Hollande bleibt Favorit

02. Mai 2012 16:04; Akt: 03.05.2012 08:54 Print

«Match nul» im TV-Duell

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat im TV-Duell von gestern Abend gegen François Hollande wenig gepunktet. Die Debatte wird als Unentschieden gewertet - das hilft dem Herausforderer.

Der grosse Showdown im TV-Studio: François Hollande und Nicolas Sarkozy kreuzen zum letzten Mal die Klinge. (Video: francetvinfo)
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Mit dem grossen TV-Duell zwischen Nicolas Sarkozy und François Hollande ist am Mittwochabend der französische Präsidentschaftswahlkampf in die Zielgerade eingebogen. In ihren Wortgefechten sparten die beiden Kandidaten nicht mit aggressiver Rhetorik.

Der Amtsinhaber Sarkozy versuchte mit Angriffen auf das Zahlenwerk im Wahlprogramm seines sozialistischen Herausforderers zu punkten. Hollande dagegen konterte mit dem Hinweis auf die Regierungsbilanz des um eine zweite Amtszeit kämpfenden Staatschefs: «Sie suchen permanent Sündenböcke, es ist nie Ihre Schuld», sagte Hollande, als Sarkozy auf die Krise verwies.

«Unsere Arbeitslosigkeit ist gestiegen, unsere Wettbewerbsfähigkeit ist gesunken und Deutschland hat es besser gemacht als wir», erklärte Hollande. Sarkozy erinnerte seinen Rivalen daraufhin daran, dass sich dessen Programm nicht am erfolgreichen Modell Deutschland orientiere. «Wettbewerbsfähigkeit ist das Schlüsselwort», betonte Sarkozy.

Haushaltsdefizit abbauen

Ein Topthema des Rededuells waren die Pläne der Kandidaten zum Abbau des französischen Haushaltsdefizits. Hollande will dazu unter anderem Spitzenverdiener deutlich höher belasten. Sarkozy plant, eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in der Verfassung zu verankern.

In der der Europapolitik will Hollande den mühsam ausgehandelten Fiskalpakt neu verhandeln und Ende 2012 die französischen Truppen aus Afghanistan abziehen. Sarkozy hält beide Vorschläge für unverantwortlich. Er hat aber ebenfalls angekündigt, den französischen Truppenabzug vorziehen zu wollen. Geplanter Termin ist Ende 2013.

Befreiungsschlag für Sarkozy blieb aus

Erste Analysen zum möglichen Einfluss des TV-Duells auf die Stimmung im Land wurden für Donnerstag erwartet. In beiden Lagern wurde die Rededebatte als mögliche Vorentscheidung im Rennen um die nächste Präsidentschaft gewertet.

Das Verdikt der grossen französischen Tageszeitungen fällt indes klar aus: «Hollande préside le débat» (Hollande dominiert die Debatte) titelt die links-gerichtete «Libération» am Donnerstag mit einem Wortspiel. Der Sarkozy-nahe «Figaro» hingegen macht mit einem neutralen «Haute Tension» (Hochspannung) auf. Mit anderen Worten: Dem Amtsinhaber ist es in der TV-Debatte nicht gelungen, gegen seinen sozialistischen Herausforderer Terrain gutzumachen. «Le Monde» kommentiert noch in der Nacht, Hollande sei in der Favoritenrolle in die Debatte gestartet und konnte diese verteidigen.

Stichwahl am Sonntag

In Umfragen lag Hollande bis zuletzt klar vor Sarkozy. Etliche Wähler gaben aber an, noch unentschlossen zu sein. Meinungsforscher hatten Hollande am Mittwoch bei 53,5 bis 54 Prozent gesehen, Sarkozy bei nur 46 bis 46,5 Prozent.

In der zweiten Runde der französischen Präsidentenwahl sind an diesem Wochenende rund 46 Millionen Franzosen aufgerufen, das Staatsoberhaupt für die kommenden fünf Jahre zu wählen. Sollte Hollande gewinnen, käme 17 Jahre nach dem Ende der Amtszeit von François Mitterrand erstmals wieder ein Sozialist an die Macht.

