Kapitänin Carola Rackete

12. November 2019 23:59; Akt: 12.11.2019 23:59 Print

«Klimakrise und Migration sind eng verbunden»

Kapitänin Carola Rackete rettete 53 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer und wurde damit über Nacht weltweit bekannt. Diese Aufmerksamkeit nutzt sie nun für ihre Sache.

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Am 12. November 2019 trat Kapitänin Carola Rackete in der Sendung «Club» auf SRF auf. Für Rackete sind Klima- und Flüchtlingskrise keine unterschiedlichen Themen. Denn dass Menschen aus ihrer Heimat fliehen, hängt unmittelbar mit der Klimakrise und der zunehmenden globalen Ungerechtigkeit zusammen. Das schreibt Rackete auch in ihrem Buch «Handeln statt hoffen. Aufruf an die letzte Generation». Sie stellt das Buch am 13. November 2019 im Zürcher Kaufleuten vor. Rackete fordert die Menschen auf, als Zivilgesellschaft aktiv zu werden. Die 31-jährige Deutsche war am 29. Juni 2019 von der italienischen Polizei verhaftet worden. Eine italienische Ermittlungsrichterin hob schliesslich am 2. Juli 2019 den Hausarrest gegen Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete auf. Die Kapitänin habe «genau das Richtige getan»: Dies sagte Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer über Carola Rackete. Als Kapitänin der Sea Watch 3 hatte sie 40 in Seenot geratene Flüchtlinge gerettet und in den Hafen von Lampedusa gebracht. An der Anlegestelle wartete ein Grossaufgebot von Polizei, Presse und Zaungästen. Nach langem Tauziehen hatte das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff Sea Watch 3 im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angelegt. Nach dem Festmachen im Hafen wurde die deutsche Kapitänin Carola Rackete verhaftet. Die 31-Jährige hatte trotz eines Verbots von Italien Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und Lampedusa angesteuert. Die 40 Flüchtlinge waren dabei noch an Bord. Sie waren laut Angaben der Hilfsorganisation völlig erschöpft und verunsichert. Gegen die Kapitänin wird in Italien wegen des Verdachts der Unterstützung von Menschenhändlern ermittelt. Innenminister Matteo Salvini hatte Rackete und ihre Mannschaft als Piraten bezeichnet, ... ... die kriminellen Banden den Schmuggel von Afrikanern nach Europa ermöglichten.

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Gegen die deutsche Kapitänin Carola Rackete läuft derzeit in Italien ein Verfahren – wegen Widerstands gegen die Polizei und wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Die 31-Jährige hatte letzten Juni trotz Verbot die «Sea-Watch 3» in den Hafen von Lampedusa gesteuert. An Bord befanden sich 53 aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge, darunter schwangere Frauen und kleine Kinder.

Aus vielen Teilen Europas erreichte die Kapitänin daraufhin eine Welle der Solidarität. Es gab aber auch zahlreiche Hasskommentare und sogar Morddrohungen: An eine Wand der Uni Genf war «Kill Carola Rackete» gesprayt worden.

Am Montagabend trat die Kapitänin in der Sendung Club auf SRF auf. Rechtsextremismus sei ein ernst zu nehmendes Problem, so Rackete. Angst, dass ihr etwas passiere, habe sie zwar nicht, aber es sei auch klar, dass «auf Worte Taten folgen».

Europa ist verantwortlich

Für Rackete sind Klima- und Flüchtlingskrise keine unterschiedlichen Themen. Denn dass Menschen aus ihrer Heimat fliehen, hängt unmittelbar mit der Klimakrise und der zunehmenden globalen Ungerechtigkeit zusammen. «Beispielsweise im Tschad ist es jetzt schon 1,5 Grad heisser als es vor der Industrialisierung war. Die Trinkwasserreserven gehen zur Neige, die Leute verlieren die Möglichkeit, Landwirtschaft zu betreiben», hatte Rackete bereits in einem Interview mit «SRF» am Tag zuvor gesagt. Als reiche Industrienation sei man dafür verantwortlich.

Im Club betonte sie einmal mehr, wie wichtig es sei, in Sachen Klimawandel jetzt zu handeln. «Wir zerstören das Erdklima, wir müssen generell umdenken», sagte die studierte Naturschutzökologin und Polarforscherin. «Wir dürfen nicht mehr verbrauchen, als was es auf den Planeten gibt. Da kommen wir auch mit nationalen Gesetzgebungen nicht weiter.»

