Angst vor Atomkrieg

23. Januar 2013 19:37; Akt: 23.01.2013 19:37 Print

«Lasst keine Verstrahlten in eure Keller»

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan eskaliert weiter. Jetzt hat die indische Polizei die Bewohner der Kaschmirregion angewiesen, wie sie sich im Fall einer atomaren Attacke zu verhalten haben.

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In den letzten Wochen eskalierte der Konflikt zwischen Indien und Pakistan in der umstrittenen Kaschmir-Region. Jetzt setzt die indische Polizei noch eins drauf: Mit einer am Montag geschalteten Anzeige in der Zeitung «Greater Kashmir» liess sie die «Duck-and-Cover»-Devise aus dem Kalten Krieg aufleben.

Im Falle eines pakistanischen Nuklearangriffs, so wird den Lesern der Kaschmir-Region geraten, müssten sie sich «schnell auf den Boden werfen und liegen bleiben. Nach der ersten Schockwelle unten bleiben und abwarten, bis der Wind abflaut und es aufhört Trümmer zu regnen.»

Weitere Tipps zum Verhalten im Fall eines pakistanischen Atomangriffs lauten: «Baut mit WC-Papier ausgestattete Keller, die gross genug sind, dass die ganze Familie zwei Wochen darin leben kann. Sollte es keine Möglichkeit geben, einen Keller zu bauen, baut einen Bunker im Vorgarten.» Die Notunterkünfte müssten «gemütlich eingerichtet» und mit «Kerzen, Taschenlampen, Radios, Wasser und nicht verderblicher Nahrung» aufgestockt sein.

Mit anfänglicher Desorientierung nach einem Atomschlag müsse gerechnet werden, heisst es weiter, denn «eine nukleare Explosion könnte wichtige und bekannte Anhaltspunkte in der Landschaft zerstören.» Solange man nicht unmittelbar radioaktivem Niederschlag ausgesetzt sei, bestehe eine relativ geringe Wahrscheinlichkeit, dass man eine tödliche Dosis abbekomme. Jedoch heisst es in der Anzeige auch: Leuten, die durch nukleare Verstrahlung verseucht seien, müsste der Zugang zu den Schutzräumen verweigert werden.

«Diese Anzeige nährt die Atmosphäre der Angst. Es ist zwar gut, dass die Menschen aufgeklärt werden, aber nicht auf diese Art und Weise», sagt Anwohner Fayaz Ahmed. Ein Behördensprecher verteidigte die Anzeige im «Greater Kashmir» und unterstrich, dass die Anzeige Teil einer bekannten Öffentlichkeitskampagne für Katastrophenschutz und damit eine Routinemassnahme sei. Mit der jüngsten Eskalation des Konfliktes, bei der Anfangs Monat drei pakistanische und zwei indische Soldaten ums Leben gekommen waren, stünden die Anweisungen in keinem Zusammenhang. «Das hat nichts mit irgendwas zu tun und sollte nicht mit irgendwas in Verbindung gebracht werden», wird der Sprecher in «Greater Kashmir» zitiert.

Sowohl Indien als auch Pakistan werfen sich gegenseitig Propaganda und Verletzung des 2003 geschlossenen Waffenstillstands in Kaschmir vor. So kommt es an der Demarkationslinie immer wieder zu Zwischenfällen, für die sich die Truppen beider Länder in der Regel gegenseitig verantwortlich machen. Soldaten wurden dabei bis jetzt aber kaum getötet.

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(gux)