Erdogan

19. Februar 2020 12:22; Akt: 19.02.2020 12:24 Print

«Offensive in Syrien ist nur eine Frage der Zeit»

Die Türkei und Russland konnten sich bisher nicht auf einen Waffenstillstand in Syrien einigen. Erdogan gibt der syrischen Regierung nun noch ein paar Tage Zeit.

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Ein Bild aus lang vergangener Zeit: Der türkische Präsident Erdogan und der syrische Machthaber Assad begrüssen sich am 17. Januar 2011 in Damaskus. Nach zehn Jahren Syrienkrieg liegt der Fokus auf der Provinz Idlib. Dort rückt die Armee von Bashar al-Assad mit Unterstützung von Russland gegen die Rebellen vor. Die Türkei unterstützt in Idlib hingegen Rebellengruppen, die gegen Assads Soldaten kämpfen – darunter die radikal-islamistische Gruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS). Russland als Schutzmacht Syriens wirft der Türkei vor, sie habe die Rebellen nicht ausgeschaltet, wie dies die Vereinbarung von 2018 über eine Deeskalationszone in der Region vorsehe. So fühlt sich der syrische Machthaber Assad mit Russland im Rücken veranlasst, die Provinz Idlib und ihre Rebellen einzunehmen bzw. auszulöschen. Die Türkei stellt sich gegen diese Offensive und hat neben Panzern und anderem Kriegsgerät gut 12'000 Truppen nach Idlib gebracht. Beim Vormarsch der syrischen Regierungstruppen (im Bild) auf die letzte Rebellen-Hochburg wurden nach Angaben der Regierung in Ankara mehrere türkische Soldaten getötet. Anfang Februar brachten syrische Regimetruppen die strategisch wichtige Fernstrasse M5 zwischen Aleppo und Damaskus unter ihre Kontrolle – erstmals seit 2012. Von der Türkei unterstützte Rebellen (im Bild) starteten daraufhin einen Gegenangriff. Angesichts der Gefechte in Idlib hat eine beispiellose Flüchtlingswelle in Richtung der geschlossenen türkischen Grenze eingesetzt. Seit Dezember sind laut UNO fast 700'000 Menschen geflohen, ... ... hauptsächlich Frauen und Kinder. Sollten die Kämpfe in den Gebieten um Idlib und Aleppo andauern, könnten weitere 280'000 Menschen folgen.

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Eine türkische Offensive in der syrischen Rebellenhochburg Idlib ist Präsident Recep Tayyip Erdogan zufolge nur noch eine Frage der Zeit. Gespräche zwischen der Türkei und Russland, die in dem Bürgerkrieg unterschiedliche Seiten unterstützen, hätten bislang keine Einigung auf die Umsetzung eines Waffenstillstands in der Provinz gebracht, erklärten sowohl Erdogan als auch der russische Aussenminister Sergej Lawrow am Mittwoch.

Die syrische Regierung hätte noch ein paar Tage, um ihre Offensive gegen die Rebellenhochburg einzustellen, sagte Erdogan vor Abgeordneten seiner AK Partei in Ankara. Dies sei eine letzte Warnung. Die Türkei habe Vorbereitungen für ihre eigene Offensive getroffen, die jederzeit starten könnte. «Mit anderen Worten, die Offensive auf Idlib ist nur noch eine Frage der Zeit.»

Eine Million Menschen auf der Flucht

Die Türkei unterstützt in dem seit neun Jahren währenden Bürgerkrieg in Syrien einige Rebellengruppen, Russland steht hinter der Regierung von Syriens Präsident Baschar al-Assad. In Moskau laufen seit Tagen Verhandlungen über die Umsetzung eines Waffenstillstands. Die Gespräche gingen weiter, sagte Erdogan. Die türkischen Forderungen würden aber bislang bei weitem nicht erfüllt.

Wegen der Kämpfe befinden sich nahezu eine Million Menschen in der Region auf der Flucht. Die Türkei war erst im Herbst mit einer Offensive im Nordosten Syriens gegen die Kurden-Miliz YPG vorgegangen, die sie als Bedrohung der eigenen Sicherheit ansieht.

(vro/Reuters)