Die Forderungen an die Gesellschaft

Rackete fordert die Menschen auf, als Zivilgesellschaft aktiv zu werden. «Ich finde es wichtig, das persönliche Gespräch mit den Flüchtlingen zu suchen, dann verstehen wir auch, warum die Leute gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen», sagte sie gegenüber SRF.

Zudem müsse es wieder eine europäische Seenot-Rettungsmission geben, denn es sei «das Mindeste, dass wir die Leute, die vor dem Bürgerkrieg fliehen, retten». Den Schleppern sei es völlig egal, ob die Flüchtlinge ankommen oder ertrinken.

Rackete stellt in Zürich ihr neues Buch vor

Carola Rackete stellt dieser Tage ihr neues Buch «Handeln statt Hoffen. Aufruf an die letzte Generation» in Zürich vor. Am Mittwochabend spricht die Kapitänin im ausverkauften Zürcher Kaufleuten.

(kle)

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Wir danken für Ihr Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus H. am 12.11.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gott Mammon!

    Stellt ihr neues Buch vor....... also auch hier geht es in erster Linie ums Geld.......

    einklappen einklappen
  • Mausebüs am 12.11.2019 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soziale Eingliederung

    Peinlich wie die Rackete von SRF gefeiert wird.

    einklappen einklappen
  • Na ja am 12.11.2019 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realismus

    Sie fürchtet um ihr Geschäft. "Klimafluechtling" ist das neue Modewort. Keiner der Migranten in Europa "flieht" vor dem Klima.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Garp am 13.11.2019 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis

    Ja, wir werden immer mehr, bald sind wir 10 Milliarden, in einigen Jahrzehnten 15 Milliarden Menschen, die die Erde überbevölkern. Immer mehr Menschen werden künftig in Armut geboren, zudem müssen gigantische Flächen der Erde für Ackerbau gerodet werden. Das selbe mit der Energie. Es ist ein Teufelskreis entstanden. Und bereits jetzt versinken wir in den Problemen und wissen um keine Lösung, ausser die Güter würden gerecht verteilt, doch das wird niemals geschehen. Es ist längst weit nach zwölf Uhr Mitternacht und das Morgengrauen kommt immer näher ... Menschheit quo vadis?

  • Mia am 13.11.2019 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele unerwähnte Probleme

    Dass diese Länder aber meist sehr korrupte Regierungen haben, die sich nicht um die Bevölkerung oder Umwelt kümmern und lieber in die eigene Tasche wirtschaften, klammert sie dabei komplett aus. Und dass viel Land an China verpachtet wird, ausgebeutet und verseucht wird, in den afrikanischen Ländern, wird auch kein Thema sein...

  • Paul am 13.11.2019 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Vor Ort helfen

    Probleme können nicht importiert werden. Die müssen vor Ort gelöst werden. Afrika hat viele Ressourcen und wäre ein reicher Kontinent. Leider denken dort viele nicht an übermorgen, ja nicht mal an morgen. Hauptsache ich habe heute was. Auch die Korruption ist sehr stark verbreitet. Der Einfluss von China wird auch immer grösser. Was sich auf dem Meer abspielt ist eine Katastrophe. Aber nur mit dem Aufnehmender Flüchtlingen ist es nicht getan.

  • Ursa am 13.11.2019 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Empfangsgebühren

    Danke, an alles die dafür waren, dass ich nun für sowas Empfangsgebühren (SERAFE) bezahle. Schlimm -.-

  • Kaisar am 13.11.2019 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Schuld resp unser Fehler

    90% der Flüchtlinge sind wegen religiösen und ethnischen Konflikten, Wirtschaftskrisen durch Korruption oder Nahrungsknappheit wegen Überbevölkerung auf der Flucht. Nicht wegen des Klimas. In den Herkunftsländern sind Aufkärung und Fortschritt noch nicht angekommen. Statt unsere (europäische, religionslose, weisse) Gesellschaft zu zerstören, sollten wir die Rückständgen erleuchten und zivilisieren. In den unterentwickelten Gesellschaften nach Pax Romana die Führung übernehmen, sie umgestallten und erziehen. Die einzige nachhaltige Lösung, aber nicht populär da dies gewaltsam geschehen müsste.