Barack Obama

19. Juli 2013 20:59; Akt: 20.07.2013 11:41 Print

«Ich hätte Trayvon Martin sein können»

Zum ersten Mal äussert sich US-Präsident Barack Obama zum Freispruch George Zimmermanns, der den schwarzen 17-Jährigen Trayvon Martin erschossen hatte. Er findet klare Worte.

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Bisher brachte US-Präsident Obama seine dunkle Hautfarbe selbst selten zur Sprache. Jetzt meldet er sich mit einem emotionalen Einwurf in der Rassismusdebatte zu Wort - zur rechten Zeit, wie es scheint.

Die emotionalen Äusserungen von US-Präsident Barack Obama zur Rassismus-Debatte nach dem Freispruch im Fall Trayvon Martin sind überwiegend positiv aufgenommen worden. Nicht nur die Eltern des erschossenen schwarzen Teenagers begrüssten Obamas Worte, sondern auch Angehörige des inzwischen freigesprochenen Todesschützen George Zimmerman. «Das amerikanische Volk braucht Zeit, um das zu verdauen, was hier passiert ist, und in sich zu gehen, wie es der Präsident angesprochen hat», sagte Zimmermans Bruder Robert dem Sender Fox News.

Obama hatte sich am Freitag (Ortszeit) erstmals ausführlich zu dem Freispruch für Zimmerman vor einer Woche geäussert und erklärt, auch er kenne das Misstrauen gegen dunkelhäutige Männer: «Trayvon Martin hätte vor 35 Jahren auch ich selbst sein können.» In der Vergangenheit habe auch er selbst mitbekommen, wie Autofahrer ihre Türen verriegelten und Frauen ihre Geldbörsen fester umklammerten, wenn er an ihnen vorbeigelaufen sei. Afroamerikanische Männer würden bisweilen beim Einkaufen oder auch im Aufzug nervös beäugt.

Freispruch mit Folgen

Der unbewaffnete 17-jährige Martin war im Februar 2012 in Florida von dem 29-jährigen Zimmerman, Mitglied einer Bürgerwehr, erschossen worden. Zimmerman sprach von Notwehr, ein Geschworenengericht folgte dem. Der Freispruch löste Proteste und eine heftige Debatte über Hautfarbe und die Grenzen der Notwehr im US-Recht aus.

Obama sagte, die wütende Reaktion vieler Afroamerikaner müsse man im Kontext sehen. Die schwarze Gemeinde betrachtete den Fall vor dem Hintergrund «einer Reihe von Erfahrungen und einer Geschichte, die niemals weicht». Daher erfülle das Urteil schwarze Amerikaner mit Schmerz. «Wohin gehen wir damit?», frage Obama. «Wie ziehen wir Lektionen daraus und gehen in eine positive Richtung?». Es sei «für uns alle an der Zeit, einmal in uns zu gehen».

Obamas eigene dunkle Hautfarbe und seine Rolle als erster dunkelhäutiger US-Präsident waren zwar in der Vergangenheit häufig Thema. Er selbst hat sich seit seinem Amtsantritt 2009 aber nur selten dazu geäussert. Seine Äusserungen wurden offenbar als Signal gedeutet, dass er sich in der Rassismus-Debatte positioniert. «Schwarze und dunkelhäutige Menschen überall haben das Gefühl, endlich gehört worden zu sein», sagte die Sekretärin Angela Bazemore aus New York.

Prüfung des Notwehr-Gesetzes

Martins Eltern erklärten, Obamas Äusserung, er selbst hätte Trayvon sein können, sei eine «wunderschöner Tribut an unseren Jungen». Zimmermans Anwälte erkannten an, dass sich der Präsident über Rassismus geäussert habe. Im Fall Zimmerman solle man sich aber die Fakten ohne Emotionen anschauen. Dann stelle man fest, dass der Schütze selbst einen multiethnischen Hintergrund habe und kein Rassist sei.

