Zürcher Polizei

01. Mai 2014 09:50; Akt: 01.05.2014 20:23 Print

«Keine Beschädigungen – ein Top-Ergebnis»

Die Kundgebungen am 1. Mai blieben in der Schweiz mehrheitlich friedlich. Die Polizei zieht ein positives Fazit. Anders sah es im Ausland aus.

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Rund 14'000 Personen haben am Donnerstag am 1.-Mai-Umzug in Zürich teilgenommen. An der Schlusskundgebung, die erstmals auf dem neu gestalteten Sechseläutenplatz stattfand, rief SP-Präsident Christian Levrat dazu auf, die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu verteidigen.

Der Umzug startete gegen 10.15 Uhr an der Lagerstrasse und führte über den Löwenplatz, die Bahnhofstrasse, das Limmatquai zum neu gestalteten Sechseläutenplatz, wo erstmals die Schlusskundgebung stattfand.

Nach Angaben von Polizei und Organisatoren nahmen rund 14'000 Personen am Umzug teil – «so viele wie schon lange nicht mehr», wie es vonseiten der Organisatoren hiess. Im offiziellen Umzug waren auch rund 300 Personen von der linksautonomen Szene dabei, wie Stadt- und Kantonspolizei mitteilten.

Auf einem grossen Transparent stand das Motto des diesjährigen Umzugs, «Stürmen wir die Festung Europa», wobei Europa durchgestrichen und mit Schweiz ersetzt war.

Levrat: «Kampf für Fortschritte von morgen»

An der Spitze hinter dem Transparent «Gute Arbeit – Mindestlohn» marschierte unter anderen SP-Präsident Christian Levrat mit. Levrat sieht wesentliche Errungenschaften in der Schweiz durch «rückschrittliche und reaktionäre» Kräfte bedroht, wie der Hauptredner der Gewerkschaften auf dem Sechseläutenplatz sagte.

Für das 1.-Mai-Komitee redete der Künstler und Politaktivist Giacomo Sferlazzo von der italienischen Insel Lampedusa. Sferlazzo wies in seiner Rede auf die Unzulänglichkeiten der europäischen Migrations- und Flüchtlingspolitik hin. Am Beispiel seiner Heimatgemeinde Lampedusa zeige sich, wie die EU die Migrationspolitik missbrauche, um das Mittelmeer zu militarisieren, sagte der Mitbegründer des Askavusa-Kollektivs. Dieses entstand 2009 in Lampedusa nach heftigen Protesten gegen den Bau eines neuen Auffanglagers für Migrantinnen und Migranten.

Schaufenster verbarrikadiert

Der 1. Mai in Zürich verlief bis am späten Donnerstagnachmittag friedlich. Gegen 15 Uhr versammelten sich auf dem Helvetiaplatz über 100 Linksaktivisten. Die Polizei reagierte umgehend und riegelte den Platz ab. Eine Stunde später zogen sich die Demonstranten und auch die Polizei zurück.

Der Kommandant der Stadtpolizei Zürich, Daniel Blumer, beobachtete die Situation vor Ort. Sowohl Blumer als auch AL-Polizeivorsteher Richard Wolff waren erstmals in ihren Funktionen an einem 1. Mai im Einsatz. Das Polizeidepartement hatte im Vorfeld angekündigt, Nachdemos und Ausschreitungen nicht zu dulden. Die Polizei war mit einem grösseren Aufgebot in der Innenstadt präsent und setzte auch einen Helikopter ein.

Auch in diesem Jahr hatten sich die Läden im Kreis 4 rund um den Helvetiaplatz auf mögliche Nachdemonstrationen vorbereitet. Verschiedene Läden an der Langstrasse verbarrikadierten bereits am Vorabend ihre Schaufenster. Rund um den Sechseläutenplatz und entlang der Umzugsroute hingegen deckten nur vereinzelte Läden ihre Schaufenster mit Holzplatten ab.n.

