Greenpeace-Aufruf

14. Oktober 2013 18:40; Akt: 14.10.2013 18:40 Print

«Schreiben Sie Marco in den russischen Knast»

Der Schweizer Marco Weber ist in russischer Gefangenschaft isoliert: Er hat niemanden zum Reden und keine Bücher. Jetzt ruft Greenpeace dazu auf, ihm Briefe zu schicken.

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Die aus russischer Haft freigekommene argentinische Greenpeace-Aktivistin Camila Speziale fordert am 28. Dezember 2013 eine Entschuldigung von Russland für die wochenlange Inhaftierung. Mit dem Australier Colin Russell kam am der letzte Greenpeace-Aktivist frei. Am Morgen des kann der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber das Gefängnis verlassen. Damit ist Weber zwei Tage nach der Ankündigung, die Kaution sei für ihn bezahlt worden, auf freiem Fuss. Wann und ob er überhaupt ausreisen darf, bleibt aber noch unklar. Am hat die russische Justiz den Greenpeace-Aktivisten Marco Weber gegen Kaution freigelassen. Einem nach dem anderen gewährt die russische Justiz den Mitgliedern der «Arctic 30» die Freiheit gegen Kaution. Zuletzt waren das Die Kaution beträgt jeweils 2 Millionen Rubel (über 56'000 Franken). Am Abend des gegen Kaution freizulassen. Etwas früher am gleichen Tag wurde bereits die Ärztin Jekaterina Saspa gegen Kaution freigelassen. Über die weiteren Fälle soll im Laufe der Woche entschieden werden. Auch der russische Fotograf Denis Sinyakov wurde gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt. Trostlos: Die 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten, die nach einer Protestaktion in der Arktis inhaftiert worden waren, werden am 11. November vom nördlichen Murmansk nach St. Petersburg verlegt. Selbst Wachhunde sind im Einsatz. Am 21. Oktober haben die Niederlande den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg angerufen, um Russland zur Freilassung der in Murmansk inhaftierten Greenpeace-Aktivisten zu bewegen. Doch Russland will den Prozess boykottieren, wie die Regierung zwei Tage später, am 23. Oktober, mitteilte. Marco Weber bleibt weiter in Haft: Das Gericht in Murmansk hat die Beschwerde gegen die Inhaftierung des Schweizer Aktivisten abgelehnt, wie Greenpeace am 21. Oktober 2013 mitteilte. Mit diesem Schreiben meldet sich der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber erstmals zu Wort. In der Sonntagspresse vom 13. Oktober 2013 berichtet Weber aus Murmansk: «Macht euch keine Sorgen um mich - vorerst.» Am 4. Oktober nahmen Vertreter von Greenpeace und der Vater des verhafteten Schweizer Aktivisten Marco Weber in Zürich Stellung zu der Aktion in Russland und den Folgen. Eduard Weber sagte, die Situation sei für Marcos Familie sehr schwer. Marco sei aber nicht leichtsinnig gewesen und habe gewusst, dass er ein Risiko eingehe. Tags zuvor hat ein russisches Gericht angeordnet, die Untersuchungshaft für mehrere der 30 Greenpeace-Aktivisten zu verlängern. Davon ist auch Marco Weber betroffen. Der 28-Jährige muss für zwei Monate in Untersuchungshaft, wie Greenpeace auf Twitter mitteilte. Insgesamt müssen acht Greenpeace-Aktivisten bis zum 24. November hinter Gitter: Neben dem Schweizer sind dies der US-amerikanische Kapitän der «Arctic Sunrise», Peter Willcox, ... ... der neuseeländische Mechaniker Jonathon Beauchamp, ... ... die Niederländerin Faiza Oulahsen, ... ... der Ukrainer Ruslan Yakushev, ... ... die Finnin Sini Saarela, ... ... der Franzose Pisanu Francesco Pierre und ... ... der australische Bordfunker Colin Russell. Russlands Präsident Vladimir Putin sagte, die Aktivisten hätten gegen internationales Recht verstossen. Am 20.09. begann die russische Küstenwache mit dem Abschleppen der Arcitic Sunrise, am traf die Crew in Murmansk ein. Am 20. September 2013 demonstrierten laut Greenpeace 75 Aktivisten vor der russischen Botschaft in Bern gegen die Verhaftung des Schweizers Marco Weber und weiterer Umweltschützer in der Arktis. Insgesamt habe es Protestaktionen in rund 30 Ländern gegeben. Am 18. September 2013 hatten Marco Weber (hier im Hintergrund beim Hochklettern des Schiffs) und eine Greenpeace-Aktivistin aus Finnland die Gazprom-Ölplattform Priraslomnaja geentert. Sie wurden von Wachen gestoppt, während die russische Küstenwache ihre Helfer mit gezogenen Waffen in Schach hielt. Marco Weber (28) wurde verhaftet und auf das Schiff der Küstenwache gebracht. Er befindet sich noch bis im November in Untersuchungshaft. Die vermummten Sicherheitskräfte zückten Waffen und Messer und drohten sogar damit, die «Arctic Sunrise» zu beschiessen, wenn die Aktivisten mit ihr das Gewässer nicht sofort verliessen. Sie sollen elf Warnschüsse abgegeben haben. Laut Greenpeace stürmten die Grenzschützer am 19. September dann die «Arcitic Sunrise». Der russische Inlandsgeheimdienst FSB rechtfertigte die Aktion damit, dass eine «reale Gefahr» für die Plattform bestanden habe. Die russischen Sicherheitskräfte seilten sich von Helikoptern auf die Arctic Sunrise ab. Dort bedohrten sie die Aktivisten mit gezogenen Waffen. Die Aktivisten liessen sich widerstandslos festnehmen. Indem sie die Ölplattform hochkletterten, wollten die Greenpeace-Aktivisten gegen die Bohrungen in einem «ökologisch sensiblen Gebiet» protestieren. Ein Ölunfall würde dort eine Umweltkatastrophe anrichten. Mehr Erfolg hatten die Aktivisten 2012, als es sechs von ihnen gelang, die Plattform Priraslomnaja für mehrere Stunden zu besetzen.

