Ägypten

12. Februar 2011 13:04; Akt: 12.02.2011 13:13 Print

«Mubaraks Pudel» lenkt Ägyptens Geschicke

Er war bekannt als «Mubaraks Pudel», doch nach dem Rücktritt von Ägyptens Staatschef ist Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi der neue starke Mann im Land.

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19. März: Die Bürgerinnen und Bürger Ägyptens stimmen über Verfassungsänderungen ab, die Parlaments- und Präsidentenwahlen ermöglichen sollen. Die Abstimmung stösst nicht bei allen auf Zustimmung: Ein Jugendlicher protestiert dagegen auf dem Tahrir-Platz, 18. März 2011. 15. Februar: Ein Kommitee wird mit der Erarbeitung der neuen Verfassung beauftragt. Sie soll den Weg für Wahlen frei machen. 14. Februar 2011: Ein Vertreter des Obersten Militärrats ruft die Ägypter dazu auf, die Arbeit wieder aufzunehmen und zum Alltag zurückzukehren. 12. Februar 2011: Am Tag nach dem Rücktritt von Hosni Mubarak feiern die Demonstranten ihren Sieg. Auf den Strassen Kairos zelebrieren die Menschen die neue Ära. Demonstranten räumen den Tahrir-Platz in Kairo, wo sie während 18 Tagen für mehr Demokratie gekämpft hatten. An einem Stein legen die Demonstranten Blumen nieder – in Erinnerung an den Sieg der Strasse. Grenzenloser Jubel am 11. Februar 2011 auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Die Demonstranten feiern Mubaraks Rücktritt nach zweieinhalb Wochen langen Protesten in Ägypten. Menschen brechen in Tränen aus. Wildfremde Menschen umarmen sich auf der Strasse in Kairo. Hupkonzerte auf den Strassen Kairos. Der Aufstand hat Wirkung gezeigt: Der verhasste Tyrann ist weg. Ein Kind küsst einen Soldaten: Offiziell hat jetzt ... ... die Armee die Macht über das Land. Tahrir-Platz am 11. Februar: Ein historischer Tag für Ägypten. Die Ägypter und Ägypterinnen im Freudentaumel. Auf dem zentralen Tahrir-Platz, seit Beginn der Proteste am 25. Januar das Herz des Volksaufstands, tanzten und hüpften hunderttausende Regimegegner unter ägyptischen Fahnen, wie Augenzeugen berichteten. Ausserhalb des Präsidentenpalasts in Kairo. Die Ägypter lassen ihrer freude freien Lauf.

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Der Marschall leitet den mächtigen Militärrat, der nach Hosni Mubaraks Sturz bis auf Weiteres die Macht in Ägypten ausübt. Der 75- Jährige war ein enger Vertrauter des gestürzten Präsidenten und ist nicht gerade als aufgeschlossener Modernisierer bekannt.

Allerdings hat die mächtige Armee versprochen, freie und faire Präsidentschaftswahlen zu garantieren und den Willen des Volkes zu achten.

Tantawi ist seit 20 Jahren ägyptischer Verteidigungsminister. Als Heeresoffizier stand er schon während der Suez-Krise 1956, während des Sechs-Tage-Krieges 1967 sowie im Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 in den Reihen des Militärs. Als Vorsitzender des Militärrats, dem die Spitzen der Armee angehören, lenkt er nun vorläufig die Geschicke des Landes.

«Mubaraks Pudel»

In einer von Wikileaks veröffentlichten US-Diplomatendepesche von 2008 wird der asketisch wirkenden Tantawi als «charmant und taktvoll», aber auch als «alt und dem Wandel abgeneigt» beschrieben.

«Mubarak und er konzentrieren sich auf die Stabilität des Regimes und den Erhalt des Status quo bis zum Ende ihrer Tage», heisst es in dem Dokument weiter. Tantawi habe wie der damalige Präsident «einfach nicht die Energie, die Neigung oder die Weltsicht, um die Dinge anders zu machen».

In den Reihen der Armee wurde Tantawi wegen seiner Treue zum Präsidenten laut Medienberichten auch «Mubaraks Pudel» genannt.

Soldaten stehen hinter dem Volk

Die zahlreichen Regierungskritiker, die mit ihren Massenprotesten Mubaraks Abgang erreichten, dürften aber auch Tantawi zwingen, sich mit ihrem Wunsch nach einem Wandel auseinanderzusetzen. Ausserdem scheinen weite Teile der Armee, der knapp 470 000 aktive Soldaten und 480 000 Reservisten angehören, hinter den Forderungen des Volkes zu stehen.

Während der Proteste hatte sie sich zwischen prügelnde Mubarak- Anhänger und Regierungskritiker gestellt und die Forderungen der oppositionellen Demonstranten als «legitim» bezeichnet. Am Tag von Mubaraks Abgang erklärte Tantawi, die Armee werde den «Willen des Volkes» achten.

Enger Draht zu den USA

Tantawi dabei auf die Finger schauen und den zugesagten Wandel einfordern, könnten auch die USA, die die ägyptische Armee seit Jahrzehnten massiv unterstützen. Washington greift dem Militär am Nil derzeit mit 1,3 Milliarden Dollar pro Jahr unter die Arme.

Bei seiner neuen Aufgabe kann Tantawi von dem grossen Ansehen der Armee im Volk profitieren. Als er am Freitag nach Mubaraks Rücktritt in der Nähe des Präsidentenpalastes an einer feiernden Menschenmenge vorbeifuhr, wurde er freudig begrüsst.

Nun muss sich zeigen, ob Tantawi den Hoffnungen des Volkes gerecht wird und sich auf seine alten Tage doch noch auf tiefgreifende Veränderungen einlässt.

(sda)