Proteste in Ägypten

08. Februar 2011 15:21; Akt: 08.02.2011 16:14 Print

«Ich war stolz darauf, was ich getan habe»

Zwei Wochen lang wurde der Google-Manager Wael Ghonim in Ägypten festgehalten. In einem emotionalen Fernsehinterview berichtet er jetzt von seiner Gefangenschaft.

De ersten Worte von Wael Ghonim kurz nach seiner Freilassung. (Quelle: Youtube)

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Ein vor knapp zwei Wochen in Ägypten festgenommener Google-Manager ist wieder frei. Wenige Stunden nach seiner Freilassung gab der junge Ägypter am Montag ein emotionales Fernsehinterview, von dem ein Mitschnitt im Internet kursiert. In dem Interview beschreibt Wael Ghonim, wie er vor 12 Tagen von vier Männern auf offener Strasse überwältigt und zur ägyptischen Staatssicherheit gebracht worden war.

Nach seiner Verhaftung macht Ghonim einen erschöpften Eindruck. Sein Blick ist oft auf den Boden gerichtet. Während seiner gesamten Inhaftierung seien seine Augen verbunden gewesen, gefoltert sei er aber nicht worden, sagt Ghonim. «Ich hörte nichts und ich erkannte nichts. Ich fragte mich, ob man mich vergessen habe.» Er bezeichnete seine Verhaftung als Entführung und ein Verbrechen, gab sich aber versöhnlich. Dies sei nicht die Zeit, Rechnungen zu begleichen, es sei die Zeit von Ägypten.

Er bereue nichts, zitiert der «Spiegel» Auszüge des Interviews auf Dream TV: «Ich war stolz darauf, was ich getan habe, und ich war vorbereitet, die Konsequenzen zu tragen.» Zugleich verwahrte er sich wiederholt dagegen, der Held der Demonstranten zu sein. Es gebe keine Helden, alle auf der Strasse seien Helden, erklärte der Marketing-Manager.

Gründer der Facebook-Seite «Wir sind alle Kahelde Said»

Der junge Mann, der in Dubai lebt, steckt nach eigener Aussage hinter der Facebook-Seite «Wir sind alle Khaled Said», auf der die Jugendlichen des Landes seit dem 25. Januar zu den täglichen Demonstrationen am zentralen Tahrir-Platz in der Kairoer Innenstadt aufgerufen werden. Der Name der Seite bezieht sich auf einen 28-jährigen Blogger, der im Juni des vergangenen Jahres in Alexandria von zwei Polizisten in Zivil auf offener Strasse zu Tode geprügelt wurde.

Seit dem 27. Januar, zwei Tage nach Beginn der Proteste, galt der Google-Manager als vermisst. Erst am (vergangenen) Sonntag bestätigte ein bekannter ägyptischer Geschäftsmann, dass der junge Mann inhaftiert sei, seine Freilassung aber kurz bevorstehe.

Unterdessen sagte die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch am Montag der Nachrichtenagentur AP, die zweiwöchigen Proteste hätten bislang mindestens 297 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Todesopfer werde aber vermutlich noch steigen.

(ske/ap)