Geisel von Islamisten

18. Mai 2016 11:47; Akt: 18.05.2016 15:00 Print

«Sie nähten mir den Mund zu»

Brutale Islamisten hielten ihn fünf Jahre als Geisel fest. Nun ist der Politikersohn Shahbaz Taseer wieder frei und spricht über seine qualvollen Erlebnisse.

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Fünf Jahre Hölle und wieder zurück: Der Gouverneurssohn Shahbaz Taseer in einem Haus in Quetta, Pakistan. (8. März 2016) (Bild: AFP)

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Es war der 26. August 2011, als Shahbaz Taseer aus seiner Heimatstadt Lahore in Pakistan entführt wurde. Davor war sein Vater Salman Taseer, ein liberaler Gouverneur und Kritiker des Blasphemiegesetzes, ermordet worden. Das umstrittene Gesetz verlangt, dass eine Beleidigung des Islam mit dem Tod bestraft wird.

Shahbaz Taseer wurde zuerst von der Islamischen Bewegung von Usbekistan (IMU) festgehalten. Zum ersten Mal hat er in einem Interview mit dem TV-Sender CNN über seine grauenhafte Zeit in Gefangenschaft der Islamisten gesprochen.

«Sie rissen mir die Fingernägel aus. Dann verpassten sie mir Peitschenhiebe. Am Anfang waren es 100 am Tag, irgendwann dann 200», erzählt Taseer dem Sender. «Sie schnitten Wunden in meinen Rücken und streuten Salz darüber. Dann nähten sie meinen Mund zu und liessen mich hungern. Ich blutete sieben Tage lang.» Die Entführer hielten die Torturen auf Video fest, um damit Druck auf die Familie und die pakistanische Regierung auszuüben.

Taliban in die Hände gefallen

Im November 2015 kam es zu einem blutigen Zusammenstoss zwischen der IMU und den afghanischen Taliban. Nach dem Gefecht ging Taseer in die Hände der Taliban über. Sein Schicksal nahm eine unerwartete Wendung, als er eines Tages von einem Mitglied der Taliban befreit wurde.

Kurz darauf gelang es ihm, seine Mutter anzurufen. «Der Anruf kam wie aus dem Nichts. Ich konnte es nicht fassen», sagt Taseers Mutter zu CNN. «Du vergisst die Gesichter der Menschen, die du liebst», so Shahbaz Taseer. «Und dann hast du plötzlich dein Leben zurück. Ein unglaubliches Gefühl.»

(kat)