«Gelbwesten»-Proteste in Paris

20. April 2019 18:43; Akt: 20.04.2019 18:50 Print

«Vergesst nicht die Elenden»

Am Samstag protestierten in Frankreich die «Gelbwesten» zum ersten Mal seit dem Brand von Notre-Dame. Thema waren dabei auch die eingegangenen Spenden für den Wiederaufbau.

Bei den Protesten der Gelbwesten-Bewegung hat es am Samstag in Paris abermals Zusammenstösse mit der Polizei gegeben. (Video: Tamedia)
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Es war die erste «Gelbwesten»-Kundgebung seit dem Brand der Kathedrale von Notre-Dame – der Bereich unmittelbar um die gotische Kirche war für die Demonstranten gesperrt.

Bis zum frühen Samstagnachmittag beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums landesweit rund 9600 Menschen an den Demonstrationen, davon 6700 Menschen in der Hauptstadt Paris. Dort kam es erneut zu Ausschreitungen. 137 Menschen wurden nach Polizeiangaben vorläufig festgenommen, 110 von ihnen kamen in Gewahrsam.

Anspielung auf «Glöckner von Notre-Dame»

Das Feuer von Notre-Dame und die anschliessend eingegangenen Spenden für den Wiederaufbau beschäftigten auch die Demonstranten. «Das Geld für Notre-Dame ist eine gute Sache», sagte ein Rentner, der früher bei der Eisenbahn gearbeitet hatte, der Nachrichtenagentur AFP. «Aber wenn man sieht, was man innerhalb weniger Stunden an Geld locker machen kann...» Auf einem Transparent war in Anspielung auf den Autor des Romans «Der Glöckner von Notre-Dame» zu lesen: «Victor Hugo dankt euch für Notre-Dame de Paris, aber vergesst nicht die Elenden.»

«Bringt euch um, bringt euch um»

Die Demonstration hatte zunächst relativ ruhig begonnen. Zu den ersten Zusammenstössen kam es dann am frühen Nachmittag in der Nähe des Bastille-Platzes.

In der Innenstadt setzten Sicherheitskräfte Tränengas gegen die «Gelbwesten» ein, wie AFP-Reporter berichteten. Demonstranten zündeten Motorroller an und warfen Flaschen und Gegenstände auf die Polizei. Zudem gab es aus den Reihen der Teilnehmer den Sprechchor «Bringt euch um, bringt euch um» – eine Anspielung auf eine Reihe von Selbstmorden unter Polizisten seit Beginn des Jahres an. Auch Mülleimer, Absperrungen und Autos standen in Flammen.

«Wut in Lösungen verwandeln»

Es ist bereits das 23. Protestwochenende der «Gelbwesten»-Bewegung – und das letzte, ehe Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag seine Reformpläne vorstellt, die er unter dem Druck der anhaltenden Demonstrationen entwickelt hat.

Die «Gelbwesten» protestieren seit fünf Monaten für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Im Dezember hatte Macron zunächst Zugeständnisse im Umfang von rund zehn Milliarden Euro angekündigt, unter anderem einen höheren Mindestlohn. Von Mitte Januar bis Mitte März liess der Präsident die Bürger zudem im Rahmen einer «grossen nationalen Debatte» befragen, um «die Wut in Lösungen zu verwandeln».

( /sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Th. Ur. Gauer am 20.04.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schämt euch ihr Superreichen

    Sicher, der Brand in Notre Dame ist historisch gesehen eine riesen Katastophe. Der Vatikan könnte ja z.B. 1 Milliarde für den Wiederaufbau spenden. Aus Rom hört man aber kein Wort. Alle jene superreichen Franzosen die jetzt zusammen eben auch schon eine Milliarde zugesagt haben, sollen sich in Grund und Boden schämen. In Paris gibt es fast 4000 Obdachlose, Familien mit Kindern leben am Rande der Armut, aber es interessiert keinen der Superreichen. Jetzt kommen sie aus ihren Löchern gekrochen und spielen sich als kulturelle Wohltäter auf. Sie sollen sich doch alle zusammen inkl. Oberschwätzer Macron in Grund und Boden schämen!

