Schweizer Model in Nizza

15. Juli 2016 13:39; Akt: 17.07.2016 12:25 Print

«Ich wurde von der Menge fast zertrampelt»

Das angehende Solothurner Model Lara Jäggi war in einer Seitenstrasse, als der Anschlag an der Promenade in Nizza passierte. Sie und ihre Familie rannten um ihr Leben.

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Die Solothurnerin Lara Jäggi (17) wurde während des Anschlags in Nizza von der flüchtenden Menschenmasse umgerannt. Beim Anschlag ums Leben gekommen ist die Schweizerin Linda C. (54). Sie wurde vom Lastwagen erfasst. Tatort-Sicherung: Die Polizei sichert Spuren neben zurückgelassenen Kinderwagen. Spurensicherung am Morgen nach dem Attentat mit über 80 Toten. Der LKW, der sich durch die Menschenmenge pflügte, wird noch immer untersucht. Mit diesem Lastwagen fuhr der Attentäter in die Menschenmenge. Der Lastwagen des Attentäters: Die Frontscheibe ist mit Einschusslöchern übersät. Der LKW in Nizza wird von Ermittlern untersucht. Ein Mann beruhigt ein kleines Mädchen nach dem Terror-Anschlag in Nizza. Angehörige von Opfern spenden sich Trost. Gespenstische Szenen nach dem Anschlag: Menschen flüchteten in Panik. Opfer werden abtransportiert - der Anschlag forderte über 80 Tote. Der Attentäter soll auch auf die Menschen geschossen haben. Der Ausnahmezustand in Frankreich wurde um drei Monate verlängert. Rettungskräfte kümmern sich um die Verletzten nach dem Anschlag. Am Morgen nach dem Anschlag herrscht Fassungslosigkeit in NIzza. Der LKW, der beim Anschlag verwendet wurde, am Morgen danach. Verwundete werden an der Strandpromenade abtransportiert. Soldaten bezogen nach dem Anschlag Stellung. Verwundete Personen werden ins Spital gebracht. Der Anschlag geschah am Nationalfeiertag von Frankreich. Innenminister Bernard Cazeneuve spricht zu den Medien. Ermittler am Tatort in Nizza. Eine verletzte Frau wird von Rettungskräften behandelt. Kurz nach dem Anschlag helfen Rettungskräften den Verwundeten. Polizisten sichern den Tatort kurz nachdem der LKW durch die Menge gerast war. Ein Polizist neben den zugedeckten Opfern an der Strandpromenade. Noch am Morgen danach liegen zugedeckte Opfer in Nizza. Forensiker untersuchen den LKW in Nizza. Die idyllische Strandpromenade von Nizza, die am Donnerstag zum Ort des Schreckens wurde. In Nizza starben beim Terroranschlag über 80 Menschen.

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«Es ist schrecklich. Ich hoffe, ich kann diese Bilder irgendwann wieder vergessen. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.» Lara Jäggi aus Solothurn ist seit vier Tagen in Nizza. Wie jedes Jahr verbringt das angehende Model seine Ferien mit seiner Familie in der französischen Küstenstadt. Am Donnerstagabend plante Jäggi, sich das Feuerwerk anzuschauen. Zuvor stand noch ein Abendessen in einer Seitenstrasse der Promenade an, in der wenig später Dutzende Menschen – darunter mindestens eine Schweizerin – sterben würden. Sie befindet sich gleich um die Ecke von Laras Appartement.

Doch der Plan geriet durcheinander. «Mein Freund, der in Nizza wohnt, kam zu spät. Deshalb verpassten wir das Feuerwerk», erzählt die 17-Jährige. Gerade als sie bezahlen wollten, seien plötzlich Menschen durch die Strasse gerannt. «Wir wussten erst nicht, was wir tun sollten. Es zwängten sich hunderte Leute in die kleine Strasse. Wir hörten die Schüsse.» Erst suchte die Familie Deckung unter dem Tisch. «Wir legten uns auf den Boden.» Doch die Menschenmasse habe kein Ende genommen, immer mehr Menschen seien vorbeigerannt. Also hätten sie sich umentschieden. «Ich wollte mich der Menge anschliessen, wurde aber umgeworfen und stürzte zu Boden. Dabei wurde ich fast zertrampelt.»

In der Wohnung verschanzt

Ihr Freund habe ihr schliesslich helfen können, sich wieder aufzurichten. Beim Vorfall wurde Lara leicht verletzt. Ausserdem hatte sie ihre Familie aus den Augen verloren. «Ich hatte so Angst um sie. Mein Freund und ich flüchteten schliesslich in einen Kleiderladen, wo uns die Verkäufer zu beruhigen versuchten.» Doch die Sorge um ihre Familie sei zu stark gewesen. Auch Laras Grossmutter war an dem Abend dabei. «Dann rief plötzlich meine Schwester an und sagte, dass sie alle ins Appartement zurückgeflohen waren.»

Auch Lara und ihr Freund versuchten, sich bis dorthin durchzuschlagen. «Doch die Angestellten im Haus dachten, es sei eine Schiesserei und hatten die Tür verriegelt.» Schliesslich sei sie zusammen mit einem Jugendlichen und einem älteren Ehepaar ins Haus gelassen worden. Gemeinsam hätten sich alle in der Wohnung verschanzt. «Wir haben sogar die Lichter ausgeschaltet, weil die Täter von Paris damals auch auf Fenster geschossen hatten.»

«Die Schreie und Krankenwagen – einfach schockierend»

Das Ehepaar, das mit der Familie in die Wohnung geflüchtet war, blieb über Nacht dort. An Schlaf sei jedoch nicht zu denken gewesen. «Wir hörten die ganze Nacht Menschen weinen.» Auch am Freitag wagte sich kaum jemand auf die Strasse. In den Strassen würden Personen kontrolliert. Die Läden und Restaurants seien jedoch geöffnet. «Sie versuchen, den Alltag wiederherzustellen.» Doch viele von denen, die auf den Strassen unterwegs seien, hätten Koffer dabei.

Auch Lara und ihre Familie werden die Ferien voraussichtlich abbrechen. «Es gab aber keinen freien Flug mehr, mein Vater kommt uns jetzt aus der Schweiz abholen.» Doch die Bilder von der Nacht des Anschlags kann Lara nicht einfach hinter sich lassen. «Es war alles so schlimm. Die Schreie und Krankenwagen – einfach schockierend. All die schönen Erinnerungen, die ich hier die Jahre zuvor erleben durfte, sind auf einmal ganz weit weg. Wir versinken in Trauer.» Doch Lara weiss auch: «Wir hatten so viel Glück. Ich bin froh, haben wir so spät zu Abend gegessen.»

(vro)