29 Tote nach Messerattacke

01. März 2014 18:22; Akt: 03.03.2014 15:41 Print

«Sie zerhackten, wen sie nur konnten»

Horror-Szenen in China: Mit langen Messern gehen verkleidete Unbekannte auf einem Bahnhof in Kunming wahllos auf Menschen los. Sie töten 29 und verletzen mehr als hundert Personen.

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Massaker auf einem Bahnhof in Südchina: Mit langen Messern haben Angreifer in Kunming wahllos mindestens 29 Menschen getötet und mehr als 143 weitere verletzt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Wochenende meldete.

Die Polizei erschoss vier Angreifer, eine Frau wurde verhaftet. Die Behörden beschrieben den Vorfall in der Provinz Yunnan als Terrorakt uigurischer Separatisten, obwohl deren Heimat mehr als 1000 Kilometer entfernt liegt.

Augenzeugen berichteten, mehr als zehn überwiegend schwarz gekleidete Angreifer hätten am Abend den Bahnhof von Kunming gestürmt und auf Menschen eingestochen. Einigen der Angreifer gelang die Flucht.

«Sie zerhackten, wen sie konnten»

Beteiligt waren nach Darstellung chinesischer Staatsmedien mindestens zwei Frauen: Neben der Festgenommenen war auch unter den getöteten Attentätern eine Frau, wie das Staatsfernsehen meldet. Die Frau in Gewahrsam sei zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht worden.

Im Internet kursierten Fotos von in Blutlachen liegenden Leichen und verstreutem Gepäck. Die Studentin Qiao Yunao wartete nach eigenen Angaben auf einen Zug, als Panik ausbrach. Dann habe sie gesehen, wie einer der Angreifer einem Mann den Hals aufgeschlitzt habe.

«Ich flippte aus und rannte in ein Fastfood-Restaurant, und viele Leute rannten auch dorthin, um Schutz zu suchen», erklärte sie der Nachrichtenagentur AP über den Mikroblog Sina Weibo. «Ich sah zwei Angreifer, beide Männer, einer mit einem Wassermelonen-Messer und der andere mit einem Fruchtmesser. Sie rannten umher und zerhackten, wen sie nur konnten.»

«Sie fielen einfach zu Boden»

Ein anderes Opfer, Yang Haifei, schilderte Ähnliches. Menschen, die nicht schnell genug wegrennen konnten, seien schwer verletzt worden, sagte er Xinhua aus einem Krankenhaus, wo er wegen Wunden an Brust und Rücken behandelt wurde. «Sie fielen einfach zu Boden.» Noch am Abend hielten sich zahlreiche Rettungskräfte und Sanitäter am Bahnhof auf, um Verletzte ins Krankenhaus zu bringen.

Der Angriff in Kunming war einer der blutigsten der vergangenen Jahre in China. Der ranghöchste Polizeibeamte des Landes, Politbüro-Mitglied Meng Jianzhu, kam am Sonntag in die Stadt und besuchte Verletzte im Krankenhaus. Auch Präsident Xi Jinping zeigte sich alarmiert. Er rief zu «radikalen Massnahmen» auf, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

China spricht von «Terrorakt» der Uiguren

Xinhua berichtete, erste am Schauplatz sichergestellte Beweise deuteten auf einen «von separatistischen Kräften in Xinjiang verübten Terrorakt» hin. Gemeint sind offenbar Angehörige der islamischen Minderheit der Uiguren, die sich im mehr als 1000 Kilometer entfernten Xinjiang gegen die chinesische Herrschaft auflehnen.

Meist werden ihnen Anschläge in Xinjiang zugeschrieben. Doch seitdem mutmassliche uigurische Rebellen im vergangenen November einen Selbstmordanschlag in Peking verübten, wächst die Sorge, dass Separatisten inzwischen Ziele im ganzen Land im Visier haben könnten.

