Nordkorea-Experte

12. Juni 2018 16:39; Akt: 12.06.2018 16:53 Print

«Kim hat am Gipfel am meisten gewonnen»

Der US-Präsident hat von Nordkoreas Machthaber das erneute Versprechen für eine atomare Abrüstung erhalten – jedoch ohne konkreten Fahrplan.

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Der historische Moment ist vollbracht: Kim Jong-un und Donald Trump reichen sich um 3:04 Uhr MESZ erstmals die Hand. (12. Juni 2018) Ein Handschlag für die Geschichtsbücher – er wurde von weiterer freundlicher Körpersprache begleitet. Die beiden Staatenlenker fassten sich gegenseitig an die Arme und lächelten. (12. Juni 2018) In einem kurzen Statement vor laufenden Kameras sagte Trump eine «grossartige Beziehung» zu Kim voraus. Daran habe er «keinen Zweifel». (12. Juni 2018) Die Balkonszene: Die beiden Machthaber zeigen sich auf Sentosa Island der Öffentlichkeit. (12. Juni 2018) Gespräche in einer grösseren Runde: Am Treffen unter Leitung von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nahmen unter anderem die Aussenminister beider Seiten teil. (12. Juni 2018) Stimmung gut? Zumindest das Lächeln des nordkoreanischen Machthabers signalisiert das. (12. Juni 2018) Die beiden Politiker lächelten, als sie nach Abschluss der Gespräche einen Spaziergang über das Gelände des Hotels auf der Ferieninsel Sentosa machten. «Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse.» Trump kündigte die Unterzeichnung eines Dokuments mit Nordkorea an. Interesse am Fahrzeug? Trump zeigt Kim vor dem Capella-Hotel seine Präsidentenlimousine. Später unterzeichnen die beiden ein Dokument. Was da wohl drinsteht? Kim schaut auf das Dokument, welches die beiden Staatsoberhäupter unterzeichnen. Ein Stift für die Unterzeichnung des Gipfeldokuments. Der Stolz des US-Präsidenten: Trump zeigt das unterzeichnete Dokument. Wer genau hinschaut, kanns lesen. Die Unterschriften von Donald Trump und Kim Jong-un. «Wir werden die Kriegsspiele beenden»: Donald Trump gab nach dem Gipfeltreffen eine Medienkonferenz in Singapur. Kim-Freund Dennis Rodman dämpft die Erwartungen an das erste Treffen der Staatschefs in Singapur. (11. Juni 2018) Selfie mit dem Diktator: Kim Jong-un umringt von Singapurs Aussenminister Balakrishnan (l.) und Bildungsminister Ong Ye-kung. In wenigen Stunden treffen Donald Trump und Kim Jong-un aufeinander. Zuvor hatte sich zunächst Donald Trump auf den Weg nach Sentosa Island gemacht ... ... dann begab sich Kim Jong-un ebenfalls auf die Insel vor Singapur. Trump will zunächst allein mit Kim sprechen – «Im Anschluss an die Begrüssung werden sich Präsident Trump und Präsident Kim zu einem Einzelgespräch mit ausschliesslich Übersetzern treffen. Dann folgt ein erweitertes bilaterales Treffen und ein Arbeitsessen», heisst es . (Symbolbild) Sicherheitsgarantien für Nordkorea: Mike Pompeo und Kim Jong-un haben sich am 9. Mai 2018 in Pyongyang getroffen. Das Gipfeltreffen findet am 12. Juni auf Sentosa statt: Medienvertreter haben sich vor dem Hotel versammelt, in dem Kim Jong-un untergebracht ist. (11. Juni 2018) Vor dem St. Regis Hotel in Singapur wurde eine Strassensperre errichtet. (10. Juni 2018) Auch vor dem Hotel Shangri-La ist eine Sicherheitseinrichtung aufgebaut worden. (10. Juni 2018) Ein Polizist sichert den Zugang zum International Media Center. (10. Juni 2018) Die Präsenz der Sicherheitskräfte... ...ist allgegenwärtig in Singapurs Strassen. (10. Juni 2018) Der US-Präsident ist am Sonntag in Singapur eingetroffen. Die Maschine landete auf dem Luftwaffenstützpunkt Paya Lebar. (10. Juni 2018) Kim Jong-un ist ebenfalls bereits am Sonntag in Singapur gelandet. (10. Juni 2018) Kims Konvoi fährt durch Singapur auf dem Weg zum Hotel St. Regis. (10. Juni 2018) Ein Auto, in dem Kim Jong-un sitzen könnte, fährt durch eine Strasse in Singapur. (10. Juni 2018) Vermutete Landung Kims: Ein Flugzeug befindet sich im Landeanflug auf Singapur. (10. Juni 2018) In Singapur dreht sich alles um den bevorstehenden Gipfel. Eine Frau trinkt einen Kaffee aus einer Tasse mit einer Aufschrift zum Ereignis. (10. Juni 2018)

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Mit ihrem historischen Gipfeltreffen haben US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un Hoffnungen auf ein Ende des Atomkonflikts und auf Frieden auf der koreanischen Halbinsel genährt. Kim willigte am Dienstag in Singapur in die vollständige atomare Abrüstung ein, Trump sagte im Gegenzug «Sicherheitsgarantien» für Nordkorea zu und kündigte ein Ende der Militärmanöver mit Südkorea an.

