Vater von Greenpeace-Weber

18. Dezember 2013 19:30; Akt: 19.12.2013 00:56 Print

«Marco ist es leid, herumzusitzen»

Das russische Parlament hat eine Amnestie beschlossen. Der Vater des Schweizer Greenpeace-Aktivisten Marco Weber freut sich, zweifelt aber an Marcos baldiger Rückkehr.

Eduard Weber, der Vater des Greenpeace-Aktivisten im Interview über die aktuelle Situation. (Quelle: Greenpeace)
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Nach dem Entscheid des russischen Parlaments dürfte der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber, der wegen «Rowdytums» verhaftet wurde, bald in die Schweiz zurückkehren. Sein Vater, Eduard Weber, freut sich nur bedingt über die Nachricht. «Das ist natürlich schön zu hören», sagt Weber. Der Entscheid sei ein nächster Schritt, aber «was dieser genau bedeutet, kann ich nicht sagen» - das könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand. «Denn offenbar haben sie ja ein paar Monate Zeit, um die Amnestie umzusetzen.»

Deshalb wagt er auch nicht recht, mit Marcos Rückkehr zu Weihnachten zu rechnen. «Ich hoffe es», sagt Weber. Vor allem würde er sich für seinen Sohn freuen, der es langsam «leid ist, dort herumzusitzen» und nichts tun zu können. Er sei Zimmermann und wolle arbeiten. «Schön wäre es auch, wenn es weitergehen würde, also die Bohrungen in der Arktis aufgeschoben würden», so Weber. Schliesslich sei Marco dafür nach Russland gereist.

25'000 Personen profitieren vom neuen Gesetz

Das russische Parlament hat das von Präsident Wladimir Putin veranlasste Gesetz am Mittwoch beschlossen. 25'000 Russen, darunter Minderjährige, Kranke, Veteranen, Schwangere und Frauen mit Kindern sollen von diesem Gesetz profitieren. Der angenommene Gesetzestext dehnt die Amnestie auf Menschen aus, die des «Rowdytums» verdächtigt werden. Freikommen sollen also durch die Amnestie auch die beiden zu zwei Jahren Straflager verurteilten Putin-Gegnerinnen des Künstlerinnenkollektivs Pussy Riot sowie die wegen Rowdytums angeklagten 30 Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace. Unter ihnen ist auch der Schweizer Marco Weber.

Behörden haben sechs Monate Zeit

Die Staatsduma nahm die Anordnung in dritter und letzter Lesung an. Nach der Veröffentlichung in der Regierungszeitung «Rossijskaja Gaseta» tritt das zustimmungspflichtige Dekret in Kraft. Die Behörden haben sechs Monate Zeit, um die Amnestie umzusetzen.

Von der Amnestie profitieren würde auch der Schweizer Marco Weber. Nach über zwei Monaten hinter Gittern wurde der Greenpeace-Aktivist gegen Kaution freigelassen. Aus Russland ausreisen darf er jedoch nicht – er hält sich seither in St. Petersburg auf.

«Arktis wird immer noch bedroht»

Marco Weber ist erleichtert, dass die Anklage gegen ihn fallen gelassen wird. Ganz glücklich ist er aber noch nicht: «Ich sehe noch keinen Grund zum Feiern. Die Arktis wird noch immer bedroht durch die Profitgier der Ölkonzerne. Sie ist auf unsere Hilfe angewiesen. Feiern können wir erst, wenn dieses einzigartige Ökosystem unter Schutz gestellt ist», sagte er in einer ersten Stellungnahme.

Peter Willcox, der Kapitän des Schiffes, sagte, er freue sich, vermutlich bald nach Hause zu seiner Familie reisen zu können. «Doch ich hätte niemals angeklagt und eingesperrt werden dürfen», kritisierte er.

Auch den beiden inhaftierten Mitgliedern der Punkband Pussy Riot, Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina, dürfte damit der Weg in die Freiheit offen stehen - beide haben kleine Kinder. Sie verbüssen derzeit eine zweijährige Haftstrafe wegen «Rowdytums aus religiösem Hass» nach einer spektakulären Protestaktion gegen Präsident Wladimir Putin in einer Moskauer Kathedrale 2012.

