70. Jahrestag

01. Oktober 2019 05:18; Akt: 01.10.2019 13:16 Print

Polizist schiesst Demonstrant in die Brust

Anlässlich des 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China kam es in Hongkong erneut zu Protesten.

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In Peking haben die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China begonnen. Der Jahrestag wird in Peking mit einer riesigen Militärparade begangen. Gleichzeitig protestieren Zehntausende Hongkonger. Es kam zu Ausschreitungen.

Gleich zum Auftakt sagte Staatschef Xi Jinping am Dienstag in einer Rede am Tiananmen-Platz, niemand könne «das chinesische Volk und die chinesische Nation auf ihrem Weg nach vorn stoppen». «Keine Kraft kann die Grundfeste dieser grossartigen Nation erschüttern», betonte er. Xi Jinping rief zur Einigkeit auf und versprach dem Milliardenvolk «noch mehr Wohlstand».

Die Feierlichkeiten starteten am Dienstagmorgen mit 70 Salutschüssen am Tiananmen-Platz. Zu der riesigen Militärparade am Platz des Himmlischen Friedens in Peking marschierten 15'000 Soldaten auf. Auch wurden 580 Panzer, andere Waffensysteme und nuklear bestückbare Interkontinentalraketen auf der Strasse des Ewigen Friedens aufgefahren. Mit der Militärschau will die kommunistische Führung nach Einschätzung von Experten militärische Stärke, ihren absoluten Machtanspruch und internationalen Gestaltungswillen demonstrieren.

Mehrere Dong Feng 41 wurden von Lastwagen des Militärs über den Platz des Himmlischen Friedens gefahren. (1. Oktober 2019) Foto: Thomas Peter/Reuters

Xi Jinping, der nach einer Verfassungsänderung auf Lebenszeit im Amt bleiben kann, wurde am Nationalfeiertag als unangefochtener Führer des Milliardenvolkes gefeiert. Die Parade war von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Strassenzüge und Stadtviertel waren abgeriegelt. Nur geladene Gäste wurden nach strengen Sicherheitskontrollen zugelassen.

In Hongkong versuchte die Polizei derweil, mit einem Grossaufgebot neue Proteste zu unterbinden. Die Polizei der chinesischen Sonderverwaltungszone führte am Dienstag zahlreiche Sicherheitskontrollen auf Strassen und im öffentlichen Nahverkehr durch. Zwei U-Bahn-Stationen nahe Regierungsgebäuden blieben geschlossen.

Aus Sicherheitsgründen wohnten Regierungsvertreter von Hongkong am Dienstagmorgen einer feierlichen Zeremonie in einem Messezentrum bei. Üblicherweise fanden diese Zeremonien im Freien statt. Der Nationalfeiertag wurde abgeriegelt von der Öffentlichkeit begangen.

Der chinesische Präsident Xi Jinping liess sich als unangefochtener Führer des Milliardenvolkes feiern. (1. Oktober 2019) Foto: Thomas Peter/Reuters

Im Messezentrum verfolgten geladene Gäste eine Flaggenzeremonie, die per Live-Stream übertragen wurde. Zwei Helikopter mit einer grossen chinesischen und einer kleineren Hongkonger Fahne flogen über den Hafen der früheren britischen Kronkolonie. Aus Angst vor Ausschreitungen waren Strassen gesperrt und U-Bahn-Stationen geschlossen.

Trotz des Verbots gingen Zehntausende Menschen für Demokratie und Menschenrechte auf die Strasse. «Freiheit für Hongkong» und «Hongkong gib Gas» riefen zumeist schwarz gekleideten Demonstranten bei einem grossen Protestmarsch im Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungszone und stimmten die Hymne der Protestbewegung an. Auch an anderen Orten in der Millionenstadt kamen zeitgleich Demonstranten zu Protestaktionen zusammen.

Dabei kam es erneut zu Zusammenstössen radikaler Demonstranten mit der Polizei. Aktivisten blockierten Strassen und legten Feuer, worauf die Beamten mit Tränengas reagierten. Wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» berichtete, gaben Polizisten zudem mindestens fünf scharfe Pistolenschüsse ab. Demnach wurde ein Mann im Stadtteil Tsuen Wan an der Brust getroffen.

Die Demonstranten in Hongkong halten anlässlich des chinesischen Jubiläums einen «Tag der Trauer» ab. (1. Oktober 2019) Foto: Susana Vera/Reuters

Die Demonstranten fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei den seit fünf Monaten andauernden Protesten, eine Amnestierung der mehr als 1500 bisher Festgenommenen, eine Rücknahme der Einstufung ihrer Proteste als «Aufruhr» sowie freie Wahlen.

«Wir kämpfen für Freiheit und Demokratie», sagte ein Demonstrant namens Ramon, der sich an dem Marsch durch die Stadt beteiligte. Die Kommunistische Partei gewähre den Menschen keine freien Wahlen, zudem würden Versammlungsfreiheit und Redefreiheit immer weiter eingeschränkt.