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  • Fight4Freedom am 20.04.2019 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Les Miserables...

    ... gilets jaunes... sind VIEL VIEL WICHTIGER als Notre Dame, denn hier gehts ums Leben und die Exiszenz von Menschen und nicht "nur" um ein Kulturgut... Allez les gilets jaunes!

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  • Swissgirl am 20.04.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst das Volk!

    Es ist nicht richtig, die Armen und Bedürftigen warten und Farben zu lassen, nur um sich mit Wiederaufbauversprechen der Notre Dame zu profilieren! Erst braucht es für die Bürger ein Zeichen, noch bevor über eine Milliarde Euro für ein Gebäude ausgegeben wird. So schrecklich dieser Brand auch sein mag.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter am 21.04.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Vatikanbank

    der Vatikan könnte dieses Gebäude ja wieder aufbauen es gehört doch zu seiner Firma.Aber die ergaunerten und gestohlenen Gelder dieses Betriebes kleben ja von Blut und die lassen sich deshalb nicht locker machen. Vielleicht brauchen sie es auch für die Alimente der missbrauchten Frauen.Übrigens bezahlt die Schweiz ca.40 Millionen für (Schweizergarde)den Schutz des Pabstes .Er ist ja bekanntlich der Chef der seine phädofilen Knechte schützt.

    • Bongstar am 21.04.2019 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walter

      Die alte Dame gehört dem Staat aber ich glaube gibt größere Baustellen in Frankreich als alle Steuergelder da rein stäcken

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  • W. Meili am 21.04.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tränchen und Geld für Steine

    Klar muss ND. wieder aufgebaut werden, dazu ist sie touristisch viel zu wichtig. Aber das Geflenne und Gejammere ist/war geheuchelt und zeigt, das der Gesellschaft jegliches Mitgefühl und Menschlichkeit abhanden gekommen ist.

    • Bongstar am 21.04.2019 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @W. Meili

      stimmt die muss nicht schnell rep. wenn das 200 Jahre dauert egal gibt jetzt Wichtigeres in Frankreich wahrscheinlich

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  • Penelope am 21.04.2019 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solidarität

    Ich bin beeindruckt von der grossen Solidarität. Danke an alle Spender! Vor allem die vielen kleinen Beträge von Durchschnittsbürgern sind wichtig. Es zeigt, dass unser kulturelles Erbe allen sehr wichtig ist.

    • Bongstar am 21.04.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Penelope

      ich weniger schon fast traurig

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  • Lola am 21.04.2019 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelbwesten

    Für was wollt ihr mehr Sozialgeld? Ihr macht alles kaputt, da würde ich mein Geld auch lieber in ein Gebäude stecken, als in solch einem Pack. Das die Steuern weniger sein sollten,bin ich dafür,aber sicher nicht, dass die Reichen nochmehr bezahlen müssen, damit ihr alles kurz und klein schlagen könnt, auf kosten anderer. Es gibt einen Grund,wieso die Reichen reich sind: Innovativ und in der richtigen Zeit am richtigen Ort.Genau wie diese Influencer, ävor 10-15Jahren hatte noch fast keiner so einen Erfolg wie heute. Und was soll diese Vorschrift wohin andere Spenden dürfen?Ist nicht euer Geld.

  • Matt am 21.04.2019 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelbwesten auf dem Abstieg

    Die Gelbwesten sind zu einem von Links- und Rechsextremisten unterwanderten Häufchen geschrupft. Die Fäden ziehen Le Pen und Melanchon. Was sind schon 9000 Leute in einem Volk von 60 Mio. Diese Gruppierung repräsentiert überhaupt niemanden mehr. Bei uns gehen soviele Leute an einen Superleague-Match.

    • Träumer am 21.04.2019 14:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Matt

      bin ich froh dass ich keine Albträume wie Sie haben. Ihnen scheints zu gefallen, also - weiterträumen.

    • Matt am 21.04.2019 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Träumer

      Was ist jetzt genau ihr Argument gegen meine Aussage? Die sprechen in Rätseln...

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