Tolokonnikowa schon am Donnerstag frei?

Pjotr Wersilow, Tolokonnikowas Ehemann, sagte der Nachrichtenagentur AP, er hoffe, dass das Gesetz durchgehe und die beiden Frauen bereits am Tag der Veröffentlichung des Textes - wahrscheinlich am Donnerstag - freikämen. «Es gibt nichts, was dies verhindern könnte», sagte er.

Das geplante Amnestiegesetz könnte ferner mindestens acht Angeklagte begünstigen, die im Zusammenhang mit Protesten auf dem Bolotnaja-Platz in Moskau 2012 festgenommen und später vor Gericht gestellt wurden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hanspeter Rüegg am 18.12.2013 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gejammer ist daneben

    Der Vater sagt: "Er sei Zimmermann und möchte arbeiten." Aber anscheinend hatte Marco W. vorher auch keine Lust zu arbeiten und ist stattdessen nach Russland gereist und hat dort erwiesenermassen gegen die russischen Gesetze verstossen. Also das Gejammer von Marco W. und dessen Vater ist völlig daneben.

    einklappen einklappen
  • Rolf Streuli am 18.12.2013 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Er sei Zimmermann und wolle arbeiten?

    Eine gute Idee, denn arbeiten ist immer gut. Jedenfalls besser als Schiffe zu kapern. Na ja, er hat jetzt wenigstens Zeit über seine Dummheit nachzudenken.

  • Franky am 18.12.2013 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    @Weber

    Er ist es Leid rumzusitzen? Warum Entert er auch eine Plattform, von den Russen? Tut mir leid Herr Weber, aber ich denke Ihr Sohn hat keine Ahnung was Konsequenzen sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter R am 19.12.2013 02:22 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld...

    Dieser Marco Weber tut mir überhaupt nicht leid, er ist für seine Situation voll-umfänglich selber verantwortlich. Wenn auch diese Greenpeace Aktivisten begreifen würden, dass sie nicht über den Gesetzen stehen, sondern dass die Gesetze der Länder, in denen sie illegale Aktivitäten betreiben, auch für sie gelten, wäre er nicht in dieser Lage. Man kann schliesslich auch Umweltschutz betreiben, ohne mit spektakulären Selbstprofilierungs-Aktionen gegen Gesetze zu verstossen. Warum hat er sich nicht vor dieser Aktion überlegt, dass er Zimmermann sei und arbeiten wolle?

  • baba am 18.12.2013 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ökoreligion

    Die Bilder von Wwf und co. sind alle gefaket. Glaubt solchen geldgierigen Konzernen nicht sondern informiert euch mit wahren Fakten. Man weiss besser anstatt zu Glauben.

  • manni am 18.12.2013 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    ja und?

    Es Intressiert nicht was M.W.'s Vater, Greenpeace, schweizer Medien oder irgendjemand anders denkt, sagt oder schreibt. Das einzige was zählt sind die Gesetze Russlands gegen die er verstossen hat. Es steht jedem frei Gesetze fremder Länder für sinnfrei zu halten, vor Ort hat man sich einfach daran zu halten, end of story.

  • Helene F. am 18.12.2013 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schurkenstaat

    Zum Glück gibts solche Leute wie Marco. Wir können froh sein das es solche Leute gibt. Russland, einer der grossen schurken Staaten soll endlich vorwärts machen. Unbescholtene Bürger einkerkern...unglaublich. Sofort Winter Olympiade Boykottieren.

  • Peter Gertscher am 18.12.2013 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gnade nach missbräuchlicher Verhaftung ?

    Das Greenpeace-Schiff wurde nachgewiesener massen in internationalen Gewässern entgegen dem international gültigen Seerecht aufgebracht, geentert und abgeschleppt. In Somalia nennt man das Piraterie! Und hier hat ein Diktator noch die Frechheit von "Gnade" zu sprechen?