Kroatien feiert

01. Juli 2013 02:39; Akt: 01.07.2013 14:02 Print

«Willkommen in der Europäischen Union»

Zehntausende Menschen haben in Zagreb den EU-Beitritt Kroatiens gefeiert. Das 28. Mitglied steckt seit 2009 in der Rezession und wird das drittärmste Land der Union sein.

storybild

Kroatiens Präsident Ivo Josipovic erhält von seiner litauischen Amtskollegin Dalia Grybauskaite ein Trikot mit der Nummer 28. Litauen übernimmt am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz für die zweite Jahreshälfte. (Bild: Keystone/AP/Darko Bandic)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Punkt Mitternacht erklang in Zagreb die EU-Hymne, Beethovens «Ode an die Freude», während ein gigantisches Feuerwerk den nächtlichen Himmel erhellte. «Willkommen in der Europäischen Union», rief EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso den Menschen auf dem zentralen Platz der kroatischen Hauptstadt zu. «Das ist eine historische Nacht. Sie haben Kroatien auf seinen angestammten Platz im Herzen Europa zurückkehren lassen.»

Der kroatische Präsident Ivo Josipovic rief seine Landsleute zum Optimismus auf. Die Krise in seinem Land sei eine «Herausforderung», auf eine bessere Zukunft des Landes hinzuarbeiten. «Solche Momente gibt es nicht oft für eine Nation», sagte er danach bei einem Abendessen für die Gäste. Er versprach, die EU-Mitgliedsbestrebungen anderer Staaten auf dem Westbalkan zu unterstützen.

Vorreiter für die Region

An der Beitrittsfeier nahmen mehr als hundert EU-Vertreter sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer teil. «Ihr seid immer Europäer gewesen», sagte EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Kroatiens Beitritt sei ein «Meilenstein» und wichtiger Vorreiter für die Region.

Kroatien habe Institutionen geschaffen, die auf Demokratie, Versöhnung und Rechtsstaatlichkeit beruhten, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Im westlichen Balkan, einer Region, die noch vor zwei Jahrzehnten durch Krieg erschüttert wurde, trage die EU-Integration zu Frieden und Wandel bei.

Das drittärmste EU-Land

Kroatien ist nach Slowenien die zweite ehemalige jugoslawische Teilrepublik, die nun Mitglied der EU ist. Dem Beitritt waren zehn Jahre mühsamer Verhandlungen vorausgegangen. Das 28. Mitglied mit seinen 4,2 Millionen Einwohnern wird nach Bulgarien und Rumänien das drittärmste EU-Land sein.

Das Bruttoinlandsprodukt liegt laut EU-Statistik 39 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Seit 2009 befindet sich das Land in der Rezession, 21 Prozent der Menschen sind arbeitslos. Zudem mahnt die EU weitere Anstrengungen im Kampf gegen die Korruption an.

Ex-Premier im Gefängnis

Trotzdem sei Kroatien auf den EU-Beitritt besser vorbereitet, als manch andere Mitglieder es gewesen seien, sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin Milanka Opacic. Die Mitgliedschaft schaffe Möglichkeiten für Kroatien. Doch schwerwiegende Probleme wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit und das niedrige Lohnniveau müsse das Land selbst lösen: «Das ist unser Problem, die EU wird es nicht für uns lösen», sagte Opacic.

Unter den Gästen beim offiziellen Countdown waren auch alle kroatischen Präsidenten und Regierungschefs seit der Unabhängigkeit vor 22 Jahren - mit Ausnahme von Ex-Premier Ivo Sanader. Dieser sitzt derzeit eine zehnjährige Haftstrafe wegen Korruption ab.

(pbl/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rebecca am 01.07.2013 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prächtiges Land..

    Kroatien ist ein wunderschönes Land mit wunderbaren Menschen, und einer Geschichte die zu bewundern ist! gehe immer wieder gern dort hin! ich hoffe nur dass das gut kommt mit der EU.. villeicht erlangen die Menschen mehr Mut und Willen zur Besserung

  • Hans am 01.07.2013 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da geht...

    ...es hin; das sauerverdiente Geld. Ich als D-Staatsbürger bitte die Schweiz um EU Beitritt. Dann sind wir Deutschen nicht mehr die einzigen Melkkühe...

    einklappen einklappen
  • User am 01.07.2013 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen

    @Marc. Irgendwo hat Ausländerhass auch Grenzen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • PatrickDaniel am 02.07.2013 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kurz vor dem Staatsbankrott

    Kroatien steht kurz vor dem Staatsbankrott, weshalb letzten Dezember alle Ratingagenturen Kroatien auf "Ramsch"-Niveau eingestuft haben. Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei 21%, in Tat und Wahrheit liegt sie über 30%. Ca. 52% der Jungen bis 25 Jahre alt sind arbeitslos. Seit 5 Jahren sinkt das BIP und seither befindet sich Kroatien in der Rezession. Die EU hat erneut einen Pleitekandidaten aufgenommen und die CH wird gezwungen auch mit diesem maroden Staat die Personenfreizügigkeit einzuführen, auch wenn ich die Kroaten als sehr sympathische Personen erachte und sie schätze.

  • Kroate am 02.07.2013 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort

    @Marija Klaric. Zum Psychologen würde ich empfehlen. Ihr Text spricht für sich... weiss nicht mal wo ich da anfangen soll o_O Nur weil Kroatien nun in der EU ist, haben sie eine Heimat verloren? Kroatien ist immer noch da... weiter weiss ich erlich nicht was sagen. Psychologe, dort hin, definitiv.

  • User am 01.07.2013 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen

    @Marc. Irgendwo hat Ausländerhass auch Grenzen.

  • Marija Klaric am 01.07.2013 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    verlogene bande

    heute habe ich meine heimat verloren an eine bande die alles vernichtet.. ab heute werde ich trauer tag einlegen am 01. Juli, todestag meiner heimat.. niergends bin ich jetzt zuhause.. hier lüg und trug dort noch mehr, wohin gehen?!

  • Beobachter am 01.07.2013 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kroatien

    War ja klar das die Schweizer wider mal nur motzen und über Geld reden -_- Volkssport! Und trotzdem gehen mehr Schweizer nach Kroatien Ferien machen als Kroaten in die Schweiz, ihr lässt euer Geld freiwillig dort. Kroatien wurde im Krieg ziemlich verwüstet und baut seit 20 Jahren alles wider auf, neue Häuser, Städte, Strassen, Brücken, Tunnel etc. Mehr als die Schweiz in den letzten 40 Jahren gebaut hat und trotzdem behauptet ihr, Kroatien wolle die EU ausnutzen um neues bauen zu können obwohl sie in den letzten 20 Jahren bewiesen haben, dass sie das gut alleine können, ohne die EU -_-