Priester-Mord in Frankreich

26. Juli 2016 18:01; Akt: 26.07.2016 21:34 Print

«Sie zwangen ihn, auf die Knie zu gehen»

Zwei «Soldaten des Islamischen Staats» schneiden in der Normandie einem greisen Priester die Kehle durch. Einer von ihnen sass offenbar in Genf in Champ-Dollon ein.

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Ein Mädchen betet für den verstorbenen Priester. Ein Mann zündet in der Nähe des Tatorts eine Kerze an. Ein Polizist führt einen Mann ab, der im Verdacht steht, mit den Geiselnehmern von Rouen in Kontakt gestanden zu sein (26. Juli 2016). Die Angreifer waren am Dienstagvormittag während eines Gottesdienstes in die Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray eingedrungen und hatten fünf Geiseln genommen. Schwer bewaffnete Polizisten vor Ort. Die Geiselnehmer töteten den 86-jährigen Priester. Eine weitere Geisel wurde sehr schwer verletzt und schwebe «zwischen Leben und Tod», hiess es aus dem Pariser Innenministerium. Grossaufgebot von Sicherheitskräften in Saint-Etienne-du-Rouvray. Die Polizei erschoss die beiden Täter, als sie das Gotteshaus verliessen - unter welchen Umständen, ist noch unklar. Danach suchten Sicherheitskräfte mit Sprengstoff-Spürhunden die Kirche und die Umgebung ab. Das Gebiet um die Kirche wurde grossräumig abgesperrt. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Neben der Polizei, Sanität und Feuerwehr rückten auch Soldaten an. Der französische Präsident François Hollande begab sich umgehend an den Tatort in Saint-Etienne-du-Rouvray. Er erklärte, dass sich die beiden Geiselnehmer auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berufen hatten. Der Ort Saint-Etienne-sur-Ouvray in der Normandie, im Hintergrund ist der Turm der katholischen Kirche zu sehen, wo die Geseilnahme sich ereignete. In der katholischen Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray nahmen am Dienstagmorgen, 26. Juli, zwei Männer mehrere Geiseln. Die Polizei rückte mit einem Grossaufgebot an und konnte die beiden Geiselnehmer nach kurzer Zeit unschädlich machen. Beide Täter wurden erschossen. Die beiden mit Messern bewaffneten Männer töteten den Pfarrer der Kirche, Jacques Hamel (86).

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Ein perfider Mord im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat entsetzt die Welt: Zwei Angreifer haben am Dienstag in einer französischen Kirche einem greisen Priester die Kehle durchgeschnitten. Einen der wenigen Besucher der Morgenmesse in dem kleinen Ort Saint-Etienne-du-Rouvray bei Rouen verletzten sie nach Angaben des Pariser Innenministeriums schwer, bevor sie von Polizisten erschossen wurden. Drei Kirchgänger wurden unverletzt gerettet.

Der IS liess über seine Sprachrohr Aamak wissen, das «zwei Soldaten des Islamischen Staats» den Angriff in der Normandie ausgeführt hätten. Sie seien dem Aufruf gefolgt, Anschläge in Staaten zu verüben, die sich in der US-geführten Koalition an der Bekämpfung des IS beteiligten. Der französische Präsident François Hollande sprach von einem abscheulichen Angriff, der zeige, dass sich Frankreich im Krieg mit dem IS befindet. «Dieser Krieg muss mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln geführt werden.»

«Sie haben sich selbst gefilmt»

Eine Augenzeugin schilderte furchtbare Details:Die Angreifer hätten den 86 Jahre alten Priester Jacques Hamel auf die Knie gezwungen und ihm mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten, als er sich zu wehren versuchte.

«Sie haben sich selbst gefilmt», sagte die Augenzeugin, Schwester Danielle, im französischen Fernsehsender BFM. «Sie haben am Altar eine Art Predigt gehalten, auf arabisch. Es ist ein Horror», sagte die Nonne. Der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, bestätigte die Identität Hamels.

Abscheu und Entsetzen

Der Vatikan und die Welt reagierten mit Abscheu und Entsetzen auf den Priestermord, der zudem wohl der erste bekannte IS-Angriff auf eine Kirche in einem westlichen Land gewesen ist. Im vergangenen Jahr war eine Kirche in Paris ins Visier genommen worden, der Angriff aber nicht ausgeführt worden. Papst Franziskus verurteilte die Ermordung Hamels aufs Schärfste. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, der Angriff sei besonders schlimm, «weil diese entsetzliche Gewalt in einer Kirche, einem heiligen Ort, in dem die Liebe Gottes verkündet wird» verübt worden sei. Ähnlich äusserten sich viele Regierungen weltweit.

«Eine Kirche anzugreifen, einen Priester zu töten, das ist eine Schändung der Republik, die die Gewissensfreiheit garantiert», sagte Staatschef François Hollande am Abend im Staatsfernsehen.

«Mindestens eineinhalb Jahre beobachtet»

Eine verdächtige Person wurde im Zuge der Ermittlungen festgenommen, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Details gab sie nicht bekannt.

Ein muslimischer Geistlicher sagte, einer der Täter sei auf dem Radar der Polizei gewesen und mit dem Wissen der Behörden in die Türkei gereist. «Er wurde von der Polizei mindestens die vergangenen eineinhalb Jahre beobachtet», sagte Mohammed Karabila, Präsident des Regionalen Rates für muslimischen Glauben in der Haute-Normandie, der Nachrichtenagentur AP. Am Abend wurde bekannt, dass beide Täter formal identifiziert seien.

Einer der Angreifer schon einmal in Genf festgenommen

Gegen einen der beiden war in der Vergangenheit bereits ein Terrorverfahren eingeleitet worden. Nach Ermittlerangaben hatte der Mann 2015 zwei Mal versucht, nach Syrien zu gelangen, beim ersten Mal war er noch minderjährig. Beim zweiten Versuch wurde er in der Türkei festgenommen.

Nach seiner Überstellung nach Frankreich wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet. Ihm wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in Verbindung mit einem Terrorvorhaben zur Last gelegt. Der Mann kam zunächst in Untersuchungshaft, wurde aber später mit einer elektronischen Fussfessel freigelassen.

Vor seiner Überstellung nach Frankreich war er nach Angaben der Zeitung «La Tribune de Genève» am 14. Mai 2015 bei seiner Ankunft in der Rhonestadt verhaftet worden. Die Türkei hatte ihn nach Genf zurückgeschickt, weil sein Flug von dort ausgegangen war. Er verbrachte demnach einige Tage im Gefängnis Champ-Dollon.

Frankreich befindet sich wieder in höchster Alarmbereitschaft, nachdem bei einem Anschlag in Nizza am 14. Juli 84 Menschen getötet worden waren. Zudem wurde das Land im vergangenen Jahr von einer Serie anderer tödlicher Angriffe heimgesucht, zu denen sich zum Teil ebenfalls der IS bekannte.

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