Hier können Sie das gesamte TV-Duell in unserem Ticker noch einmal Revue passieren lassen.

(kri/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Politicus am 03.05.2012 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hollande wäre katastrophal

    Ich habe die Debatte nicht gesehen, aber einiges über Hollande gelesen. Er ist ein klassischer Sozialist und wäre für Frankreich derzeit meiner Meinung nach eine Katastrophe. Als Geldquelle für seinen überdimensionierten Staatsapparat sieht er die Schröpfung der Reichen. Dieser Plan wird jedoch nicht aufgehen, wenn ihm genau diese, sowie die grossen Firmen ins Ausland abwandern. Für uns wäre das vielleicht nicht schlecht, da bestimmt ein grosser Teil dieser Leute in die Schweiz kommen würde. Für Frankreich würde dieser Weg aber nur in den Abgrund führen.

  • Peter Silie am 03.05.2012 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Frankreich und Hollande?

    Gute Nacht EU, gute Nacht Euro! Wenn ein Sozialist ein Land geführt hat, hat er es noch immer in den Ruin geführt! Egal welches Land. Selbst Venezuela geht bald vor die Hunde - dies trotz der massiven Erdöl Reserven.

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  • Sepp Herisau am 02.05.2012 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pech und Schwefel

    Eine Wahl zwischen Pech und Schwefel! Armes Frankreich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zürcher Zeit am 04.05.2012 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    NEUES SPANIEN

    Wir können nur hoffen, dass Sarkosi gewinnt! Wenn Hollande die Macht in Frankreich übernimmt, dann wird die Schweiz erneut für Steuerentzug angegriffen. Dies geht sehr klar von einigen sehr aggressiven Deklarationen von Sozilistenanhänger hervor. Montebourg hat auch die Schweiz mit seiner Arroganten und höchst degradierende Worte klargemacht.

  • Zuggi F am 04.05.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    FRANKREICH = SPANIEN = GRIECHENLAND

    Hollande verspricht den Franzosen mit Populistische unrealisierbare Schlagwörter die er auf keiner Weise halten kann. Er redet um den Brei herum und weicht allen wichtigen Argumenten aus! Die Zukunft in Frankreich nähert sich mehr und mehr an Spanien/Griechenland. Sarkosi war im Amt und kennt daher die Zusammenhänge in Frankreich und der EU. Holland hat ja nie einen politischen Posten gehabt. Daher war es einfach für ihn Sarkosi anzugreifen. Glaube nicht dass Hollande mit seiner Einstellung und oberflächliche Vorschlägen Frankreich aus dem Schlamassel rausholen kann.

  • Peter Silie am 03.05.2012 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Frankreich und Hollande?

    Gute Nacht EU, gute Nacht Euro! Wenn ein Sozialist ein Land geführt hat, hat er es noch immer in den Ruin geführt! Egal welches Land. Selbst Venezuela geht bald vor die Hunde - dies trotz der massiven Erdöl Reserven.

    • Hanspi am 04.05.2012 10:42 Report Diesen Beitrag melden

      Weltbild

      Genau das beste Beispiel ist doch China! Und wunderbar wie der rechte Bush Amerika aus der Misere gerissen hat. Ist halt schon praktisch wenn man so ein einfaches Weltbild hat.

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  • Christian am 03.05.2012 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Mir graust es!

    Ohne Sarkozy wäre Frankreich auch bankrott und der Euro am Ende! Die hohen Zinsen sind die Schuld der Banken wegen der Finanzkrise, aber die Staaten haben die Schulden - die sie jetzt nicht mehr bezahlen können - ganz allein gemacht. Mehr Staat = mehr Staatsausgaben = Ende Euro.

  • Werner K. am 03.05.2012 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Lerne von der NZZ

    Schon eine merkwürdige (linke) Meinung; «hat aber keinen Sieger hervorgebracht» Hätten sie wohl gerne, der nervöse Hollande versuchte mit permantem Dreinreden den souveränen Sarko zu verunsichern - er entlarvte aber nur sich selber!