Lombardei

24. Februar 2020 21:08; Akt: 25.02.2020 08:45 Print

«Wir dürfen uns nur in der roten Zone bewegen»

von Daniel Graf/Silvana Guanziroli - Der Ort Bertonico in der Lombardei ist wegen des Coronavirus-Ausbruchs abgeriegelt. 20 Minuten hat mit einem Einwohner gesprochen.

In Norditalien ist das Coronavirus ausgebrochen. 20 Minuten ist vor Ort. (Video: 20 Minuten)
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Seit das Örtchen mit seinen 1200 Einwohnern unter Quarantäne steht, gleicht Bertonico einer Geisterstadt, das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen. Autohändler Deran (27) hat Fotos von den menschenleeren Strassen geschossen. «Es gibt nichts mehr in den Läden oder Bars in Bertonico», erzählt der 27-Jährige.

20 Minuten trifft ihn an den Absperrungen wenige hundert Meter vom Stadtrand entfernt. Weiter darf er sich nicht mehr aus dem Ort entfernen. Hier stehen die Carabinieri und kontrollieren sämtlichen Verkehr, weisen die Fussgänger an, wieder zurück ins Dorf zu gehen. «Wir dürfen uns nur in der roten Zone bewegen, für Dinge wie Zigaretten sind wir auf die Unterstützung von Freunden und Familie angewiesen, die ausserhalb der Quarantäne leben.»

«Es wird mindestens noch einen Monat dauern»

In Bertonico selber tragen die Menschen laut Deran alle Atemschutzmasken. Er selber hält das für übertrieben. «Wenn das Virus hier ist, habe ich es wohl so oder so schon. Für mich wird viel zu viel Theater um das Ganze gemacht.» Wie lange die Stadt noch abgeriegelt bleibt, weiss er nicht: «Die Behörden sagen zwei Wochen, ich denke aber, dass es mindestens noch einen Monat dauern wird, bis wir uns wieder frei bewegen können.»


Der 27-jährige Deran ist Autohändler und darf wegen des Coronavirus die rote Zone in Norditalien derzeit nicht verlassen. (Video: 20 Minuten)

Wie lange es effektiv dauern wird, kann auch Fabio Palladino, Polizeikommandant von Lodi, nicht sagen. Er versucht zu beruhigen: «Wir haben die Situation unter Kontrolle, alle tragen Atemschutzmasken und niemand darf die Quarantäne-Gebiete verlassen.»

Familien versorgen Eingeschlossene

Trotz seiner Versicherung: 20 Minuten erlebt an der Grenze zur roten Quarantänezone ein komplett anderes Bild: Hier herrscht ein reges Treiben. Menschen kommen und gehen, treffen sich mit Freunden und Verwandten, die die Stadt nicht verlassen dürfen. Lebensmittel werden ausgetauscht, nur die wenigsten tragen Atemschutzmasken. Es kommt zum regen Austausch auch über die Absperrung hinweg. Zwei Polizisten beobachten das Geschehen, greifen aber nicht ein.


Ein reger Austausch an der roten Zone.

Immer wieder rasen Krankenwagen mit Blaulicht vorbei. Am Steuer sitzen Notärzte in weissen Ganzkörper-Schutzanzügen und Atemschutzmasken. Die Mehrheit dieser Ambulanzfahrzeuge fährt in Richtung Lodi. Dort befindet sich eines der grösseren Krankenhäuser der Region. Hier wurde eine Quarantäne-Abteilung eingerichtet, wie Polizeichef Palladino bestätigt.

Behörden vergrössern Quarantänezone
Das Spital in Godogno wurde derweil geschlossen. Hier wurde der erste italienische Patient mit dem Coronavirus behandelt. Es handelt sich dabei aber nicht um «Patient 0», wie ursprünglich vermutet wurde. Die Ursache für die Epidemie in Italien bleibt damit unklar.

Diese breitet sich weiter aus: Am Montagmorgen wurde der Radius des Quarantänegebiets rund um Godogno vergrössert. Schon zehn Kilometer vor der Gemeindegrenze lassen die Polizisten niemanden mehr rein oder raus. Wer dennoch reingeht, bleibt mindestens zwei Wochen in der Sperrzone gefangen. Widersetzt sich jemand dieser Anordnung, muss er mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cervelat am 25.02.2020 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das brint so gar nix!

    Ich habe mich schon beim Titel gefragt wie 20min mit jemandem in der Quarantänne-Zone sprechen kann. Und wenn man dann liest das sich die Bewohner der Quarantäne-Zone an deren Grenze mit Verwandten und Bekannten treffen dann frage ich mich schon was diese Quarantäne-Zone bringen soll??? So fahrlässig wie die Menschen mit dieser Grippe umgehen ist es nicht verwunderlich, dass diese sich über den ganze Globus ausbreitet. Schaut nur mal auf Flightradar24 wie im Minutentakt Flugzeuge aus China abheben deren Insassen das Virus in der ganzen Welt verteilen. So wird das nichts mit der Bekämpfung...

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  • LEXx am 24.02.2020 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dornröschen Schlaf

    Wann wird Europa aus dem Dornröschen Schlaf erwachen und merken dass hier bald nichts mehr funktioniert!!

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  • Beat Felber am 25.02.2020 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht Provokation !

    Die ganze Antike, Mittelalter und Neuzeit waren Seuchen, Hungernöte und Kriege die Geissel der Menschheit. Die drei sorgten dafür, dass die Bevölkerungsdichte über Jahrhunderte konstant blieb. Erst seit es moderne Medizin gibt und aus Angst vor Massenvernichtungsmitteln nur noch lokale Kriege geführt werden, explodiert die Weltbevölkerung mit den bekannten Folgen: Verknappung der Ressourcen, Umweltprobleme, Abfallberge, Dichtestress, blockierte Verkehrswege, Druck auf die letzten Naturräume usw. Sollte jetzt eine Pandemie die Weltbevölkerung reduzieren, so hätte das nicht nur negative Folgen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.Pagano am 25.02.2020 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so

    Nur weiter so reisen bis zum abwinken, alles Globalisieren und immer motzen wegen Umweltschutz. Bravo alle die sich nun betroffen fühlen viel Vergnügen mit dem Corona Virus hoffentlich habt Ihr ein milden Verlauf und fangt an umzudenken.

  • marco am 25.02.2020 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    italien hat super reagiert sie haben dörfer gesperrt usw...hoffe der virus breitet sich in der schweiz aus...dann könnt ihr zeigen was ihr bünzlis könnt ausser andere regierungen zu beleidigen

  • Peterryan am 25.02.2020 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf ein Corona Bier

    Wie ist das Wetter am Lago Magiore am Wochenende? Schön? Dann geht's dahin fürs WE. Sicher gibt es dort viel Platz

  • Ani am 25.02.2020 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Schliesst die Grenze und gut ist, das Virus macht dann kehrt, so intelligent ist es

  • marko 34 am 25.02.2020 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entweder

    Entweder