English Defense League

15. Oktober 2010 07:23; Akt: 15.10.2010 11:24 Print

«Kampfansage an den Islam»

von Gregory Katz, AP - Rechtsgerichtete Islamgegner in Grossbritannien suchen den Schulterschluss mit der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung in den USA. Beobachter sind besorgt.

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Proteste der English Defense League am 11. September 2010 in London (Bild: Keystone)

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Die relativ neue English Defense League, die mit Ängsten vor islamischem Fundamentalismus hausieren geht, wirbt um Anleitung und Inspiration aus einer ähnlichen Ecke in den Vereinigten Staaten. Noch sind die Kontakte zaghaft, aber Aktivisten in ganz Europa bemühten sich um eine «transnationale Kampfansage an den Islam», warnt der Wissenschaftler Matthew Goodwin von der Universität Nottingham.

Der English Defense League (EDL) teilt mit der Tea-Party-Bewegung weniger deren Ablehnung von Steuern und staatlicher Einflussnahme. Hingezogen fühlt sich die Gruppe zur klaren Ablehnung der Ausbreitung des muslimischen Glaubens, wie sie beispielsweise von Rabbi Nachum Shifren vertreten wird, der in Kalifornien für die Republikaner kandidiert und kommende Woche in Grossbritannien erwartet wird. Die Kosten für seine Reise übernimmt die EDL; organisiert hat den Besuch deren Aktivistin Roberta Moore, die eine «jüdische Abteilung» der EDL gegründet hat.

Shifren wolle bei einer Kundgebung in London am 24. Oktober über «die Gefahren der Islamisierung sowohl in diesem Land als auch in Amerika sprechen», sagte Moore der Nachrichtenagentur AP. Themen seien die Einwanderung und «die Gefahr, dass die Scharia nach Grossbritannien kommt». Die EDL habe die gleichen Ziele wie Gruppen in den USA, betonte die Aktivistin: «Wir wollen Informationen austauschen und mit ihnen zusammenarbeiten.»

Rund 1000 Menschen bei Kundgebungen

Der Wissenschaftler Goodwin von der Universität Nottingham, der kürzlich ein Buch über extremistische Gruppen in Grossbritannien veröffentlicht hat, bewertet die im Aufbau befindlichen Verbindungen zu Aktivisten in den USA als potenziell wichtig. Die Kontakte seien vor allem deswegen interessant, weil rechtsgerichtete britische Gruppen sich bislang nur an Gleichgesinnte in anderen europäischen Staaten gewandt hätten. Eine starke Verbindung zur Tea Party wäre von Bedeutung, weil die konservative Bewegung über «bedeutende Ressourcen» verfüge.

Die English Defense League hat Goodwin zufolge im vergangenen Jahr Zulauf bekommen und bringt bei ihren Kundgebungen inzwischen rund 1000 Menschen zusammen. Mitglieder seien vor allem männliche Weisse aus der Arbeiterschicht, viele mit Verbindungen zu Hooligans, sagt der Professor.

«Ich sehe England untergehen»

Der amerikanische Rabbi Shifren ist mehrfach bei Veranstaltungen der Tea Party als Redner aufgetreten. Die Briten wolle er davor warnen, dass ihr Land verloren gehe, wenn der fundamentalistische Islam an Kraft gewinne, sagte er in einem Telefoninterview. «Ich sehe England untergehen, und ich will aufschreien und alles tun, was ich kann, um das zu verhindern, und mit der EDL zusammenarbeiten.» Moore zufolge hat sich die English Defense League ausserdem an die prominente US-Aktivistin Pamela Geller gewandt, die der Organisation «Stoppt die Islamisierung von Amerika» vorsteht.

Alan Lake, der sich nach eigenen Angaben sehr für die EDL und ähnlich gesinnte Gruppen interessiert, unterstützt die Kontakte zu Aktivisten in den USA und dem europäischen Ausland. Damit seien logistische und politische Vorteile verbunden, sagt der Geschäftsmann. Ausserdem gebe es einen emotionalen Nutzen: «Das ist eine solche Erleichterung, wenn man Leute in anderen Ländern findet, die genauso empfinden wie man selbst.»