Gegenangriff

09. Oktober 2015 16:44; Akt: 09.10.2015 16:45 Print

«Russland wird für Angriffe auf Syrien bezahlen»

Mit der Bombardierung von Gebieten, in denen der IS nicht stationiert ist, habe sich Russland ins Out geschossen, sagt Ash Carter an einem Treffen der Nato.

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Der US-Verteidigungsminister warnt vor Gegenanschlägen: Ash Carter an einem Treffen der Nato (9. Oktober 2015) (Bild: Virginia Mayo)

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«Russland wird für seine Angriffe in Syrien in Form von Vergeltung und Verlusten bezahlen», warnt der US-Verteidigungsminister Ash Carter an einem Nato-Treffen in Brüssel, schreibt der Guardian. Saudiarabiens Waffen seien geladen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich der Staat für die Angriffe auf Syrien rächen würde. Die Minister sind sich einig: Die Nato muss schnellstmöglich in die Flashpoints, in die sogenannten Kriegsgebiete ausrücken, um ein Zeichen zu setzen.

Es gebe aber keine Pläne, in der Türkei, einer der Partner Saudiarabiens, Kräfte bereitzustellen, sagt der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Allein die Präsenz der Kräfte sei eine Abschreckung für Russland, in Zukunft in türkische Gebiete auszurücken. «Es ist nicht nötig, dass wir in jedem Kriegsgebiet Nato-Sperrkräfte aufstellen, unseren Gegnern soll einfach bewusst sein, dass wir im Notfall in der Lage wären, zu kämpfen», sagt Stoltenberg weiter.

55-seitiges Statement gegen die Regime

Saudiarabien gehört zu den führenden Unterstützern im Kampf gegen den Präsidenten Bashar-al-Assad. Die Rebellen fordern den Rücktritt des Präsidenten, wollen nicht, dass Assad weiter ein Teil des politischen Systems ist. Carter sagt, dass sich die Minister von Saudiarabien bereits weitere Schritte gegen Russland überlegten. Eine Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin habe die Gemüter zusätzlich erhitzt.

So fordert Saudiarabien in einem 55-seitigen Statement «wahre» Muslime auf, sich in den heiligen Krieg gegen Assad zu stürzen – mit aller moralischen, politischen und militärischen Konsequenz. «Stellen sie sich vor, wir haben über 1,5 Milliarden Muslimen auf der Welt. Auch wenn nur ein Prozent davon mitzieht, das würde zu einem Super-GAU führen», meint ein Minister von Katar.

Weitere Anschläge sind geplant

«Russland hat schon immer unprofessionell Krieg geführt. Die Regierung schoss Bomben in den türkischen Luftraum – ohne Vorwarnung an die umliegenden Staaten», sagt Carter. Mit dem Bombenangriff auf Gebiete, in denen sich keine IS-Kämpfer befinden, hätten die Russen ihre «Tarnung» selbst zerschmettert. Es sei unglaubwürdig, dass sie mit den Angriffen den IS bezwingen wollten, wahrscheinlicher sei vielmehr, dass Russland Assad unterstützen wollte, sagt Carter weiter. Die Angst vor Gegenanschlägen sei absolut berechtigt, es werde nicht mehr lange gehen, bis Russland mit Verlusten zu kämpfen habe.

Russland sei in erster Linie ein Oppositionskämpfer und somit ein Quersteller für jeglichen Friedensprozess, sagt Rami Abdul Rahman, der Direktor der syrischen Organisation für Menschenrechte (SOHR). Mit dieser Haltung würden Staaten, die keinen Frieden wollten, gestärkt werden. «Ganz egal, ob sie für oder gegen das Regime kämpfen.»

Weitere Bombenanschläge auf Syrien seien geplant, teilte Russland in der Nacht mit. Fokussiert würden die Standorte des Islamischen Staates, berichtet der «Guardian». Diese Erklärungen sind aber nichts Neues. Bereits bei den vergangenen Bombenanschlägen beteuerte Russland stets, acht Standorte des IS attackiert zu haben. Trainingscenter, in denen Terroristen ausgebildet wurden, seien zerstört worden, heisst es in einem russischen Statement.

(nab)