«Washington Post»

20. Februar 2019 15:06; Akt: 21.02.2019 14:25 Print

Teenager verklagt Zeitung auf 250 Mio Dollar

Das Video eines jungen Trump-Anhängers, der auf einen Ureinwohner trifft, beschäftigte die Medienwelt. Jetzt hat die Berichterstattung ein juristisches Nachspiel.

In Washington scheinen sich Jugendliche über einen Ureinwohner lustig zu machen. Das Video der Aktion löste international Empörung aus. (Video: Storyful)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Highschool-Schüler Nick Sandmann soll sich gegenüber einem amerikanischen Ureinwohner respektlos verhalten haben. Ein Video aus Washington, das eine spezielle Begegnung zwischen dem jungen und dem älteren Mann zeigt, hat in den USA eine Welle der Entrüstung ausgelöst.

Im Film ist zu sehen, wie der Teenager am Rand des Indigenous Peoples March einen Ureinwohner mit einem Grinsen im Gesicht minutenlang anstarrt, während dieser auf seine Trommel schlägt und dazu singt. Die Aufnahmen verbreiteten sich auf Social Media wie ein Lauffeuer und die Wut über die angebliche Provokation des Jugendlichen gegenüber dem Stammesmitglied beschäftigte bald auch internationale Medien.

Aktivisten, Schüler, Ureinwohner

Doch was war passiert? Dutzende Schüler der Covington Catholic High School aus Park Hills im US-Staat Kentucky, darunter auch Sandmann, waren vergangenen Freitag für eine Anti-Abtreibungs-Demo in die US-Hauptstadt gereist. Beim Lincoln Memorial trafen die Teenager – einige von ihnen trugen wie Sandmann rote Caps mit dem Wahlkampfslogan von US-Präsident Donald Trump «Make America Great Again» – auf Aktivisten für die Rechte von Ureinwohnern sowie auf Prediger der Schwarzen Hebräer (Black Hebrew Israelites), eine religiöse afroamerikanische Splittergruppe. Diese sollen die Schüler und die Schaulustigen beschimpft haben – die Situation drohte zu eskalieren.

Der 64-jährige Nathan Philipps, ein Mitglied des Omaha-Stamms, ging auf die Schüler zu und stand schliesslich direkt vor Sandmann. In dem Moment entstand das Video, das seither international für Empörung sorgt.

Familie Sandmann bekam Morddrohungen

Nick Sandmann litt unter den öffentlichen Anschuldigungen. Seine Familie und er selbst hätten sogar Morddrohungen via Social Media erhalten. «Eine Person drohte, mir in der Schule ein Leid anzutun, eine andere sagte, sie wohne in meiner Nachbarschaft.» Der Schüler stellte klar, Philipps nicht respektlos behandelt zu haben. «Der Mann mit der Trommel kam auf mich zu. Er schaute mir direkt in die Augen und stellte sich wenige Zentimeter vor mir auf. Während er mir gegenüberstand, spielte er die ganze Zeit auf seiner Trommel. Ich habe nie mit ihm interagiert. Ich habe nicht mit ihm gesprochen, ich habe keine Handgesten oder aggressive Bewegungen gemacht. Um ehrlich zu sein, war ich ganz baff und verwirrt darüber, weshalb er sich mir genähert hatte», erklärte Sandmann in einer Mitteilung. Gelächelt habe er nur, um zu zeigen, dass von seiner Seite keine Aggression ausgehe.

Weitere Videos, die später auftauchten, zeigen, dass sich Sandmann zu Recht gewehrt hat. Ab Minute 1:40 im Video unten ist zu sehen, wie Mitglieder der «Black Hebrew Israelites» die Schüler beschimpfen. «Ihr seid eine Bande künftiger Amokläufer» und «eine Bande von Babys, die aus Inzest entstanden», schreit einer der Männer den Teenagern zu.


Voreingenommene Anti-Trump-Agenda?

Die Geschichte, die von der «Washington Post» lanciert wurde, hat sich also anders abgespielt. Wie die Traditionszeitung am Dienstag berichtete, will die Familie des 16-Jährigen wegen Verleumdung auf 250 Millionen Dollar Schadenersatz klagen. Die «Post» habe eine voreingenommene Agenda gegen Trump betrieben und so grundlegende journalistische Standards ignoriert.

Die «Washington Post» will die Klage nun prüfen.

(kle)