Rettungsflugzeug festgesetzt

04. Juli 2018 12:27; Akt: 04.07.2018 14:47 Print

«Offensichtlich soll es keine Zeugen geben»

Das Flugzeug der Hilfsorganisation Sea-Watch bekommt von Malta ein Flugverbot. Den Behörden wird vorgeworfen, den Tod der Menschen in Kauf zu nehmen.

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Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch rettet seit Monaten Flüchtlinge, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten. Sie sind mit dem Flugzeug Moonbird und dem Schiff Sea Watch 3 vor der libyschen Küste unterwegs. Doch jetzt haben die Behörden von Malta sämtliche Flüge in das Rettungsgebiet gestrichen.


Sea-Watch teilt am Mittwoch mit: «Das zivile Aufklärungsflugzeug wurde auf Malta festgesetzt.» Das Flugzeug werde gemeinsam mit der Schweizer Humanitären Piloteninitiative (HPI) betrieben. 2017 sei es an der Rettung von 20'000 Menschen beteiligt gewesen.

«Menschen werden nicht gerettet»

Der Schweizer Fabio Zgraggen gründete die HPI. «Den politisch Verantwortlichen sollte klar sein, was dieses Flugverbot bedeutet: Die Menschen auf den Booten werden nicht gerettet, sondern ertrinken ungesehen», sagt der Pilot. Er erinnert sich, dass sich bereits mehr als drei Bootsunglücke ereignet haben, seit Malta zivile Rettungsschiffe am Auslaufen hindert.

Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben seit dem 19. Juni insgesamt 483 Menschen im Mittelmeer.

Der Einsatzleiter der Moonbird, Ruben Neugebauer, verurteilt die Entscheidung der maltesischen Regierung: «Ganz offensichtlich soll es keine unabhängigen Augenzeugen geben, die das Sterben und die Menschenrechtsverstösse auf dem Mittelmeer dokumentieren.» Der Tod der Menschen werde in Kauf genommen.

Zwei weitere Rettungsschiffe festgesetzt

Am Montag haben die maltesischen Behörden bereits das Rettungsschiff Sea Watch 3 festgesetzt. Pia Klemp, Kapitänin des Schiffs, sagte: «Während wir daran gehindert werden, den Hafen zu verlassen, ertrinken Menschen, das ist absolut inakzeptabel.»

Momentan darf auch das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline nicht auslaufen. Die Ermittlungen gegen den Kapitän des Schiffes Lifeline sind im Gang. Es wird ihm vorgeworfen, er sei ohne Registrierung in maltesische Gewässer gefahren.

(sil)