontainer an. Die Beamten setzten Schlagstöcke gegen die Krawallmacher ein.

Wie die Polizei mitteilte, wurden drei Kundgebungsteilnehmer – darunter zwei Minderjährige – festgenommen. Ein Beamter sei verletzt worden. Ausschreitungen gab es am Abend auch in Girona, Tarragona und Lleida.

Fussballspiel verschoben

Es soll sich um die gewalttätigsten Proteste in Spanien seit Jahrzehnten handeln. Die Stadtverwaltung bezifferte den dabei entstandenen Schaden auf etwa 1,6 Millionen Franken. Allein 700 Müllcontainer seien in Brand gesetzt worden.

Vorsorglich wurde auch das prominenteste Fussballspiel der spanischen Liga abgesagt. Der «clásico» zwischen Real Madrid und FC Barcelona war eigentlich für den 26. Oktober in der katalanischen Metropole vorgesehen, wurde aber aus Sicherheitsgründen auf einen unbekannten Termin verschoben.

(mon/reuters/sda)