Barack Obama

08. Januar 2016 04:23; Akt: 08.01.2016 04:59 Print

«Niemand will euch alle eure Waffen wegnehmen»

Präsident Barack Obama hat auf einem Forum für schärfere Waffengesetze geworben. Seine Gegner blieben der Diskussion fern – sie schiessen lieber via Twitter zurück.

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Hat eine klare Meinung: US-Präsident Barack Obama beantwortet bei dem Townhall-Meeting in einer Universität in Fairfax Fragen zum geplanten Waffengesetz. Der Sender CNN hat die Diskussion live übertragen. (Bild: Keystone/AP/Pablo Martinez Monsivais)

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Der US-Präsident Barack Obama will den Waffenmissbrauch und Massenschiessereien in seinem Land eindämmen. Auf einem Forum nimmt er sich die mächtige Waffenlobby vor und hat für seine schärferen Waffenkontrollen geworben und gleichzeitig der mächtigen Waffenlobby die Erfindung von Geschichten vorgeworfen. «Die (Nationale Gewehr-Vereinigung) NRA hat viele seiner Mitglieder überzeugt, dass jemand eure Waffen wegnehmen will», sagte Obama bei dem Townhall-Meeting in einer Universität in Fairfax. Diese Rhetorik sei übertrieben, verdrehe die nationale Debatte über Waffengewalt und diene nur dem weiteren Verkauf von Waffen.

Das Forum wurde zur besten Sendezeit live von CNN übertragen. Obama stellte dabei klar, dass die Bundesbehörden und er selbst keineswegs alle Waffen beschlagnehmen wollten. Er unterstütze das Verfassungsrecht von US-Bürgern, Waffen besitzen zu dürfen. Dieses sei vereinbar mit seinen Bemühungen darum, Waffengewalt und Massenschiessereien einzudämmen.

«PR-Spektakel des Weissen Hauses»

Obama machte klar, er sei gewillt, sich mit der NRA zu treffen, sollte diese die Fakten anerkennen. Die Vereinigung sei auch zu dem Forum eingeladen gewesen, habe sich aber geweigert, daran teilzunehmen. Mehrere NRA-Mitglieder sassen allerdings im Publikum. NRA-Sprecher Andrew Arulanandam sagte vor der Veranstaltung, die Gruppe sehe keinen Anlass dafür, an «einem PR-Spektakel des Weissen Hauses» teilzunehmen. Stattdessen konterte die Vereinigung auf Twitter. «Keine von den Anordnungen des Präsidenten hätte irgendeine der jüngsten Massenschiessereien gestoppt», hiess es in einem Tweet.

Waffenbesitz ist in den USA Grundrecht

Obamas Breitseite gegen die NRA kommt zwei Tage nach der Bekanntgabe eines Massnahmenpaketes, mit dem er Waffen von Personen fernhalten will, die nicht im Besitz von solchen sein sollten. Obamas strengere Regeln sehen vor, dass Verkäufer und Käufer von Waffen künftig stärker überprüft werden sollen. Sämtliche Verkäufer - auch auf Waffen-Shows, Flohmärkten und im Internet - müssen sich offiziell als Händler registrieren lassen. Das FBI soll 230 weitere Ermittler einstellen.

Kritiker führen an, er übergehe mit seinem Vorgehen den US-Kongress und nehme mit solchen Richtlinien den Staatsbürgern ein im Zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung verankertes Grundrecht. In diesem ist verankert, dass Amerikaner Waffen besitzen dürfen. Vor dem Forum hatte Obama in einem Beitrag der «New York Times» geschrieben, er werde hinsichtlich der Wahl seines Nachfolgers im November 2016 keinen Bewerber unterstützen, der sich nicht für eine Waffenreform ausspreche - selbst wenn es ein Demokrat sei. 90 Prozent aller US-Bürger seien für solch eine Überarbeitung der Gesetze. Alle Kandidaten seiner Demokratischen Partei unterstützen striktere Waffengesetze. Obamas Worte könnten deshalb eher auf demokratische Kongresskandidaten in umkämpften US-Staaten abzielen, die um seine Unterstützung im Wahlkampf buhlen könnten.