Weltweite Proteste

In anderen Teilen der Welt gingen am Tag der Arbeit viele Millionen Menschen auf die Strasse. Am Donnerstag gab es grosse 1.-Mai-Kundgebungen insbesondere in Deutschland und Russland. In Istanbul und Turin kam es zu Strassenschlachten

Rund 403'000 Menschen begingen den Kampftag der Arbeiterklasse in Deutschland. Sie gingen für einen Mindestlohn ohne Ausnahmen, für die Rente mit 63 sowie ein sozialeres Steuersystem auf die Strasse.

Bis zum frühen Donnerstagabend verliefen die 1.-Mai-Kundgebungen weitgehend friedlich. Vor allem in den Protesthochburgen Hamburg und Berlin hatte die Polizei grosse Sicherheitsvorkehrungen für den Abend und die Nacht getroffen.

Verletzte und Festnahmen

In der türkischen Metropole Istanbul kam es um den im Herzen der Stadt gelegenen Taksim-Platz zu heftigen Zusammenstössen zwischen 1.-Mai-Demonstrationen und Polizei. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor mehrfach betont, Demonstrationen zum Tag der Arbeit auf dem Taksim-Platz nicht zu dulden.

Bei den Zusammenstössen wurden nach Angaben der regierungskritischen Anwaltsvereinigung CHD 50 Demonstranten verletzt. Auf Fernsehbildern waren auch verletzte Polizisten zu sehen. CHD teilte mit, in Istanbul seien rund 250 und in der Hauptstadt Ankara mehr als 100 Demonstranten festgenommen worden.

Verletzte und Festnahmen gab es auch in der norditalienischen Industriestadt Turin. Dort kam es bei einer 1.-Mai-Demonstration für Beschäftigung und Sozialwohnungen, die von radikalen Linksgruppen organisiert wurde, zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Die Polizei griff ein, um Krawalle zwischen radikalen Demonstranten und Anhängern der Mitte-links-Kraft Demokratische Partei (PD) zu verhindern. Mit Tränengas und Knüppeln griffen die Polizisten gegen die radikalen Linksaktivisten ein. Dutzende Demonstranten und acht Polizisten wurden verletzt. Drei Linksaktivisten wurden von der Polizei unter dem Vorwurf festgenommen, einen Polizisten verletzt zu haben.

Marsch über den Roten Platz

In Moskau marschierten erstmals seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion mehr als 100'000 Menschen bei der traditionellen Parade der Gewerkschaften über den Roten Platz. Kremlchef Wladimir Putin zeichnete bei einer Zeremonie im Kreml fünf Bürger als «Helden der Arbeit» aus. Auch auf der von der Ukraine abtrünnigen Halbinsel Krim beteiligten sich tausende Menschen an Demonstrationszügen.

In Griechenland demonstrierten mehrere tausend Menschen friedlich für ein Ende der Sparprogramme und neue Arbeitsplätze. In Athen wurden die Busse für sechs Stunden bestreikt. Betroffen waren auch der Fähr- und der Bahnverkehr. Aus Piräus lief am Morgen kein Passagierschiff aus.

Riesenaufmarsch in Kuba

Mit Kundgebungen und Aufmärschen feierten die Kubaner den Tag der Arbeit. In Havanna und anderen Städten des Landes gingen am Donnerstag Millionen Menschen auf die Strasse. Präsident Raúl Castro nahm die Parade auf dem Platz der Revolution in der Hauptstadt Havanna ab. «Die Arbeiterklasse zeigt heute ihre Geschlossenheit und Unterstützung für Revolution und Sozialismus», sagte Politbüromitglied Salvador Valdés Mesa.

Gewerkschaftschef Ulises Guilarte verurteilte in seiner Rede das Embargo der USA gegen Kuba und erklärte sich solidarisch mit der linksgerichteten Regierung in Venezuela. Der Massenaufmarsch in Havanna sei ein deutliches Zeichen, dass die Kubaner fest zur Revolution stünden und bereit seien, die Souveränität des Landes zu verteidigen, sagte Guilarte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Prensa Latina.

Was alles am 1. Mai passiert ist, können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen.

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(sda)