Brände in Australien

22. Dezember 2019 22:05; Akt: 22.12.2019 22:05 Print

«Von diesem Ort ist fast nichts mehr übrig»

Noch immer wüten die Buschfeuer in Australien. In mehreren Orten hinterliessen sie eine Spur totaler Zerstörung.

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«Wir werden uns nicht auf unbesonnene (Klima-)Ziele einlassen und traditionelle Industrien aufgeben, wodurch australische Arbeitsplätze gefährdet würden»: Der australische Premierminister Scott Morrison. (Archivbild) In der Nähe von Balmoral, New South Wales: Die Rauchsäulen der Buschfeuer sind kilometerweit zu sehen. Balmoral wurde vom Feuer praktisch zerstört. Einige Feuerwehrmänner wurden im Ort verletzt, als sie gegen die Brände kämpften. «Ich entschuldige mich»: Australiens Premierminsiter Scott Morrison spricht zu den Medien. (22. Dezember 2019) Zahlreiche ausser Kontrolle geratene Buschfeuer halten derzeit Feuerwehr und Bewohner der Bundesstaaten New South Wales und Queensland in Atem. Ein Feuerwehrsprecher sagte: «Wir hatten noch nie so viele gleichzeitig auftretende Buschfeuer auf Katastrophenniveau». In einigen Gebieten waren die Bewohner von Fluchtrouten abgeschnitten und wurden daher aufgerufen, vor Ort irgendwo Schutz zu suchen. Auch die Tierwelt ist von den Bränden betroffen. Tierschützer gehen derzeit davon aus, dass im Reservat Lake Inn an der Küste von New South Wales mindestens die Hälfte der 500 bis 600 dort lebenden Koalas verbrannt sei. Helfer hatten in den vergangenen Tagen bereits einzelne verletzte Tiere in das Koala-Krankenhaus in Port Macquarie gebracht. Wenn Feuer ausbricht, dann klettern Koalas in die Kronen der Bäume und rollen sich zu einem kleinen Ball zusammen. Kleinere Brände, bei denen das Feuer in der Nähe des Bodens bleibt, können die Tiere mit leicht verkohltem Rückenfell überleben. Die Hoffnung noch überlebende Koalas zu finden schwindet. Eine Helferin sagt: «Wir werden die Tiere, die an schweren Verbrennungen leiden, human von ihren Schmerzen erlösen.» Der östliche Bundesstaat New South Wales für diese Woche (11.11.2019) den Notstand ausgerufen. Nach Angaben der Feuerwehr sind 40 der 60 Brände in der Region derzeit ausser Kontrolle. «Durch die katastrophalen Wetterbedingungen können sich die Dinge sehr schnell verändern», sagte die Regierungschefin des bevölkerungsreichsten Bundesstaates am Montag in Sydney. «Halten Sie sich um Gottes Willen vom Buschland fern», warnte sie die Menschen in der Region. Besonders am Dienstag solle es sehr heiss werden, zudem rechne man mit heftigen Winden. Eine Notstandserklärung ermöglicht es der Feuerwehr, alle staatlichen Ressourcen zu mobilisieren sowie Evakuierungen zu organisieren. Die Einsatzkräfte laufen von Ort zu Ort, um neue Brände zu löschen. Gigantische Rauchwolken umhüllten mitunter ganze Ortschaften. Wohngebiete waren wegen der Brände von wichtigen Fluchtrouten abgeschnitten, laut Behördenangaben musste die wichtigste Autobahn zwischen Sydney und Brisbane, der Pacific Highway, zwischenzeitig geschlossen werden. Bei Dutzenden Buschbränden im Osten des Landes sind seit vergangener Woche mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Rund 100 weitere wurden verletzt, darunter 20 Feuerwehrleute. Mehr als 150 Häuser und Wohnungen wurden von den Flammen beschädigt. Mindestens 40 Schulen wurden bereits geschlossen. Lyn und Peter Iverson haben alles verloren. Bisher ist den Behörden zufolge eine Fläche von knapp einer Million Hektar Land betroffen. Den Buschfeuern ging eine Dürreperiode voraus: Feuerwehrmänner bekämpfen die Brände in Woodford, New South Wales. (8. November 2019) Selbst aus dem Weltall sind die Buschfeuer zu erkennen. In einigen Gebieten waren die Bewohner von Fluchtrouten abgeschnitten. Viele Menschen wurden verletzt - die meisten davon sind Feuerwehrleute. Auch aus der Luft wird versucht, die Feuer unter Kontrolle zu bringen. Rauchwolken verdunkeln den Himmel und ... ... sind von Weitem, wie hier in der Nähe von Tuncurry (etwa 300 Kilometer nördlich von Sydney), zu sehen. Zahlreiche Häuser wurden zerstört.

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Seit September kämpft die Feuerwehr in Australien gegen die Buschfeuer. Bisher starben mindestens zehn Menschen, über 1000 Häuser wurden zerstört. In einigen Gemeinden wütete das Feuer besonders schlimm, so auch in Balmoral im Südwesten von Sydney.

Gladys Berejiklian, Premierministerin von New South Wales, hat den Ort besucht. Es sei «nicht mehr viel übrig» vom 400-Seelen-Ort, wird sie von BBC zitiert. Die Situation sei «katastrophal». Der Ort war innerhalb von Tagen zweimal vom Feuer heimgesucht worden.

Leute wollen zurück, um zu sehen, was noch übrig bleibt

Derzeit dürfen die Bewohner noch nicht zurück ins Dorf. Wie viele Häuser zerstört wurden, ist noch unklar. Tote gab es in dem Ort glücklicherweise nicht, einige Feuerwehrmänner wurden jedoch beim Kampf gegen die Flammen verletzt.

«Wir wollen, dass die Leute zurück auf ihr Land können, sobald es geht», sagt Berejiklian. «Aber es muss sicher sein. Auch wenn Leute ihr Zuhause verloren haben, wollen sie zurückkehren, um zu sehen, was übrig geblieben ist und ob es etwas gibt, dass sie noch retten können.»

Seit dem aussergewöhnlich frühen Beginn der diesjährigen Buschbrand-Saison im September brannten bereits mindestens drei Millionen Hektar Land nieder - das entspricht in etwa zwei Dritteln der Fläche der Schweiz.

(vro)