11. April 2005 17:04; Akt: 11.04.2005 17:09 Print

«Kein gewöhnliches Ereignis»

Der russische Präsident Wladimir Putin dürfte Hannover inzwischen fast genauso gut kennen wie Berlin.

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Während er die deutsche Hauptstadt seit mehr als zwei Jahren nicht besucht hat, kam er innerhalb der letzten zwölf Monate gleich drei Mal in die Heimatstadt von Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Im letzten Jahr nahm er als einziger ausländischer Staatschef an der Feier zum 60. Geburtstag des Kanzlers teil, kurz vor Weihnachten schaute er nach einem deutsch-russischen Gipfeltreffen bei den Schröders vorbei. Für die Eröffnung der Hannover Messe nahm er sich jetzt sogar zwei Tage Zeit.

Russland ist Partnerland der Industriemesse und da darf der Staatschef nicht fehlen. Zusammen mit Schröder schlenderte Putin am Montagfrüh von einem riesigen Medienaufgebot begleitet mehr als eine Stunde durch die Halle 13 und besichtigte die Stände von 15 deutschen und russischen Unternehmen. Für die Kameras posierten sie gemeinsam auf einem Traktor aus deutscher Produktion und informierten sich über russische Lasertechnik, Patrouillenboote und Ölförderung.

Der Energiekonzern EnbW hatte für die hohen Gäste ein virtuelles Elfmeterschiessen vorbereitet, weil bei der Fussball-WM 2006 «ja auch ein Finale Deutschland gegen Russland möglich ist», wie Vorstandschef Utz Claassen sagte. Das Probematch endete 1:0: Schröder verwandelte, Putin verzichtete.

Beide hatten bereits bei der Eröffnung der Messe am Sonntagabend gute Stimmung verbreitet und betont, dass der Zustand der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen besser denn je sei. Beim Handelsaustausch gibt es seit Jahren zweistellige Wachstumsraten. «Diese gute Entwicklung wird noch besser werden», sagte Schröder am Montag. Die Politik habe in den vergangenen Jahren günstige Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Zusammenarbeit geschaffen. «Jetzt ist es an der Wirtschaft, diesen Rahmen immer besser auszufüllen.»

Acht Vereinbarungen unterzeichnet

In der Anwesenheit von Schröder und Putin wurden acht Wirtschaftsverträge und Regierungsvereinbarungen unterzeichnet. Einer davon ragte heraus: BASF und Gasprom vereinbarten eine umfassende Kooperation im Energiesektor, zu der auch die gemeinsame Gasförderung in Westsibirien zählt. Damit öffnet Russland die Erschliessung der kostbaren Rohstoffs erstmals für ein ausländisches Unternehmen.

Das «historisch Neue» an der Vereinbarung sei, dass sich die Zusammenarbeit nicht länger auf die Lieferung von Öl und Gas beschränke, sagte Schröder. Putin äusserte sich noch euphorischer. «Diese Vereinbarung ist kein gewöhnliches Ereignis», sagte er. «Seinem Wesen nach ist das der Übergang zu einer ganz neuen Politik der Zusammenarbeit.»

Ein weiteres Milliardenprojekt war bereits beim letzten Treffen zwischen Schröder und Putin im Dezember auf den Weg gebracht worden und ist jetzt besiegelt. Siemens und die russische Eisenbahn wollen 60 Hochgeschwindigkeitszüge für 1,5 Milliarden Euro produzieren.

Zum Abschluss der Vertragsunterzeichnungen griffen Schröder und Putin selbst zum Füller. In einer gemeinsamen Erklärung vereinbarten sie eine stärkere Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation.

Nächstes Treffen in vier Wochen

Bereits in vier Wochen werden sich die beiden wiedersehen. Am 9. Mai nimmt der Kanzler an der Feier anlässlich des 60. Jahrestags des Kriegsendes in Moskau teil, zu der zahlreiche Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Am Tag darauf steht der EU-Russland-Gipfel auf dem Programm. Dabei werde es darum gehen, die strategische Partnerschaft zwischen der EU und Russland «entscheidend voranzubringen», sagte Schröder in Hannover.

(ap)