Pädo-Skandal um Jesuiten-Orden

08. Februar 2010 18:10; Akt: 08.02.2010 18:15 Print

«Wegsehen Vieler hat Leid verursacht»

Einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie könne nicht hergestellt werden, verteidigt ein Jesuitenpater den Orden. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche verurteilt derweil den Missbrauch von Kindern durch Priester scharf.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Zölibat und Pädophilie gebe, sieht Jesuitenpater Andreas Batlogg überhaupt nicht - trotz der vielen Missbrauchsfälle innerhalb seines Ordens, deren Dimensionen noch nicht abzuschätzen sind (20 Minuten Online berichtete). Zölibatäres Leben bedeute nicht Verzicht auf Intimität. Auch als Jesuitenpater müsse man eine «Intimitätsbefähigung» entwickeln. «Gelübde ablegen heisst nicht, dass ich Sexualität ablege», fügte Batlogg hinzu: «Wenn ich da nicht lebenslang dran arbeite, kann es natürlich auch zu schweren Fehlern, Vergehen oder Störungen kommen.»

Batlogg kündigte eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe gegen seinen Orden an. Strafrechtlich relevante Dinge würden den Staatsanwälten zugeführt, sagte der Chefredakteur der jesuitischen Monatszeitschrift «Stimmen der Zeit» am Montag im Deutschlandradio Kultur und fügte hinzu: «Auch wenn etwas juridisch verjährt ist: Es gibt eine Verantwortung des Ordens. Diese Dinge sind passiert, auch wenn einige dieser Padres mittlerweile ausgetreten sind.»

Papst verurteilt Missbrauch

Papst Benedikt XVI. hat den Missbrauch von Kindern durch Priester scharf verurteilt. Bei seiner Ansprache vor Mitgliedern des Päpstlichen Rats für die Familie am Montag in Rom nahm das Kirchenoberhaupt allerdings keinen direkten Bezug auf die gerade bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in Deutschland.

Über Jahrhunderte hinweg habe die katholische Kirche sich für die Liebe und den Respekt gegenüber Kindern ebenso eingesetzt wie für die Achtung der grundlegenden Menschenrechte von Kindern, sagte der Papst und fügte hinzu: «Unglücklicherweise haben einige Mitglieder in einigen Fällen im Widerspruch zu dieser Verpflichtung gehandelt, sie haben diese Rechte verletzt.» Dieses Verhalten habe die Kirche stets missbilligt und verurteilt, und das werde sie auch künftig weiter tun.

Transparenz um jeden Preis

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, forderte eine rasche Aufklärung der Vorwürfe und appellierte an die Opfer, sich bei den zuständigen Stellen zu melden. «Es muss volle Transparenz geben, so schmerzlich dies auch sein kann», sagte er.

Zugleich drückte Glück das Mitgefühl des ZdK mit den Menschen aus, die in kirchlichen Einrichtungen Opfer von sexuellen Übergriffen wurden. «Das Fehlverhalten Einzelner, aber auch das Schweigen und Wegsehen Vieler haben grosses menschliches Leid verursacht und dem Ansehen unserer Kirche schweren Schaden zugefügt», sagte der CSU-Politiker und ehemalige bayerische Landtagspräsident.

(ap)