Obama regte auch eine Prüfung der als «Stand your Ground» bekannten Notwehr-Gesetze in Florida und anderen US-Staaten an. Die Regelung ermöglicht einer Person den Einsatz tödlicher Gewalt, wenn sie ihr Leben in Gefahr sieht. Es sollte untersucht werden, ob solche Gesetze tödliche Konfrontationen wie im Fall Trayvon Martin provozierten, sagte Obama. Auch stelle sich die Frage, ob Martin in einer ähnlichen Situation gefühlter Bedrohung das Recht zugestanden worden wäre, Zimmerman zu erschiessen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ah Ha am 20.07.2013 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus

    Wir waren alle nicht dabei und wissen nicht was genau geschehen ist, tragisch ist es allemal.Aber wäre die reaktion der bevölkerung dieselbe wenn zb auch Zimmerman Schwarz gewesen wäre ? oder er Schwarz und das Opfer Weiss ? Jedesmal wenn eine Schwarze Person von einer weissen getötet wird , ist als erstes immer sofort Rassismuss der Grund, umgekehrt wird nie ein solches aufsehen gemacht.

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  • Oliver Babic am 20.07.2013 01:58 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss diesen Kerl einfach lieben

    Lügen, Drohungen und Überwachung gegenüber der Welt ist nicht genug. Sollte die Politik nicht für uns arbeiten, irgendwie läuft da etwas schief. Oder bin ich vollkommen falsch? Das bezieht sich jetzt nicht nur auf Obama, sondern auf alle unsere lieben Volksvertreter

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  • Rita Helbling am 20.07.2013 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kennt er die Fakten?

    Auch Obama war nicht anwesend im Prozess und kennt die Fakten nur aus der Presse. Entweder man will eune unabhängige Justiz oder dann entscheidet der Präsident selber solche Fälle. Aber hinterher und von aussen ein Urteil zu kritisieren geht nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F. Hunkeler, Amriswil am 21.07.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    vom Hören sagen lernt man Lügen

    es ist immer so, Kritisieren ist sehr einfach, besser machen ............ Es ist eine gefährliche Sache nur den Medien zu vetrauen. zB. hier in der Schweiz gibt es kaum noch Zeitungen von verschiedenen Verlagen, dH. wenn ein Thema nur von der einen Seite her Betrachtet und angeriffen wird bekommt die gegenseite keine Chance ihre Ansicht darzulegen. Wem kann man glauben? Wir hier in der Schweiz können also nur ahnen was wirklich passiert ist, auch zu den Umständen können wir keine Aussagen treffen.

  • Maxwell Schwendener am 21.07.2013 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit oder Zufriedenstellung?

    Ich habe den Verdacht das viele Schweizer überhaupt keine Infos über die tragische Story haben oder überhaupt sich informiert haben. Sie verteidigen den zimmermann aus Trotz weil hier Rassismus vorgeworfen wird. Wusstet ihr dass sein Grossvater Richter war und bevor er bei der Polizei die Aussage machte mit seinem Grossvater geredet hat? Unten bei den Kommentaren hat einer nicht mal gewusst, dass der 17J. GROSSE eine Packung SKITTLES dabeihatte und am Essen war, als der möchtegern Polizist ihn "verdächtigte und verfolgte" obwohl die Polizei ihn davon abgeraten hat.

  • Marco am 21.07.2013 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem mit dem Freispruch

    In Florida existiert das "Stand your Ground" Gesetz. Zimmerman ist der einzige Zeuge. Somit gilt, ohne triftige Zweifel für den Angeklagten. Das ist schon richtig so. Was mir aber in dem Kontext überhaupt nicht passt, ist der Fall von Marissa Alexander im Kontrast. Man kann ein Gesetz nicht auslegen, wie es einem gerade in den Kram passt. Entweder so oder anders, aber beides geht nicht.

  • Jason McMillan am 21.07.2013 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstjustiz?

    Auch wenn es keinen rassistischen Grund geben würde, so muss man sich doch fragen ob jeder jeden Verdächtigen einfach abknallen kann. Das ist Selbstjustiz und diese endet in einem Unrechtsstaat!

  • Beobachter am 21.07.2013 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Viel reden und nichts sagen

    Etwas musste er ja sagen, der Herr Obama. Und diplomatisch hat er sich ausgedrückt. Er hat keinen der Beiden in irgend einer Form angegriffen. Halt eben diplomatisch. Viel reden und nichts sagen.