«Wenn es wahr ist, dass dies von Uiguren verübt wurde, dann unterscheidet sich das sehr von allem, was wir bisher gesehen haben», erläuterte der Anthropologe Sean Roberts von der George Washington University in Washington. Doch sei noch unklar, ob es wirklich eine organisierte militante Uiguren-Gruppe gebe. Bislang scheine die Attacke jedenfalls nicht in Zusammenhang mit einem globalen Terrornetzwerk zu stehen.

Der Angriff von Kunming fällt in die Vorbereitungen für die jährliche Parlamentssitzung am Mittwoch, wo Präsident Xi und seine Regierung eine Bilanz ihres ersten Amtsjahres ziehen wollen.

Alle Verdächtigen in Haft

Die chinesische Polizei hat bei der Grossfahndung nach dem Messer-Massaker im Bahnhof von Kunming die drei letzten noch flüchtigen Verdächtigen festgenommen.

Das meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Sie berief sich dabei auf das Ministerium für öffentliche Sicherheit, dem zufolge eine «Terroristenbande» von sechs Männern und zwei Frauen für den Angriff verantwortlich sei, bei dem am Samstag 29 Menschen getötet und 143 verletzt worden seien.

Als deren Anführer wurde in dem Bericht ein Mann namens Abdurehim Kurban identifiziert. Xinhua zufolge erschossen Polizisten vier Angreifer, die mit langen Messern Menschen attackiert hätten, und nahmen eine verletzte Verdächtige am Tatort fest.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Grassi am 01.03.2014 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb Messer?

    Falls sich jemand fragt, weshalb hier Messer verwendet werden: In China ist es praktisch unmöglich als Zivilist an Schusswaffen zu kommen.

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  • Rolf Wittwer am 01.03.2014 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Vermutung

    Die Entwicklungen der letzten Jahre auch in dieser Weltgegend deuten auf verstärkte Gewaltanwendungen von "religiös" motivierten Gruppierungen, welche damit versuchen, auch über chinesisches Teritorium die Weltherrschaft an sich zu reissen. Aus politisch korrekten Gründen, darf auf eine nähere Bezeichnung wohl kaum eingegangen werden. Ganz im Sinne eben solcher Kommandos.

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  • sarah am 01.03.2014 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsere welt

    ach welch traurige, gottverlassene welt....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Benji am 02.03.2014 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne heile Welt

    Einfach nur schlimm so etwas zu lesen. Die Welt ist voller Hass und Gewalt. Wenn man etwas nicht mag, wird es bekämpft bis es nicht mehr existiert. Schlimm.

  • Marco am 02.03.2014 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Seht ihr?

    Es braucht keine Schusswaffen für Amokläufe. Im Gegenteil: Das grösste Schulmasaker war in Tschetschenien zwischen Rebellen und Russen (also keine Privatpersonen, sondern Miliz und Armee), das Zweitgrösste in England mit Bomben und das drittgrösste (indes das erste, wo ein bewaffneter Zivilist beteiligt war) hat etwa gleich viele Todesopfer gefordert, wie dieses Massaker hier. Es sind nicht die Werkzeuge. Es sind die Menschen. Verbote nützen da gar nichts.

  • chipsy am 02.03.2014 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eines tages

    wird sowas auch hier abgehen. diese extremen fanatiker sind auf der ganzen welt verteilt. wenn wir schweizer glauben, wir werden verschont bleiben, dann sind ihr alle blind! immer trifft es unschuldige menschen, weil die regierungen diese gefahr nicht sehen will. mein beileid an die hinterbliebenen und gute genesungswünsche an die verwundeten unschuldigen opfer.

  • chari am 02.03.2014 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Steinzeitbrutalität

    Menscheit ist in ihrer Brutalität in der Steinzeit stecken geblieben und hat sich seither keinen Zentimeter weiterentwickelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, des Anlasses und der Machverhältnisse, wenn es mal wieder trifft.

  • Ruedi am 02.03.2014 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück keine Schusswaffen

    In China kommt man als Privatperson nur schwer an Schusswaffen. Hätten die Täter Pistolen und Maschinengewehre eingesetzt, wäre jetzt mit hunderten Toten zu rechnen.