Nachfolger in Nordkorea

30. Dezember 2011 06:26; Akt: 30.12.2011 10:51 Print

«Törichte Politiker sollen keinen Wandel erwarten»

Die Nachfolge ist besiegelt: Kim Jong-Un wurde wie zuvor sein Vater und sein Grossvater als «Grosser Führer» bezeichnet. Weiter verkündet Nordkorea, dass es an seiner Linie festhalten will.

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Nach dem Tod des langjährigen Machthabers Kim Jong-Il hat Nordkorea seinen Sohn und Erben Kim Jong-Un erstmals als «Grossen Führer» bezeichnet. Neben Kim Jong-Il trug auch dessen Vater, Kim Il-Sung, den Titel «Grosser Führer».

In einer Erklärung der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission hiess es am Freitag, es sei nach dem Tod Kim Jong Ils von Pjöngjang kein Wandel zu erwarten: «Wir erklären feierlich und mit Zuversicht, dass die törichten Politiker weltweit, darunter die Marionettengruppe in Südkorea, von uns keinen Wandel erwarten sollten. Wir werden niemals mit der Verrätergruppe von (Südkoreas Präsident) Lee Myung Bak zu tun haben.»

Zuerst «oberster Führer» genannt

Die Erklärung kam einen Tag nach Ende der offiziellen Trauerfeierlichkeiten für Kim Jong-Il und der Ernennung Kim Jong-Uns zum obersten Führer der regierenden Partei und des Militärs. Bei einer Trauerfeier in Pjöngjang präsentierte sich der designierte Nachfolger Kim Jong-Un schweigend und mit gebeugtem Haupt auf einem Balkon der Öffentlichkeit.

«Der geachtete Genosse Kim Jong-Un ist der oberste Führer unserer Partei, des Militärs und des Volks», sagte Kim Yong-Nam, der formell Staatschef des kommunistischen Landes ist, vor Zehntausenden von Menschen auf einem Platz im Zentrum Pjöngjangs.

Kim Jong-Un übernehme die Ideen, den Charakter und den Mut seines Vaters, sagte Kim Yong-Nam. Nordkorea wolle unter Kim Jong-Un als General und oberstem Führer eine «blühende sozialistische Nation» aufbauen.

Führungsriege präsentiert sich

Bei der zentralen Gedenkfeier auf dem nach dem Grossvater und «ewigen Präsidenten» benannten Kim-Il-Sung-Platz überblickte Kim Jong-Un an der Seite ranghoher Militärs und Parteifunktionäre von einem Balkon aus die Menge.

Dabei waren unter anderen Armeechef Ri Yong Ho und Kim Jong-Uns einflussreicher Onkel Jang Sung Thaek. Beiden wird eine wesentliche Rolle bei Kim Jong-Uns Aufstieg zugesprochen.

Mit auf dem Balkon stand auch Kim Jong-Ils jüngere Schwester, Kim Kyong-Hui. Es wird erwartet, dass auch sie künftig eine wichtige Rolle im Land spielen wird. Die beiden anderen Söhne des Verstorbenen, Kim Jong-Nam und Kim Jong-Chol, traten bei der Zeremonie wie schon am Vortag nicht öffentlich in Erscheinung.

Militär steht hinter Kim Jong-Un

In einer Ansprache bekräftigte der Militärvertreter Kim Jong-Gak, dass die Streitkräfte dem neuen Machthaber Kim Jong-Un die Treue halten werden. Alle Soldaten würden «eine Mauer bilden, um ihn zu beschützen», sagte Gak.

Die Armee spielt mit 1,2 Millionen Soldaten bei 24 Millionen Einwohnern eine äusserst wichtige Rolle in Nordkorea, das sich mit Südkorea formell noch immer im Kriegszustand befindet. Nordkorea investiert grosse Summen in seine Verteidigung, während weite Teile der Bevölkerung Hunger leiden. Nach Angaben der UNO benötigt ein Viertel der Nordkoreaner dringend Nahrungsmittelhilfen.

Roter Seidenteppich ausgerollt

Nach Einschätzung von Beobachtern ist die Frage des Machtwechsels nun nur noch Formsache. Die Zeremonie sei dazu da gewesen, den Status Kim Jong-Uns «öffentlich zu bestätigen und zu festigen», sagte Jeung Young-Tae vom südkoreanischen Institut für die Nationale Einigung in Seoul.

De facto sei der jüngste Sohn des verstorbenen Machthabers bereits Führer der Partei, der Streitkräfte und des Landes. «Kim Jong-Il hat einen roten Seidenteppich ausgelegt, und Kim Jong-Un muss nur noch darauf laufen», sagte Jeung.

Salutschüsse und Schweigeminuten

Die 13-tägige offizielle Trauerperiode für den vor knapp zwei Wochen gestorbenen Kim Jong-Il endete mit einem dreiminütigen Schweigen der Menge sowie 20 Salutschüssen. Im ganzen Land liessen die Schiffe und Züge Sirenen und Signalhörner ertönen.

Am Vortag hatte Nordkorea mit einer pompös inszenierten öffentlichen Beisetzungsfeier Abschied von Kim Jong-Il genommen. Der Diktator, der das Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust regierte, starb nach offizieller Darstellung am 17. Dezember infolge eines Herzinfarkts. Unter seiner Herrschaft sind hunderttausende Nordkoreaner verhungert.

(ap)