Rettungsarbeiter

26. März 2015 22:25; Akt: 27.03.2015 15:16 Print

«So etwas habe ich noch nie gesehen»

Das Bergen der Germanwings-Opfer belastet die französischen Retter sehr. Der Kapitän der Gendarmerie setzt daher nur erfahrene Männer ein.

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Derzeit arbeiten Rettungskräfte bei der südfranzösischen Ortschaft Seyne, um die Leichen der 150 Opfer des Germanwings-Absturzes zu bergen. Die Retter haben mit vielen technischen und geografischen Schwierigkeiten zu kämpfen: Das Absturzgebiet hat eine Fläche von fast vier Hektar, mit Höhenunterschieden von 150 bis 200 Metern auf einer Länge von 500 bis 600 Metern.

«Das ist ein besonders schwer zugängliches Gebiet, sehr uneben», erklärte Frederic Petitjean, Chef-Mediziner der Region Alpes-de-Haute-Provence, der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe ausgewaschene Sandböden und instabile Stellen sowie Steigungen von 60 bis 70 Prozent. «Das Personal ist dort ganz klar in Gefahr.»

Nicht nur das: Weil der Boden vereist ist, können die Helikopter nicht landen. Die Retter müssen sich deshalb abseilen. Ausserdem tragen sie Schuhspikes und müssen sich mit Klettergurten aneinanderseilen, schreibt die spanische Zeitung «El Mundo».

Nur wenige Leichen identifiziert

Dazu kommt, dass die Männer bei der Unglücksstelle mit schrecklichen Bildern konfrontiert sind. Die meisten Opfer sind nicht mehr zu erkennen, Körperteile sind über die gesamte Fläche verstreut. Das sagte Laurent Jaunatre von der Bergrettung der Bereitschaftspolizei in Grenoble. «Nur sehr wenige Leichen sind noch identifizierbar. Da ist wohl nur noch eine DNA-Analyse möglich.»

Dieser Anblick belastet die Rettungsleute schwer, erklärt der Kapitän der Gendarmerie, Yves Naffrechoux. Er selbst habe trotz jahrelanger Erfahrung noch nie so etwas gesehen, sagt er sichtlich bedrückt. «Wir haben deswegen darauf geachtet, keine allzu unerfahrenen Kollegen einzusetzen», so der Polizist.

Die Bergungsarbeiten werden noch Wochen – wenn nicht Monate – dauern, so Jaunatre. «Wir haben das Gebiet in Planquadrate aufgeteilt», erklärt er. Zuvor hatte ein Ermittlerteam die Unglücksstelle gesichert und alles fotografiert.

(kle)