EU-Direktor

02. Mai 2014 05:23; Akt: 02.05.2014 12:51 Print

«Internationales Versagen in Zentralafrika»

Das Volk der Zentralafrikanischen Republik sei von der internationalen Gemeinschaft verraten worden, so EU-Direktor John Ging. Eine ethnische Säuberung sei nicht verhindert worden.

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Was in Zentralafrika momentan passiert, sei aufgrund von «internationalem Versagen» zustande gekommen, so EU-Direktor John Ging. (Bild: Keystone/AP/Khalil Hamra)

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Die internationale Gemeinschaft hat nach den Worten eines UN-Direktors ihre Hilfszusagen für die Zentralafrikanische Republik bisher nicht eingehalten. Inmitten andauernder Vertreibungen und einer Gewalt mit Tausenden von Toten resigniere nun die Bevölkerung des Landes, sagte der Direktor der humanitären Einsätze der Vereinten Nationen, John Ging, am Donnerstag in New York. «Wir haben bisher das Volk der Zentralafrikanischen Republik verraten», sagte er in einem Bericht über einen Besuch in dem Land. Während seines Besuchs seien 2000 Menschen getötet worden.

Die internationale Gemeinschaft habe weder genügend Truppen noch Geld geschickt, um die Situation zu ändern, sagte Ging. Sektiererische Gewalt habe ein noch nie dagewesenes Ausmass erreicht, und die Menschen machten jetzt Christen oder Muslime statt wie zuvor einfach «bewaffnete Gruppen» für Verbrechen verantwortlich. Nach einem Aufruf für internationale finanzielle Hilfe seien bisher nur 28 Prozent des erbetenen Betrags eingegangen.

Land versinkt in Gewalt

«Das ist ein kollektives Scheitern für die internationale Gemeinschaft, dass wir nicht in der Lage sind, Menschen in ihrer Heimat Sicherheit bieten zu können», sagte Ging. «Die Realität ist: Tausende wurden auf brutalste Weise getötet. Hunderttausende mussten fliehen. Es hat in der Tat eine ethnische Säuberung gegeben.» Er sprach von einer «hässlichen Dynamik» in dem Land, das seit Dezember 2013 in Gewalt versinkt.

Muslimische Milizen hatten vor einem Jahr einen Putsch unterstützt und das Land ins Chaos gestürzt. Danach terrorisierten christliche Milizen ihrerseits Muslime. Es kam zu beispiellosen Gräueltaten, die UN bezeichneten die erzwungene Vertreibung von Zehntausenden Muslimen als «ethnische Säuberung». Mehr als 600'000 Menschen in der Republik wurden durch die Gewalt vertrieben, rund 330'000 flohen nach UN-Angaben in benachbarte Länder.

(sda)