Bei Protesten am Wochenende war es in Hongkong wieder zu schweren Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, geniessen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau53 am 01.10.2019 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    China heute

    Noch nie war die rote Gefahr für die Welt so gross wie heute. China überwacht alles und jeden unter dem Deckmantel wirtschaftlichen Wachstums und Freiheit. Manipulation des eigenen Volkes und der restlichen Welt. So bleibt die siebzig Jahr Feier ein Hohn. Nur was die Parteispitze verkörpert zählt, andere Meinungen werden bis heute zerschlagen, Waffen gegen die eigenen Bürger gerichtet. Die Welt tut sich gut daran, mit beiden Augen auf China zu blicken. Wenn jemand ein solches Sicherheitsaufgebot für eine Staatsfeier benötigt, kann etwas nicht stimmen.

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  • Typhoeus am 01.10.2019 05:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und auf dem Land

    hungern die einfachen Leute.

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  • Typhoeus am 01.10.2019 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glanz und Gloria

    hatten noch nie Bestand in der Vergangenheit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul S. am 09.10.2019 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    @Frau53 Es gibt auch noch die Wahrheit.

    @Frau53 Den Chinesen stört es aber überhaupt und gar nicht. Sie geniesen das gute Leben, das sie verdient haben und das China sein Volk gegeben hat. Gehen Sie doch mal nach China und sehen Sie es mit eigenen Augen an. Man kann China's Erfolg nicht einfach mit ein paar Sätzen beschreiben. Wenn Sie aber lieber an den negativen Schlagzeilen, die die USA ständig verbreiten, festhalten wollen, dann bleiben Sie besser hier. China wäre nichts für Sie.

  • Wüerklech? am 09.10.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral oder Meinungsfreiheit?

    @Lilith Sie bestimmen, was Gut und Böse ist. Das ist Ihre Freiheit. Dann lassen Sie aber bitte andere das Gleiche tun! Jeder, und zwar jeder, kann hier seine Meinung zum Ausdruck bringen, wenn die Meinungsfreiheit für Sie auch WIRKLICH SO GEMEINT ist! ...? Sonst müssten Sie es umbenennen oder stattdessen DOPPELMORAL schreiben.

  • Beat A. am 03.10.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    DOPPEL? Passt perfekt!

    @Peter Kunz Von der Mehrheit, die jetzt von der Minderheit belästig und von der aggressiven Minderheit in Gefahr gebracht werden, sprechen wir wieder mal nichts. Die Mehrheit, die friedlich und keine aggressiven oder gar keine Aktionen vornehmen und jetzt auf der Seite stehen, passt dem Westen wahrscheinlich nicht. Das ist für unsere MORAL zu einfach, nicht wahr? Wir hätte sie ja gerne verdoppelt. Das sind die sogenannte Werte der Demokratie. Sehr schön! Das passt!

  • Glückskekse sind ausverkauft am 02.10.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück haben wir Experten

    Tolle Experten Runde mit Schweizern, welche noch nie in China waren, kein Wort Chinesisch sprechen, noch nie ein Geschichtsbuch in Händen hielten, null Ahnung von Kultur und Mentalität Chinas (Asiens) haben, sich nicht mit den Hintergründen der Weltpolitik befassen. Aber poltern über Menschenrechte, fairen Handel (ha ha) und Tierquälerei.

    • Mark Müller am 02.10.2019 15:58 Report Diesen Beitrag melden

      gesteuerte Lemminge

      Viele Kommentatoren haben ja nicht einmal eine eigenen Meinung, wiederholen die täglichen Lügen der Presse. Aus Völkerrechtswidrigen Angriffs Kriegen gegen Korea, Vietnam, Irak, Afganistan, Serbien, Lybien werden "Befreiungen, Arab. Frühling oder sich nur verteitigt zu haben, klappt ja seit 100 Jahren.

    • Lafayette am 02.10.2019 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Glückskekse sind ausverkauft

      Und wer bist du genau, um hier grosse Töne zu spucken? Übrigens, Asien ist nicht einfach gleich Asien. Frag doch mal die Taiwanesen, was sie über die VR China denken!

    • Adrian S. am 03.10.2019 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Etwa wegen Rede- und Meinungsfreiheit???

      @Lafayette Also es ist ja mehr als bekannt, dass es in unseren Medien nur über die eine Seite berichtet und von der andere Seite NIX wissen wollen, Lafayette. Dann sprechen wir mal doch über die Chinesen aus dem Provinz Taiwan. Mindestens die Hälfte hat gar nichts gegen China. Die gut ausgebildeten Jugendlichen suchen Ihre Zukunft in China. Taiwan selbst beklagt, dass massenhaft Talente die Insel Richtung China verlassen. Wurde so etwas jemals im Westen berichtet? Nein!!! Warum nicht??? Das ist einseitig! Das ist Doppelmoral! Warum soll Glückskekse hier keinen Ton machen dürfen??????

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  • Ein Sprichwort sagt am 02.10.2019 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit heilt alle Wunden

    Im Post-Kolonialismus und der Zeit nach dem Ende der Monarchien (Brit. Empire, Russisches Zarenreich, Kaiser in China) beschlossen die Freimaurer Illuminati: Die Völker Chinas und Russlands in Quarantäne zu schicken, um sie aus dem Mittelalter in die Gegenwart zu führen. Gleichzeitig konnte man Feldversuche zum One-World Staat basierend auf Totalitarismus und Monopolismus durchführen.

    • melanchon am 02.10.2019 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Schweigen

      Das andere Sprichwort sagt: Der Weise schweigt.

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