(afo/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wydy am 08.01.2016 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    PR Spektakel

    Wieso sollte Obama ein PR Spektakel veranstalten. Seine zweite Amtszeit ist durch, er kann nicht wiedergewählt werden. Ebenfalls hat er für keinen Kandidaten Werbung betrieben. Das ist nur eine faule Ausrede der Waffenloby, da sie in der Debatte keine stichhaltigen Argumente hätten. Auch der Satz: "Keine von den Anordnungen des Präsidenten hätte irgendeine der jüngsten Massenschiessereien gestoppt" ist nicht stichhaltig beweisbar. Der Lobbyismus ist einfach zu gross in USA und wir müssen in der Schweiz aufpassen, dass wir nicht irgendwann in dieselben Probleme laufen. Stichwort Parteispenden

  • Marco am 08.01.2016 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin etwas geschockt

    Als Waffenbesitzer unterstütze ich diesen Verfassungsartikel der Amis. Ich bin aber nun doch etwas geschockt, dass man diese "Shotgun gegen Bankkonto" Deals ohne Lizenz aufziehen konnte und entsprechend ohne Backgroundchecks. Die Massnahmen, die er hier einführen will (soweit ich gehört habe), sind für mich absolut sinnvoll. Ganz besonders toll finde ich, dass er gleichzeitig auch Geld für die psychiatrische Betreuung locker machen will. Der Oklahoma City Bomber hat schliesslich auch Kunstdünger benutzt und keine Feuerwaffen. Man kann auch ohne Feuerwaffen Menschen töten.

  • Peter am 08.01.2016 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand ist nicht Keiner

    Niemand hat vor eine Mauer zu bauen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Kummerer am 08.01.2016 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso ist NRA derart stark in den USA?

    Mir ist kein anderes Land bekannt, wo eine Gewehr-Vereinigung derart grossen Einfluss auf politische Entscheide hat. Kann jemand erklären, wie es dazu kam und warum die stur an ihrer Doktrin "Nicht Waffen töten Menschen, Menschen töten Menschen" festhalten? So uneinsichtig kann doch niemand sein?

    • Cartman1993 am 08.01.2016 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Kummerer

      Das kommt wahrscheinlich zum einen vom 2. Zusatzartikel der Bill of Rights und einem in bestimmten Teilen der USA verbreiteten Freiheitsgedanken oder Patriotismus und zum Anderen weil die Waffenindustrie in den USA in Strutkur armen Regionen Arbeitsplätze schaftt und so die Senatoren ein Intresse daran haben, dass diese Fabriken weiter existieren.

    • Blond, Bad & Ugly am 08.01.2016 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Kummerer 

      Das geht, wenn WAffen Teil der Kultur sind...

    einklappen einklappen
  • Sybille am 08.01.2016 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schärferes Waffengesetz unumgänglich

    Hoffentlich schafft es Obama, das strengere Waffengesetz durchzubringen. Die tägliche Schiesserei in diesem Land muss endlich eingeschränkt werden, das sollten auch die Republikaner einsehen.

  • Peter am 08.01.2016 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand ist nicht Keiner

    Niemand hat vor eine Mauer zu bauen.

  • The Dude am 08.01.2016 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehret den Anfängen

    Jaja mit leichten Verschärfungen anfangen und immer strenger werden. Immer schön Steuern bezahlen darf man aber sein eigenes Leben verteidigen ist zu viel verlangt. Traurige Welt!

    • Cartman1993 am 08.01.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @The Dude

      Der 2. Verfassungszusatz ist komplet sinnlos. Er machte Sinn als die USA noch Gefahr lief wieder eine Kolonie der Briten zu werden und als die Staatsmacht noch nicht da war, aber heute ist er sinnlos und bringt (aus meiner Sicht) mehr Probleme als das er welche beseitigt

    einklappen einklappen
  • Marco am 08.01.2016 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin etwas geschockt

    Als Waffenbesitzer unterstütze ich diesen Verfassungsartikel der Amis. Ich bin aber nun doch etwas geschockt, dass man diese "Shotgun gegen Bankkonto" Deals ohne Lizenz aufziehen konnte und entsprechend ohne Backgroundchecks. Die Massnahmen, die er hier einführen will (soweit ich gehört habe), sind für mich absolut sinnvoll. Ganz besonders toll finde ich, dass er gleichzeitig auch Geld für die psychiatrische Betreuung locker machen will. Der Oklahoma City Bomber hat schliesslich auch Kunstdünger benutzt und keine Feuerwaffen. Man kann auch ohne Feuerwaffen Menschen töten.