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Nachdem sich der in Russland inhaftierte Schweizer Aktivist am Sonntag erstmals seit seiner Festnahme mit einem Brief an die Öffentlichkeit gewandt hat, appelliert Greenpeace an die Schweizer Bevölkerung, Marco Weber ins Gefängnis zu schreiben, um dem 28-Jährigen die Einsamkeit ein wenig zu versüssen.

Damit das Schreiben auch sicher in Murmansk ankommt, wartet die Organisation mit einer Reihe von Tipps auf: So sollen zum Beispiel Kritik an der russischen Regierung oder die internationalen Solidaritätsaktionen nicht thematisiert werden.

Weber hatte in seinem Brief geschrieben, er wisse, dass er das Richtige getan habe. Die Unterstützung aus dem Ausland sei für ihn sehr wichtig. Offenbar langweilt er sich aber: «Ich habe weder Bücher noch Zeitungen, TV oder jemanden zum reden.»

Protest-Brief an Putin

Weber beklagt sich über schlechte Haftbedingungen: Seit zwölf Tagen sitze er allein in einer Zelle ohne Sonnenlicht, schrieb er auf Englisch. Man solle sich aber keine Sorgen um ihn machen – zumindest vorerst nicht.

Schon seit der Verhaftung von Marco Weber und den anderen Aktivisten fordert Greenpeace seine Unterstützer dazu auf, via russische Botschaft ein Protestmail an Präsident Putin zu verfassen. Wer das vorgefertigte Formular an den Botschafter abschickt, fordert von Russland die Freiheit für die in Murmansk inhaftierten Aktivisten und die sofortige Einstellung der Ölbohrungen in der Arktis.

Schlechte Haftbedingungen

Seit über zwei Wochen sitzen 28 Aktivisten sowie zwei Reporter aus fast 20 Ländern im nordrussischen Gebiet Murmansk hinter Gittern. Die Umweltschützer hatten sich schon vor dem Brief des Schweizers über schlechte Haftbedingungen beklagt.

Die Aktivisten hatten am 18. September versucht, eine Bohrinsel des russischen Gazprom-Konzerns in der Arktis zu entern, um auf Umweltrisiken durch die Gas- und Ölförderung in dem Gebiet aufmerksam zu machen. Ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Gefängnis.

