Transgender-Debatte

10. Juli 2014 20:10; Akt: 17.07.2014 13:00 Print

«Richtige Frauen sind bartlos!»

von Nadine Wozny - Die österreichische Jugendpartei RFJ sorgt mit einer Kampagne über die Landesgrenzen hinaus für Empörung. Mit Flyern warnt sie vor «Conchita-Wurst-Verschnitten».

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Eine blonde, junge Frau mit strahlend blauen Augen prangt auf dem Flyer. Sie ist nackt, mit den Händen verdeckt sie ihre Brüste, lächelt verhalten den Betrachter an. Darüber die Überschrift «Lass dich nicht linken – echte Frauen sehen so aus!» und «Ich brauche keinen Bart, um erfolgreich zu sein».

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Dabei handelt es sich um eine Kampagne der österreichischen, rechtsorientierten Jugendpartei Ring Freiheitlicher Jugend, RFJ. Die Organisation will damit auf den «Gender-Wahnsinn» und auf das «neue, absurde Frauenbild» hinweisen.

«Immer absurdere Ausmasse»

Auslöser für die Kampagne waren der Auftritt von Travestiekünstler Tom Neuwirth alias Conchita Wurst am Eurovision Song Contest sowie ein Plakat des Life Balls in Wien, das ein Transgender-Model nackt zeigte (siehe Bildstrecke). «Wir sorgen uns um die Entwicklung der Gesellschaft. Was denken unsere Kinder, wenn Frauen Bärte tragen und mit einem Penis ausgestattet sind? Und was denken sich unsere Frauen und Mädchen? Müssen sie jetzt diesem neuen, absurden Weltbild entsprechen, um ‹modern› zu sein?», fragt der RFJ auf seiner Website.

Haben die österreichischen Frauen nach Wursts ESC-Sieg etwa eine Identitätskrise, dass eine solche Kampagne nötig ist? «Nein, ich hoffe nicht», sagt Werner Wassicek, Landesobmann des RFJ Burgenland, zu 20 Minuten. «Der Inhalt der Kampagne bezieht sich nicht nur auf die Kunstfigur Conchita Wurst. In erster Linie handelt es sich um den Gender-Mainstream-Wahnsinn, der immer absurdere Ausmasse annimmt.» Wassiceks Partei kämpft auch gegen Frauenquoten und das Binnen-I (wie etwa in FussgängerInnen etc.).

«Richtige Frauen sind bartlos»

Wassicek will die Jugend aufklären: «Richtige Frauen sind bartlos! Wir brauchen keine neuen Weltbilder zu züchten, sondern müssen uns darauf verlassen, was wir seit tausenden Jahren kennen.» Diese Entwicklungen würden «immer mehr zur Abschaffung der traditionellen Familie beitragen».

Mit der Kampagne löste die Partei auf Facebook einen Shitstorm aus. «Was wir Frauen in der Hose oder im Gesicht tragen, geht euch nichts an», findet Facebook-Userin Ally A. Unterstützt wird sie von Teresa D.: «Echte Frauen lassen sich nicht von Männern sagen, was sie brauchen.» «Ich sehe nicht aus wie auf eurem Bild, bin ich deshalb keine echte Frau?», fragt sich Steffi S.

Conchita ist es offenbar wurst

Zwar sind die Kampagnen-Kritiker auf der Facebook-Seite in der Mehrheit. Es sind aber auch lobende Kommentare zu finden: «Ich finde die Aktion mutig und gut», schreibt etwa Thomas K. Laut Wassicek ist die Kampagne erfolgreich: «Prozentmässig würde ich sagen, dass wir 70 Prozent positive und 30 Prozent negative Rückmeldungen per E-Mail bekommen haben.»

Was Conchita Wurst von den Plakaten hält, ist nicht zu erfahren. Sie kommentiere die Kampagne nicht, liess ihr Sprecher ausrichten.

(YouTube/Eurovision Song Contest)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 10.07.2014 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    warum nicht

    darf man nicht mehr sagen wenn man anderer Meinung ist?

  • Tim am 10.07.2014 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Menschen wie Chonchita Wurst wünschen sich Toleranz. Interessanterweise zeigt uns das tägliche Leben das Menschen die nach Toleranz schreien die intolerantesten Menschen überhaupt sind.

  • mein name am 10.07.2014 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Und nun?

    Und da wird jetzt drüber hergezogen? Toleranz gehört auf beide Seiten! Ich kann nicht etwas verlangen das ich nicht selber bereit bin zu geben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brumm am 11.07.2014 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gegen die Wurst, aber

    ... Conchita arbeitet nur für sich selbst und um etwas fame zu sein, ihr/ihm ist es egal was ihr alle von Toleranz haltet oder eben nicht.

  • liatia am 11.07.2014 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerisch

    meine Güte - Frauen und Mädchen wissen sehr genau, dass Bart nicht normal ist für eine Frau. Die sollten sich lieber Gedanken darüber machen, dass die Mädchen heute in das "du musst dünn und wunderschön sein"-Schema gepresst werden.

  • Chrigu am 11.07.2014 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Westliche Medien...

    erlauben keine Kritik an Wurst & Co. Deshalb werden nur die Meinungen zugelassen die ihnen passen. Traurige Meinungsfreiheit und Lenkung der Medien. Mich wird das auf keinen Fall beeiflussen, ich stehe dazu was ich über die Wurst denke, obwohl das sowieso nie veröffentlicht wird.

  • Sirius am 11.07.2014 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    der Unterschied

    - Diverse Parteien und Gruppen: "Echte Frauen tragen Burkas" "Echte Frauen heiraten" "Echte Frauen gehören an den Herd" "Echte Frauen haben Kinder" "Echte Frauen haben keinen Bart" - Chonchita Wurst: "Echte Frauen machen das, was ihnen Glück bereitet"

  • Andreas Gasser am 11.07.2014 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt mir

    Diese Conchita provoziert, warum sollte die Jugendpartei nicht auch provozieren dürfen?