Der Gipfel, der vor sieben Monaten noch unvorstellbar war, verlief in freundlicher Atmosphäre. Trump pries Kim als «grosse Persönlichkeit», «sehr schlauen» Verhandlungspartner und «sehr talentiert». Er habe eine «besondere Verbindung» zu Kim aufgebaut, sagte Trump. «Zu gegebener Zeit» werde er den Nordkoreaner ins Weisse Haus einladen.

«Symbolisch grossartig, Ergebnis mager»

Die historische Dimension des Treffens zeigte sich in einem langen Händedruck (13 Sekunden) zwischen Trump und Kim zum Auftakt. «Auf der symbolischen Ebene war das Treffen ein grosser Erfolg. Von der Substanz her ist das Ergebnis mager», sagt Nordkorea-Experte Werner Pfennig von der Freien Universität Berlin.

Laut dem Gipfeldokument bekräftigte Kim seine «entschlossene und unerschütterliche Verpflichtung» zur «kompletten Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel». Konkrete Schritte, Definitionen, ein Zeitplan oder Kontrollmassnahmen wurden aber nicht benannt.

«Alleingang von Washington und Pyongyang darf es nicht geben»

Die ursprüngliche Forderung der USA, die Denuklearisierung müsse «komplett, überprüfbar und unumkehrbar» sein, tauchte nicht im Abschlussdokument (hier) auf. Experte Pfennig erklärt: «Es ging um Zielbestimmung und noch nicht darum, wie und wie schnell diese Ziele erreicht werden können.» Gut sei, dass auf das innerkoreanische Gipfeltreffen vom April Bezug genommen wurde, «denn es darf keinen Alleingang zwischen Washington und Pyongyang geben».

Trump überdreht an Pressekonferenz

An einer langen Pressekonferenz, auf der sich Trump überdreht in bester Laune zeigte, wurde er dann etwas konkreter: Nordkorea habe angefangen, eine grosse Testanlage für Raketentriebwerke zu zerstören, wie ihm Kim bei ihren Gesprächen berichtet habe.

Bei der geplanten Denuklearisierung, die «sehr, sehr schnell» angegangen werde, sollten amerikanische und internationale Inspektoren eingesetzt werden. Kim gelobte seinerseits, die Vergangenheit hinter sich zu lassen: Die Welt werde «eine grössere Veränderung» erleben, sagte er.

Sanktionen bleiben, Manöver sollen enden

An den Sanktionen gegen Nordkorea will Trump vorerst festhalten. Sie würden aufgehoben, «wenn wir sicher sind, dass die Atombomben keine Grösse mehr sind», sagte Trump. Von Drohungen wolle er vorerst absehen.

Weiter wolle man die Manöver mit dem südkoreanischen Verbündeten einstellen: «Wir werden die Kriegsspiele beenden, womit wir eine riesige Menge Geld sparen werden», so Trump. Damit kommt Trump Pyongyang entgegen, das seit langem ein Ende der regelmässigen Manöver fordert.

«Erste Begegnung auf Basis von Gleichrangigkeit»

Das Treffen von Trump und Kim ist heftig umstritten, auch weil Kim sein Land diktatorisch regiert, massiv gegen Menschenrechte verstösst und nach Schätzungen der US-Regierung 80'000 bis 120'000 Menschen in teils schlimmen Verhältnissen in Arbeitslagern gefangen hält.

Menschenrechtsfragen seien «angesprochen worden und werden in Zukunft angesprochen», sagte Trump. Im Vergleich zur atomaren Abrüstung allerdings «verhältnismässig kurz». Menschenrechtsfragen seien auch nicht das Thema gewesen, sagt Experte Pfennig auf die vielfache Kritik darauf. «Es ging um eine erste Begegnung auf der Basis von Gleichrangigkeit, um eine gute Atmosphäre für weitere Verhandlungen zu schaffen.»

Gewinner: Kim

Trump feierte den Gipfel als Erfolg, für Kim bedeutete das Treffen in Singapur einen enormen Prestigegewinn. Nachdem sein Land wegen seiner provokativen Atomwaffen- und Raketentests von der internationalen Gemeinschaft politisch und wirtschaftlich weitgehend isoliert worden war, betrat er mit der Begegnung die diplomatische Bühne.

Gibt es einen Gewinner? «Vernunft, gesunder Menschenverstand und Verantwortungsbewusstsein haben gewonnen», sagt Werner Pfennig. Personenbezogen habe aber Kim Jong-un am meisten gewonnen.

(kko/afp)