(jam/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hanspeter Rüegg am 14.10.2013 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitleid

    Mit den Leuten von Greenpeace habe ich überhaupt kein Mitleid. Vor kurzem haben sie mit ihrer stupiden Aktion im St. Jakobpark wahrscheinlich dafür gesorgt, dass die Schweiz an der Euro 2020 nicht zum Zug kommt und nun haben sie schlicht russische Gesetze gebrochen und werden dafür abgeurteilt. Das Gejammer dieser Leute passt dabei gut ins Bild.

  • Caesar Monetas am 14.10.2013 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben

    Gemäss der Video-Botschaft seines Vaters, publiziert auf 20 Minuten am 4. Oktober, hat Herr Weber gewusst, auf was er sich einlässt, also hat er oder seine Auftraggeber dafür gerade zu stehen. Da braucht es keine weiteren Erklärungen. Die Justiz wird das Ganze aburteilen.

  • Jason am 14.10.2013 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schreibe ihm nichts

    Er denkt wohl, dass er eine Heldentat begangen hat und jetzt draussen in der Welt gefeiert wird. Dem ist nicht so. Traurig, aber jeder weiss dass man sich mit der russischen Justiz nicht anlegen soll. Er hat's trotzdem getan und verdient eigentlich das, was ihm dort droht, nämlich mehrjähriger Knast.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nora T. am 15.10.2013 06:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sponsoring Fail

    Greenpeace Seite: "Sponsored by Gazprom". Einfach unglaublig. Die Bohren natürlich nie nach Gas im Meer oder was?

  • Walter R am 15.10.2013 03:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist denn schuld...?

    Ich sehe nicht ein, weshalb man diesem Greenpeace-Aktivisten Marco Weber Briefe schreiben und ihn bedauern soll. Wer für eine Organisation wie Greenpeace tätig ist und sich an deren illegalen Aktivitäten beteiligt, darf sich nicht darüber beklagen, dass er im Gefängnis landet. Es wird nun einmal nicht in allen Ländern dieselbe Kuscheljustiz gehandhabt, wie in der Schweiz.

  • Bob_Rock am 15.10.2013 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Rappen dem Greenpeace!

    Falsch!!! Schreiben wir dem Putin: er soll 29000 CHF im Monat locker machen für Klettertraining, Thaiboxtraining, Schiessübungen und Kommandotraining - damit nächste Besetzung von Fremdeigentum besser klappt. Natürlich Villa in Moskau, Armani Parfüms, riesen Glotze (4K Full HD!), eine junge hübsche Betreuerin, persönlichen Chauffeur, Limousine und Buttler darf man auch nicht vergessen...Wenn er es nicht macht dann können die Berner "Straf"vollzugs- Behörden die Kosten übernehmen, Geld hat es ja im Überfluss...Und dummen Steuerzahler hat es auch genug...

  • Botzblitz gahts na am 14.10.2013 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Irrtum

    Wenn man glaubt, man sei über den gültigen Gesetzen, und solche Sachen durchführt, so muss man für so ein Verhalten die Verantwortung übernehmen. Auch wenn ich nicht ein Freund Russlands bin, müssen die dortigen Gesetze eingehalten werden. Ich habe keinerlei Mitleid mit solchen Leuten. Selber schuld.

  • J. Meyer am 14.10.2013 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Warum soll man ihm schreiben?

    Er wusste ja, was er tat, also musste er auch mit möglichen Konsequenzen rechnen. Ungeachtet der Richtigkeit des Protestes, war die Aktion hingegen aber illegal. Darum kann ich kein Mitleid aufbringen. Proteste u Demonstrationen sollen in friedlicher Natur geschehen, nicht in gewalttätigen Aktionen ausgeübt werden, die dem Sinn des Protestes aber oft widersprechen u sich selbst u auch andere in unnötige Gefahren bringt. Das sind schon terroristische Züge, welche die Glaubwürdigkeit GP's schwinden lässt, ausser bei Hartgesottenen GP-Freaks. Das unterstütze ich nicht.