Antisemitismus-Skandal

27. Juni 2011 17:00; Akt: 27.06.2011 20:08 Print

«Polen seit 1939 nicht mehr von Polen regiert»

Wegen einer antisemitisch gefärbten Kommentar zum Zustand Polens wurde der Geistliche Tadeusz Rydzyk heftig kritisiert - und das nur wenige Tage vor Polens Übernahme des EU-Ratsvorsitzes.

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Der Geistliche Tadeusz Rydzyk 2007 mit dem Papst. (Bild: Keystone/AP)

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Wenige Tage vor der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes durch Polen sorgt dort ein Skandal um angeblich antisemitische Äusserungen eines Priesters für Aufregung. Das Aussenministerium sandte erstmals in der Geschichte des Landes eine Beschwerde an den Vatikan, in der es den Geistlichen Tadeusz Rydzyk beschuldigt, das Ansehen Polens im Ausland zu schädigen.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte der polnischen Nachrichtenagentur PAP am Montag, Rydzyk habe in seinem eigenen Namen gesprochen und seine Äusserungen stünden in keiner Verbindung zum Heiligen Stuhl oder der polnischen Kirche. Ob es eine formelle Reaktion des Vatikans geben wird, sagte er nicht.

Rydzyk, der den ultra-katholischen und politisch einflussreichen Radiosender «Radio Maryja» betreibt, hatte erklärt, Polen sei ein unzivilisierter und totalitärer Staat, der «seit 1939 nicht mehr von Polen regiert wird». Kritiker warfen dem Priester vor, damit anzudeuten, dass das Land von Juden regiert werde. Der polnische EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek bezeichnete die Aussagen Rydzyks als «skandalös und inakzeptabel».

Mehrmals wegen Antisemitismus aufgefallen

Die Bemerkungen des einflussreichen Priesters, die er bereits am vergangenen Dienstag im EU-Parlament getätigt hatte, haben in Polen für grosse Aufregung gesorgt, in Brüssel blieben sie bisher weitgehend unbeachtet. Polen übernimmt am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz, die Regierung in Warschau sieht dies auch als Chance, das Image Polens im Ausland zu verbessern.

Rydzyk, der auch einen Fernsehsender besitzt, war in der Vergangenheit mehrfach beschuldigt worden, im mehrheitlich katholischen Polen über sein Medienimperium Antisemitismus zu schüren.

(ap)