Steinbrück gegen Merkel

28. September 2012 23:00; Akt: 28.09.2012 23:35 Print

«Peitschen-Peer» reitet in Richtung Kanzleramt

Vielen ist der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ein Dorn im Auge. Beissender Spott und rhetorisches Feuerwerk zeichnen den Deutschen aus. Auch die Schweiz kriegte ihr Fett weg.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist ein Mann der klaren Worte. Seine Sprachgewalt und seine Intelligenz werden von vielen gerühmt, seine beissende Ironie wird von manchen als verletzend empfunden. Auch die Schweiz hat ihre Erfahrungen gemacht.

An der Kompetenz des 65-jährigen Steinbrücks gab es nie Zweifel. Er war während der weltweiten Finanz- und Bankenturbulenzen der Krisenmanager der von 2005 bis 2009 regierenden Koalition von CDU/CSU und SPD schlechthin.

Vielen Sozialdemokraten ist der geborene Hamburger und abgewählte Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen aber zu pragmatisch und wirtschaftsfreundlich. Kritiker in den eigenen Reihen nannte der frühere Parteivize «Heulsusen».

Netzwerke waren nie etwas für den passionierten Schach- und Billardspieler, Vielleser und Filmfan. In seinem Element ist der Diplomvolkswirt, wenn er das grosse Rad drehen kann: Erst Banken retten, jetzt regulieren.

«Zuckerbrot und Peitsche»

Steinbrück ist in der Schweiz kein Unbekannter. Seine zuweilen groben Sprüche in der Debatte um unversteuerte Gelder erhitzten hierzulande die Gemüter.

«Statt Zuckerbrot müssen wir auch zur Peitsche greifen» - mit diesen Worten unterlegte Steinbrück in seiner Funktion als deutscher Finanzminister im Herbst 2008 seine Forderung, die Schweiz auf die Liste der Steueroasen zu setzen. In Bern wurde daraufhin der deutsche Botschafter ins Aussendepartement bestellt.

Im Frühjahr 2009 verglich Steinbrück die Liste von Steuerparadiesen, welche die OECD führen soll, mit der «siebten Kavallerie vor Fort Yuma», die man ausreiten lassen könne. Dies sei aber nicht unbedingt nötig, «die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt».

Dieser bildhafte Vergleich löste in der Schweiz einen regelrechten Sturm der Entrüstung aus. Politiker und Politikerinnen bis hinauf zur damaligen Aussenministerin Micheline Calmy-Rey kritisierten die Äusserungen Steinbrücks. Erneut wurde der deutsche Botschafter einbestellt.

Nach dem Ausscheiden von Steinbrück aus der deutschen Regierung glätteten sich die Wogen im Steuerstreit etwas. Steinbrücks Nachfolger auf dem Posten des Finanzministers, Wolfgang Schäuble, handelte mit der Schweiz das von Deutschland noch nicht ratifizierte Steuerabkommen aus.

Karrierestart unter Schmidt

Seine politische Karriere startete Steinbrück unter der SPD/FDP- Bundesregierung von Helmut Schmidt, 1978 bis 1981 war er im Kanzleramt im Bereich Forschungspolitik tätig. Schmidt und Steinbrück sind noch heute eng verbunden.

Nach Stationen als Wirtschafts- und Finanzminister von Nordrhein- Westfalen wurde Steinbrück 2002 Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. 2005 wurde Steinbrück trotz der krachenden Niederlage der Sozialdemokraten in den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen zum Finanzminister in Berlin berufen.

Dieses Amt übte er in der grossen Koalition unter Merkel von November 2005 bis Oktober 2009 aus. Er verschrieb sich dem Schuldenabbau und schreckte - zum Leidwesen vieler Genossen - auch vor unpopulären Sparmassnahmen nicht zurück. Steinbrück ist verheiratet und hat drei Kinder.

Kühler Rechner

Eines der Hauptprobleme des 65-jährigen Hanseaten ist sein Verhältnis zur eigenen Partei. Wenn es bei den Sozialdemokraten mal wieder ganz arg sozialdemokratisch zugeht, platzt ihm gerne der Kragen. Insbesondere bei den SPD-Linken hält sich die Beliebtheit des kühlen Rechners in Grenzen, der aktuelle Rentenstreit könnte hier zur Nagelprobe werden.

Herrliche Kostproben von Steinbrücks Reden und Interviews:


Peer und die Bonzenschleuder, 2009: Steinbrück besucht eine Berliner Schule für angehende Bank-und Versicherungskaufleute. Geduldig stellt er sich den Fragen der rund 300 Schüler. Ärgerlich wird der Minister nur, als er nach den gepanzerten Limousinen der Politiker gefragt wird. Wie immer findet Steinbrück dafür klare Worte. (YouTube)


Virtuoser Wortjongleur Peer Steinbrück, 2011 (YouTube)

(kub/rey/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Zumstein am 29.09.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Die Deutschen sollten sich das wirklich gut überlegen. Ihr versuch den guten Ruf in der Welt wieder herzustellen wäre dann innert kürzerster Zeit wieder gescheitert.

  • Schweizer am 29.09.2012 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis für Deutschland....

    Ein Armutszeugnis für Deutschland ! haben denn die nicht bessere Politiker auf Lager ? Das ist sehr bedenklich, wenn ein solcher "Politiker" an die Macht käme......

  • Beat Regenscheit am 29.09.2012 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbewusstsein

    Ach wären wir Schweizer selbstbewusster hätten wir der Kavallerie locker pariert. Schliesslich bräuchten wir noch was für den Grill oder eine gute Rosssalamie schmeckt auch und die verstaubten Reiter wären sicher gut im Medizinhistorischen Museum aufgehoben , oder ?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Benny am 29.09.2012 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Der ist witzig

    Der Mann kann unheimlich witzig sein, wenn man Ihn nur ein bißchen kennt. Und ich finde es gut, wenn er sagt was er denkt und das auch noch "Hand und Fuß" hat.

  • AD am 29.09.2012 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peersönlichkeit

    Weiss gar nicht was ihr alle habt, ist doch ein lustiger Kerl. Auf jeden Fall hat dann die deutsche Politik wieder einen gewissen Unterhaltungswert.....

  • Peter Ryser am 29.09.2012 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Peer = Keine Gefahr

    Ach Leute, der gute alte Peer ist nur ein Polteri und benimmt sich wie der Elephant im Porzellanladen und genau darum wird er keine Chance haben jemals Kanzler zu werden, denn da braucht es sehr viel Diplomatie und das fehlt dem Polteri ganz erheblich und genau daran würde er kläglich scheitern.

  • Mage am 29.09.2012 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Unsympatisch!

    Ich kenne echt keinen der so griesgrähmig dreinschaut wie der peitschenpeter. Hatte wohl nie viel zu lachen. Genau ein foto hab ich gesehen wo er mal lacht. Passt aber im moment gut zur deutschen stimmung. Mundwinkel runter und alles anbellen was nicht bei drei auf den bäumen ist...

  • Markus Zumstein am 29.09.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Die Deutschen sollten sich das wirklich gut überlegen. Ihr versuch den guten Ruf in der Welt wieder herzustellen wäre dann innert kürzerster Zeit wieder gescheitert.